Porträt

Furchtlos und stramm rechts – Kemi Badenoch, die streitbare neue Tory-Anführerin

In London geboren, in Nigeria aufgewachsen, führt Kemi Badenoch seit Samstag die konservativen Tories an. Wer ist die Frau, die der demoralisierten Partei neues Leben einhauchen soll?

Kemi Badenoch bei einer Rede in Birmingham Anfang Oktober

Kemi Badenoch bei einer Rede in Birmingham Anfang Oktober Foto: AFP

Politisch interessierte Briten führen darüber Klage, wie langweilig das Spitzenpersonal der neuen Labour-Regierung unter Keir Starmer sei. Für die rechte Hälfte des politischen Spektrums kann dies nicht gelten, dafür sorgt schon die neue konservative Oppositionsführerin.

Kemi Badenoch ist nicht nur die erste schwarze Frau, die eine große demokratische Partei in Europa führt. Die stramm rechte IT-Ingenieurin gilt als furchtlos, legt sich mit Journalisten ebenso an wie mit Parteifeinden und stellt den Tories wie dem ganzen Land „schwierige Wahrheiten“ in Aussicht. Großbritannien werde „ärmer und älter“, wirtschaftlich verliere man den Wettbewerb mit anderen Nationen, hat sie in ersten Interviews gesagt und dazu gelächelt: „Das ist eine tolle Herausforderung.“

Freilich muss die 44-Jährige zunächst einmal ihre demoralisierte Partei nach der schweren Niederlage im Juli aufrichten und der überalterten, wenn auch wohlhabenden Mitgliederschaft neuen Optimismus einhauchen. Dazu zählt auch die Wiederherstellung einer einigermaßen schlagkräftigen und am selben Strang ziehenden Unterhausfraktion – gemeinsam, statt gegeneinander zu arbeiten, haben die Tories zuletzt verlernt.

Von „dummen weißen Linken“ bestärkt

Ob Badenoch dazu die richtige Person ist? Im Regierungsviertel Whitehall machen Geschichten von heftigen Streits mit Beamtinnen, Fraktionskollegen und Journalisten die Runde. In ihrem kurzzeitigen Job als IT-Managerin beim Magazin Spectator erwarb sich Badenoch den Ruf einer „Königin der Fehlfunktionen“. 

In London geboren, in Nigeria aufgewachsen, kam Olukemi Olufunto Adegoke für die letzten beiden Schuljahre zurück auf die Insel. Während des Studiums sah sie sich von „dummen weißen Linken“ in ihrem Konservatismus bestärkt. Mit einem reichen schottischen Banker verheiratet, zog die Mutter von drei kleinen Kindern 2017 ins Unterhaus ein und machte rasch Karriere. Unter Rishi Sunak, dem ersten braunen Premierminister des Landes, diente die prominente Schwarze zuletzt als Handelsministerin.

Ihre Wahl zur Oppositionsführerin feierte Premier Starmer als „stolzen Moment für unser Land“. Tatsächlich können sich die Konservativen zugutehalten, seit langem mit ihrem Spitzenpersonal die vergleichsweise gute Integration ethnischer Minderheiten auf der Insel besser zu repräsentieren als Labour oder Liberaldemokraten. Ob Badenoch aber unterschiedliche Flügel der Konservativen integrieren, geschweige denn das Land hinter sich vereinen kann? Eine „tolle Herausforderung“, gewiss.

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