Asylpolitik
Ein Leben im Flüchtlingslager – Wartezonen zwischen Provisorium und Dauerzustand
Die Europäische Union betreibt mit ihrer neuen verschärften Asylpolitik die „Auslagerung“ der Migration mithilfe von streng geregelten Strukturen. Derweil zeigt sich innerhalb wie auch außerhalb Europas die oftmals bittere Realität in den Flüchtlingscamps.
Somalische Flüchtlinge in Dadaab, Kenia (2023) Foto: Tony Karumba/AFP
Es war Ende Oktober vor zehn Jahren, als der „Dschungel von Calais“ geräumt wurde. Zeitweise hatten mindestens 9.000 Migranten in der Zeltstadt mit provisorischen Unterkünften kampiert und auf eine Weiterreise über den Ärmelkanal ins Vereinigte Königreich gewartet. Bevor die etwa 1.250 Beamte der französischen Polizei vor allem der Spezialeinheit CRS das Flüchtlingslager schlossen, war es noch zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen den Uniformierten und einigen Bewohnern des Camps gekommen. Letztere wurden auf die rund 160 Aufnahmezentren im ganzen Land verteilt.
Die hygienischen Zustände im „Dschungel“, auf dem Gelände einer früheren Mülldeponie, waren katastrophal. Gewalt und Unsicherheit herrschten. In der Gegend hatte es bereits nach der Auflösung des Roten-Kreuz-Camps, dem „Hangar von Sangatte“, illegale Lager gegeben. Die französische Regierung wollte dem ein Ende machen, um der Lage Herr zu werden. Die Bürger von Calais hatten zunehmend gegen die Tatenlosigkeit protestiert – für Marine Le Pen vom Rassemblement national vor der Präsidentschaftswahl 2017 ein gefundenes Fressen.