SPD in Deutschland
Die Genossen leiden wieder unter ihren Ex-Chefs
Eigentlich wollten die Genossen mit Schwung aus der letzten Sitzungswoche des Bundestages in die Sommerpause gehen. Und die Woche war für die Sozialdemokraten durchaus eine gelungene: Die Grundrente wurde verabschiedet, die Mehrwertsteuer gesenkt, das Corona-Konjunkturpaket verabschiedet. Maßnahmen, die die Handschrift von Arbeitsminister Hubertus Heil und Finanzminister Olaf Scholz tragen. Doch wie so oft werden die Erfolge plötzlich durch Querschüsse überlagert.
Als Gast-Lobbyist im Bundestag: Gerhard Schröders Gastspiel erinnerte die Sozialdemokraten daran, welchen Bärendienst der „Genosse der Bosse“ seiner Partei in den letzten Jahren erwiesen hat Foto: dpa/Kay Nietfeld
Zunächst fuhr der SPD ihr früherer Vorsitzender Gerhard Schröder in die Parade. Der Altkanzler sagte am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Bundestages als Gas-Lobbyist im Dienste des russischen Präsidenten Wladimir Putin aus, dem „lupenreinen Demokraten“, wie Schröder seinen Kumpel einst bezeichnete. Eingeladen worden war der 76-Jährige als Sachverständiger vom Linken-Politiker Klaus Ernst, um das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 zu verteidigen, mit dem Gas aus Russland nach Deutschland geliefert werden soll. Schröders Auftritt sei „peinlich“ gewesen, hieß es danach seitens der Opposition. Viel Aufmerksamkeit zog das Gastspiel jedenfalls auf sich, und es erinnerte die Sozialdemokraten daran, welchen Bärendienst der „Genosse der Bosse“ seiner Partei in den letzten Jahren erwiesen hat.