Hintergrund
Erniedrigen von Kindesbeinen an – Gewalt ist tief in der russischen Gesellschaft verankert
Die Gräueltaten der russischen Armee in der Ukraine entsetzen auch manche russische Bürger. Gewalt ist jedoch tief in der Struktur der russischen Gesellschaft verankert.
Zynische Haltung: Der russische Präsident Wladimir Putin hat Gewalt zum Prinzip seiner Politik gemacht Foto: dpa/Dmitry Azarov
Ein Spielplatz irgendwo im Zentrum Moskaus. Die Kinder rennen umher, die Kinder lachen, die Kinder versuchen sich an Klettergerüsten. „Komm da runter, habe ich dir gesagt, du Nichtsnutz!“, schreit eine Mutter ihren Sohn an. „Hör’ sofort auf zu brüllen, sonst kommt der Polizist und holt dich, du Drecksau“, sagt ein Vater zu seiner Dreijährigen, die sich auf den Standpunkt stellt, den Spielplatz nicht verlassen zu wollen und das mit lautem Weinen bekundet. Plötzlich rennt eine Mutter hinter einem Jungen her, wirft ihn zu Boden, stellt sich über ihn, hebt den Finger und ereifert sich: „Du machst das nicht noch mal, du Dummkopf. Du hast mein Kind angerempelt.“ Lediglich zwei Erwachsene erheben ihre Stimme für den Jungen am Boden. Die anderen schauen weg, manche bekräftigen die Frau: „Wenn man den Gören alles erlaubt und alles durchgehen lässt, werden sie nie Ruhe geben. Das darf man nicht zulassen.“