Nach Amokfahrt von Leipzig

Fahrer muss vorerst in die Psychiatrie

Nach der tödlichen Amokfahrt in einer Leipziger Einkaufsstraße trauert Leipzig um die Opfer. Zugleich herrscht Rätselraten, warum der 33-Jährige seinen Wagen in die Menschen steuerte.

Kerzen und Blumen am Gedenkort der Amokfahrt in Leipzig mit zwei Toten und drei Schwerverletzten an Grimmaischer Straße

Kerzen und Blumen liegen nach der mutmaßlichen Amokfahrt in Leipzig mit zwei Todesopfern und drei Schwerverletzten an der Zufahrt zur Grimmaischen Straße Hendrik Schmidt/dpa

Nach der Amokfahrt eines 33-Jährigen in Leipzig kommt der Täter vorerst in ein psychiatrisches Krankenhaus. Das hat ein Ermittlungsrichter angeordnet. Dem Deutschen werden zweifacher Mord sowie versuchter Mord in vier Fällen vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft Leipzig mitteilte. In Leipzig herrschte am Tag nach der Gewalttat große Trauer. Viele Menschen legten Blumen und Kerzen nieder und gedachten der Opfer.

Nach bisherigen Ermittlungen gebe es dringende Gründe dafür, dass der Mann die Tat „im Zustand der zumindest erheblich verminderten Schuldfähigkeit“ begangen habe, hieß es in der Mitteilung. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft habe das Amtsgericht seine einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus als für die öffentliche Sicherheit erforderlich angesehen. Nach bisherigen Erkenntnissen sei es wahrscheinlich, „dass der Beschuldigte aufgrund seines Zustandes weitere erhebliche rechtswidrige Taten vergleichbarer Schwere begehen wird“.

Zwei Tote, sechs Verletzte

Laut Polizei war der Täter am Montag gegen 16.45 Uhr im Stadtzentrum in die Grimmaische Straße gefahren, die zu den zentralen Einkaufsstraßen der Stadt gehört. In der Fußgängerzone erfasste er mehrere Menschen mit seinem Wagen. Der Fahrer brachte das Auto anschließend selbst zum Stehen und ließ sich widerstandslos festnehmen. Er habe möglichst viele Menschen töten und schwer verletzen wollen, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

Durch die Amokfahrt starben zwei Menschen – eine 63-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann. Wie die Staatsanwaltschaft und die Polizei Leipzig mitteilten, wurden sechs Menschen im Alter von 21 bis 87 Jahren verletzt – ein 75 Jahre alten Mann und eine 84 Jahre alte Frau schwer. Zudem mussten mehr als 80 Menschen nach dem Geschehen betreut werden. Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung sprach von einer angespannten, aber stabilen Lage. „Gottlob ist niemand in Lebensgefahr“, sagte er.

Die Polizei geht nach bisherigen Erkenntnissen nicht von einem politischen oder religiösen Motiv des Fahrers aus. Die Tat wird als Amokfahrt eingestuft. Die Ermittlungen zu den Tatmotiven dauerten an, hieß es.

Täter war in psychiatrischer Behandlung

Den Angaben zufolge ist der 33-Jährige aus Leipzig und war wenige Tage zuvor in stationärer Behandlung in einer psychiatrischen Einrichtung. Wie das Sozialministerium in Dresden bestätigte, hatte er sich auf eigenen Wunsch in der Klinik aufgehalten und war Ende April entlassen worden. Er ist auch schon polizeilich aufgefallen, unter anderem wegen Bedrohung und ehrverletzender Delikte im sozialen Umfeld. Dabei handelt es sich um Vorfälle ohne körperliche Gewalt, etwa Beleidigungen oder Herabwürdigungen.

Blumen und Kerzen – viele Menschen trauern um die Opfer

Die Trauer und Anteilnahme in Leipzig sind immens. Vor dem Uni-Gebäude Paulinum, das sich zu einem zentralen Gedenkort entwickelt hat, legten Menschen Blumen und Kerzen nieder. Sachsens Staatsregierung ordnete Trauerbeflaggung an allen Gebäuden von Behörden und Dienststellen des Freistaates an. „Unser Mitgefühl gilt den Familien und Angehörigen der Opfer“, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. „In Gedanken sind wir bei ihnen und allen, die von diesem schrecklichen Ereignis betroffen sind.“

In der Leipziger Nikolaikirche – bekannt als wichtiges Symbol der Friedlichen Revolution 1989 – wurde am Dienstag eine ökumenische Andacht gehalten. „Leipzig trauert, aber Leipzig steht zusammen“, sagte Oberbürgermeister Jung zu den mehreren Hundert Menschen in der Kirche. „Wir suchen Worte. Wir suchen Erklärungen. Ich glaube, die richtigen Worte gibt es nicht.“

Auch die Thomaskirche war für Trauernde geöffnet. Bereits am Mittag fand im Paulinum der Universität eine Andacht statt. Die Veranstaltung richtete sich an Studierende und die Öffentlichkeit. Mehr als 1.000 Menschen nahmen daran teil, darunter hunderte vor den geöffneten Türen der Kirche.

Im Neuen Rathaus liegt ein Kondolenzbuch aus, in das sich Bürgerinnen und Bürger eintragen können. Jung zeigte sich dankbar für die große Anteilnahme und die Hilfe vieler Menschen unmittelbar nach der Tat.

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