Tageblatt-Feature
„Das Straflager lässt dich nicht los“: Ein russischer Ex-Häftling erzählt von Erniedrigung und einem korrupten System
Ruslan Wachapow verbüßte fünfeinhalb Jahre Haft in einer russischen Strafkolonie. Er erzählt von einem korrupten System, das die Insassen erniedrigt und gefügig macht – und sie selbst nach der Entlassung keine freien Menschen sein lässt.
Ruslan Wachapow und seine Ehefrau. Beide engagieren sich in der Gefangenenhilfsorganisation Russland hinter Gittern Foto: Jutta Sommerbauer
Vor zehn Jahren, sagt Ruslan Wachapow, hatte er alles. Eine Ehefrau, zwei kleine Kinder, eine Dreizimmerwohnung. „Ein sorgloses Leben.“ Er arbeitete für ein Unternehmen als Einkäufer von Baumaterialien und fuhr einen Audi Q7. Er verdiente gut, sehr gut sogar. „Ich konnte mir einen 1.000 Dollar teuren Anzug leisten, um damit einmal ins Restaurant zu gehen.“