Tunesien

Die unvollendete Revolution

Ohne Zweifel ist es den Tunesiern vor zehn Jahren gelungen, den Machthaber Zine El Abidine Ben Ali nach 23 Jahren in die Flucht zu treiben. Aber die eigentlich erforderlichen durchgreifenden Reformen bei den Sicherheitskräften sind ausgeblieben und das Wirtschaftsleben leidet unter der grassierenden Korruption. Wenn die Demokratisierung im politischen Bereich teilweise gelungen ist, so bleibt die tunesische Revolution im Kern doch unvollendet.

Ein Monument in Sidi Bouzid – der Karren des Gemüsehändlers – erinnert an Mohamed Bouazizi, dessen Selbstverbrennung den Anstoß für die unter dem Namen „Arabischer Frühling“ bekannt gewordenen Revolutionen in Nordafrika und im Nahen Osten gab

Ein Monument in Sidi Bouzid – der Karren des Gemüsehändlers – erinnert an Mohamed Bouazizi, dessen Selbstverbrennung den Anstoß für die unter dem Namen „Arabischer Frühling“ bekannt gewordenen Revolutionen in Nordafrika und im Nahen Osten gab Foto: Fethi Belaid/AFP

Als Ben Ali am 14. Januar 2011 mit einigen Angehörigen und wenigen Vertrauten das Land verließ, war dies der Auftakt des Arabischen Frühlings, der in mehreren Staaten der Region Domino-Effekte auslöste. Doch in Tunesien blieb der Polizeiapparat, der unter Ben Ali die Herrschaft sicherte, auch nach diesem Einschnitt weitgehend intakt. 2011 seien lediglich 54 Mitarbeiter des Innenministeriums vor die Tür gesetzt worden, sagt Oula Ben Nejma, Vize-Chefin der damals mit den Reformen im Sicherheitsbereich beauftragten Kommission. Und „sie wurden weder vor Gericht gestellt noch bestraft“.

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