Taxi-Streit
„Bio-Finnen“ als Fahrer: Werbekampagne löst Diskriminierungsdebatte aus
Während sich ein Taxi-Unternehmer mit „echten“ Finnen als Fahrern einen Wettbewerbsvorteil erhofft, löst seine Werbekampagne eine Diskriminierungsdebatte aus.
Steht dem finnischen Ministerpräsidenten Petteri Orpo eine Diskrminierungsdebatte ins Haus? Foto: AFP/Nicolas Tucat
„Echte Finnen“ als Fahrer, gleich neun davon, bietet das Taxi-Unternehmen „Taksi Loiste“ in Helsinki an. Ein Angebot, das bei vielen Kunden anscheinend gut ankommt, bei der Antidiskriminierungsstelle des Landes weniger.
Das Unternehmen hat dieses Angebot rein offiziell geschaffen, um sich so von der Konkurrenz abzuheben.
„Du musst nicht erklären, wohin Du fährst, Du musst Dich nicht fürchten“, so reagierten die Kunden, erzählt gegenüber dem Fernsehsender YLE einer der Taxifahrer, der als Selbstständiger für das Unternehmen arbeitet. Er erwägt, sich mit anderen „biofinnischen“ Taxifahrer zusammenzutun, um so diesen Vorteil auszubauen.
„Ein rechtswidrige Diskriminierung aufgrund von Ethnizität und Herkunft“, so Robin Harms, Sprecher der finnischen Antidiskriminierungsbehörde, zu dem Angebot des finnischen Taxi-Unternehmens.
Schließlich gilt das Land im Norden Europas als progressiv, eine Herabsetzung von Menschen mit Migrationshintergrund würde auch gegen EU-Recht verstoßen. Auf der anderen Seite erlebt Finnland durch einen erhöhten Ausländeranteil einen Rechtsruck; seit dem Jahr 2023 ist eine Partei in der Regierungsverantwortung, welche so ähnlich heißt wie das Angebot des Unternehmens – „Basisfinnen“, was man auch als „echte“, „wirkliche“ Finnen übersetzen kann. Und jene Partei beschwört eine Art Rückkehr „zu den Wurzeln“, zu einem traditionelleren Finnlandbild.
Die „Basisfinnen“ konnten somit auch eine Verschärfung des Asylrechts und schnellere Abschiebungen durchsetzen. Auf der anderen Seite wurde mit dem bürgerlichen Koalitionspartner „Nationale Sammlung“ bereits in einer vorigen Regierung 2018 eine Liberalisierung der Taxi-Zulassung verwirklicht – so wurde es leichter, einen Taxischein zu erwerben, auch für viele Menschen mit Migrationshintergrund und geringen Kenntnissen der anspruchsvollen, schwierigen Sprache.
Durch die weniger strengen Regelungen ist es zu unklaren Preissystemen, Kämpfen unter den Taxi-Unternehmen gekommen, die bis hin zu Vandalismus an den Pkws reichen, gleichzeitig ereigneten sich in den letzten Jahren Vergewaltigungen von Frauen durch Taxifahrer, auch Anfang Februar gab es entsprechende Meldungen.
Die Basisfinnen machen hierfür Migranten und die Liberalisierung des Koalitionspartners verantwortlich und fordern strengere Eignungskriterien.
Als Reaktion auf die Übergriffe hat ein weiteres Taxi-Unternehmen namens „Club Wowo“ seinen Betrieb in der Metropolenregion Helsinki aufgenommen – es verfügt ausschließlich über weibliche Fahrer, welche nur Frauen sowie Kinder männlichen Geschlechts bis zum 14. Lebensjahr chauffieren.
Die „Männer-Gleichheitsvereinigung“ sieht hier eine Benachteiligung gegeben und protestiert, doch das Unternehmen wurde in Zusammenarbeit mit der finnischen Antidiskriminierungsbehörde gegründet.
„Die Gesetzgebung ermöglicht eine positive Sonderbehandlung, wenn jene ein Ziel wie die Sicherheit umsetzt“, meint Anni Uittamo, Gründerin des Unternehmens.
Wie es mit dem Taxi-Unternehmen weitergeht, welches „echte Finnen“ im Angebot hat, bleibt noch offen, die Gesetzgebung für das Taxifahren wird gerade reformiert. Das öffentliche Interesse an diesem Fall in Finnland ist jedenfalls groß.