Großbritannien

Das Banksy-Rätsel – immer wieder taucht ein Name auf

Seit Jahren wird über die Identität des britischen Künstlers Banksy diskutiert. Seine Werke werden für Millionensummen verkauft. Doch was passiert eigentlich, wenn sein Name wirklich bestätigt wird?

Graffiti-Kunstwerk mit zwei Personen unter Centre Point nahe Tottenham Court Road, London, möglicherweise von Banksy gestaltet

Ein Graffiti-Kunstwerk, das zwei Personen darstellt und möglicherweise vom Straßenkünstler Banksy stammen könnte, wurde unterhalb des Centre Point-Gebäudes in der Nähe der Tottenham Court Road im Zentrum Londons gemalt Foto: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

Das war Banksy. Kurz vor Weihnachten tauchten mitten in London an prominenten Stellen aus dem Nichts zwei nahezu identische Street-Art-Werke auf. Zwar gab sich der mysteriöse Künstler nicht sofort als Urheber zu erkennen. Motiv, Art und Weise – zu sehen waren ein Kind mit Mütze und Gummistiefeln neben jemandem, der auf den Himmel zeigt – ließen aber keine Zweifel offen. Das ist ein Banksy.

Seit über 20 Jahren sorgt der Brite mit solchen und ähnlichen Aktionen weltweit für Aufsehen, seine Werke wurden für Millionensummen verkauft. In gleichem Maße aufregend ist deshalb auch längst die Suche nach der Antwort auf die Frage geworden: Wer ist Banksy? Immer wieder wird über mögliche Namen und Hintergründe berichtet, bestätigt wurde bislang aber keine Vermutung.

„Banksys Anonymität ist sein größtes Kunstwerk“, sagte der Kunsthistoriker und Street-Art-Forscher Ulrich Blanché von der Universität Heidelberg der Deutschen Presse-Agentur. „Dazu gehört, dass er nur das Werk, nicht die Person promotet. Wir alle waren Teil dieser Schnitzeljagd.“ Diese sei auch nach neuerlichen Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters nicht vorbei.

Immer wieder taucht ein Name auf

Bereits 2008 war sich die britische Boulevardzeitung „Mail on Sunday“ sicher, dass es sich bei Banksy um den Künstler Robin Gunningham aus Bristol handelt, um diesen Namen geht es auch im jüngsten Reuters-Bericht. Experte Blanché sagt: „Dass Robin Gunningham der Mann hinter Banksy ist, war ein offenes Geheimnis seit den Enthüllungen 2008.“ Das sei in Kunstkreisen in den vergangenen Jahren nie ernsthaft bezweifelt worden.

Die sichere und endgültige Enthüllung der Identität könnte aber weitere Folgen haben, sagte Blanché: „Wenn Banksys Wohnort, seine Frau und Kinder von Paparazzi an die Öffentlichkeit vor Kameras gezerrt werden, werden sein Leben und seine Arbeit sehr schwierig.“ Es stellt sich zudem die Anschlussfrage: Wie wichtig ist es, die wahre Identität des Künstlers zu kennen? Auch dann bliebe „ein umfassendes, vielgesichtiges Werk von 30 Jahren, das unsere Zeit prägte und widerspiegelt“, sagte Blanché.

Der Street-Art-Forscher nannte unter anderem die Aktion, als Banksy sein Werk „Girl with Balloon“ unmittelbar nach dem Zuschlag bei einer Auktion auf Knopfdruck von einem in den Rahmen eingebauten Schredder teilweise zerstören ließ, als Beispiel für die prägenden Elemente des Künstlers. „Banksy ist ein Popstar ohne musikalisches Werk“, sagte Blanché.

„Er stellt die Kunst ins Zentrum“

In den sozialen Medien folgen Millionen Menschen dem Künstler. Das Bild zum Profil bei Instagram ist derzeit einfach nur schwarz. Die Beiträge zeigen die verschiedenen Werke aus den vergangenen Monaten, die zudem Tausende Touristinnen und Touristen für die Selbstdarstellung in den Netzwerken mit Selfies und eigenen Fotos weiterverbreiten. Auch vor Weihnachten waren etliche Menschen zur Tottenham Court Road und nach Bayswater nördlich des Kensington-Parks geeilt, um ein eigenes Foto von einem echten Banksy zu machen.

„Ich verehre den Mann für seine Ideen. Dass seine Identität dazu beiträgt, ist keine Frage“, sagte der Graffiti-Künstler Loomit, der zu den Vorkämpfern für die Street-Art in Deutschland zählt, der Deutschen Presse-Agentur. „Er verzichtet auf Selbstdarstellung, er stellt die Kunst ins Zentrum.“ Banksy sei einer der Ersten gewesen, der das Potenzial der Anonymität als Marketinginstrument erkannt habe. In Verbindung mit dessen Humor funktioniere das im öffentlichen Raum wunderbar, sagte Loomit.

Dabei geht der Künstler seit Jahren durchaus Risiken ein. Wiederholt hängte er verkleidet in Museen in einer Art Guerilla-Marketing seine eigene Kunst auf. Mindestens einmal traf der Künstler bei einer Aktion auf Passanten: In einem Video aus der Londoner U-Bahn 2020, das er selbst veröffentlichte, ist eine Begegnung des vermummten Künstlers mit einem Passagier zu sehen.

Politische Botschaften

Im September hinterließ Banksy ein Werk an einem Gebäude des Londoner Justizzentrums – und löste damit eine neuerliche politische Debatte aus. Das Bild zeigte einen Richter in bedrohlicher Pose über einem Demonstranten und war kurz nach Massenprotesten gegen das britische Verbot einer radikalen propalästinensischen Gruppe entstanden. An dem Gebäude durfte das Werk nicht bleiben – in Erinnerung blieb nicht nur die Darstellung an sich, sondern auch das Foto von der Absperrung für die Malerarbeiten.

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