Italien
Einstiger Regierungschef Enrico Letta wieder an der Spitze des Partito Democratico
Enrico Letta konnte am Sonntagmorgen seine Überraschung selbst nicht verbergen: Voller Emotionen kehre er an den Sitz der Demokratischen Partei in der Via del Nazareno in Rom zurück. An den Ort, den er vor sieben Jahren, nach dem schmählichen Sturz durch seinen innerparteilichen Konkurrenten und Nachfolger auf den Sessel des Regierungschefs, Matteo Renzi, verlassen hatte. Nun steht der 54-jährige Pisaner wieder an der Spitze der Demokratischen Partei.
Die italienischen Sozialdemokraten wählten den ehemaligen Ministerpräsidenten Enrico Letta zu ihrem neuen Vorsitzenden Foto: dpa/AFP/Eric Piermont
Die Wahl Enrico Lettas zum neuen Sekretär des Partito Democratico (Pd) war überdeutlich einstimmig: Bei der Online-Abstimmung stimmten 860 Delegierte für Letta, nur zwei Gegenstimmen (bei vier Enthaltungen) wurden gezählt. Selten ist ein Parteichef so einmütig gewählt worden. Ein Zeichen der Wiedergutmachung? Im April 2013 wurde Enrico Letta vom damaligen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano mit der Bildung einer Koalitionsregierung aus Pd, Silvio Berlusconis Popolo della Liberta, dem Zentrum und der Partei Scelta civica beauftragt. Es war die erste Regierung nach dem technischen Kabinett Mario Montis. Letta war etwa ein Jahr Regierungschef, bis ihm durch innerparteiliche Querelen – ausgelöst vom Bestreben des „Verschrotters“ Matteo Renzi – der Posten streitig gemacht wurde: Renzi wollte nicht nur den Partei-, sondern auch den Regierungsvorsitz.