Bierindustrie

Belgiens Brauer sind sauer: Regierung will Warnhinweis für Alkohol verschärfen

Ein einziges Wort löst in Belgien Streit aus: Die Regierung will den Warnhinweis auf Alkoholwerbung verschärfen. Während die Brauer darin eine Stigmatisierung ihrer Branche sehen, fordern Gesundheitsexperten noch deutlich weitergehende Maßnahmen.

Belgische Brauereien wehren sich: Künftig soll der Warnhinweis auf Alkoholwerbung in Belgien verschärft werden

Belgische Brauereien wehren sich: Künftig soll der Warnhinweis auf Alkoholwerbung in Belgien verschärft werden Foto: Simon Wohlfahrt/AFP

Belgien ist berühmt für seine große Auswahl an Bierspezialitäten, seine Brauereien bekannt in der ganzen Welt. Eine geplante Änderung bei den Gesundheitshinweisen in der Werbung für alkoholische Getränke sorgt bei den Brauern des Landes derzeit für Unmut. Es ist die Streichung eines einzigen Wortes, die ihnen sauer aufstößt.

Brauer: Stigmatisierung eines wichtigen belgischen Wirtschaftssektors

Die Regierung will die bisherige Warnung „Alkoholmissbrauch schadet der Gesundheit“ ändern zu „Alkohol schadet der Gesundheit“. Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke begründet den im Frühjahr angekündigten Schritt mit dem Schutz Minderjähriger sowie mit der Notwendigkeit, Erwachsene besser über die Risiken des Trinkens alkoholischer Getränke zu informieren.

„Alkohol ist schädlich. Jeder Mensch kann frei entscheiden, wie viel er trinkt, aber als öffentliche Behörden möchten wir jungen Menschen und Erwachsenen verlässliche Informationen zur Verfügung stellen“, erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Das ist das Ziel dieses neuen Warnhinweises.“

Doch die belgischen Brauer schimpfen über die Initiative, die derzeit noch das Parlament durchläuft. Sie sehen darin eine Stigmatisierung eines wichtigen belgischen Wirtschaftssektors. An der Spitze der Beschwerdeführer steht der Konzern AB Inbev, weltgrößter Bierproduzent mit lokalen Marken wie Stella Artois, Leffe und Hoegaarden. Zusammen mit anderen Industriegrößen haben die Brauer eine Kampagne gestartet, um die öffentliche Meinung auf ihre Seite zu ziehen.

Bierkonsum bereits zurückgegangen

Im August veröffentlichte die Gruppe eine ganzseitige Anzeige in belgischen Zeitungen, die ein lächelndes Paar an einem Tisch mit zwei Gläsern Bier zeigte. Dazu die Zeile: „Worin genau liegt bei solchen Momenten das Problem?“ Ein beistehender Text kritisierte die Initiative für den neuen Warnhinweis dafür, nicht mehr zwischen „missbräuchlichem“ Alkoholkonsum und „verantwortungsbewusstem“ Konsum zu unterscheiden.

„Belgien entscheidet sich dafür, mit dem Finger auf seine eigenen Traditionen zu zeigen, die doch seine nationale Stärke ausmachen“, heißt es darin. „In Belgien ist ein Bier weit mehr als ein Produkt, es ist eine Verbindung zwischen den Menschen.“

Der Mann hinter der Kampagne ist Krishan Maudgal, Chef des belgischen Brauereiverbands, dem rund 130 Brauereien angehören. Maudgal verurteilte gegenüber AFP den „paternalistischen“ Ansatz der Regierung und sagte, die Belgier seien sich der Gefahren eines übermäßigen Alkoholkonsums „sehr wohl bewusst“. Zudem sei der Bierkonsum im Land in den letzten 25 bis 30 Jahren ohnehin bereits um fast 40 Prozent zurückgegangen.

„Verantwortungslos“ und „aufgebauscht“

Für einige Gesundheitsexperten geht die Regierungsinitiative dagegen noch nicht weit genug. Belgiens Oberster Gesundheitsrat (CSS) fordert ein vollständiges Verbot von Alkoholwerbung und beklagt die Zaghaftigkeit der Behörden gegenüber der Industrie.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erhöht Alkoholkonsum das Risiko, verschiedene Krebsarten zu entwickeln, und „es gibt kein Maß an Alkoholkonsum, das für die Gesundheit unbedenklich wäre“. Diese Einschätzung teilt der Suchtberater Martin de Duve. „Die gesellschaftliche Verankerung des Biers ist in Belgien sehr stark, man findet es überall und jederzeit. Aber es ist kein harmloses Produkt, ganz im Gegenteil“, sagt der Arzt AFP.

Das Verhalten der großen belgischen Brauereien nennt de Duve „verantwortungslos“, ihre Kampagne „aufgebauscht“. Sie sorgten sich wegen des sinkenden Bierkonsums und des wachsenden Zuspruchs zu alkoholfreien Getränken, sagt er. „Heute ist es gesellschaftlich eher akzeptiert, abends alkoholfreie Getränke zu trinken.“ Diese Entwicklung zeige wieder in die richtige Richtung.

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