Nobel-Skiort Crans-Montana

Behörden: 40 Tote und 115 Verletzte nach Feuer bei Schweizer Silvesterparty

Im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana endet eine Silvesterparty im Inferno. Viele Fragen sind offen, etwa, ob Ausländer unter den Opfern sind. In einer Sache sind sich die Behörden gleich sicher.

Blumen in der Nähe des Brandorts, der Bar Le Constellation

Blumen in der Nähe des Brandorts, der Bar Le Constellation Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Eine Silvesterparty im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana ist in einer Feuer-Tragödie mit rund 40 Toten und 115 Verletzten geendet. Das Unglück in dem bekannten Touristenort löste bei Anwohnern, Touristen und Politikern Erschütterung aus. „Dieser Abend sollte eigentlich ein Fest sein, doch er wurde zu einem Alptraum“, sagte der Präsident der Regierung im Kanton Wallis, Mathias Reynard.

Ermittler gehen von einer Explosion aus, die von einem zuvor ausgebrochenen Feuer ausgelöst wurde. „Es gibt mehrere Hypothesen, unsere Hauptthese ist, dass der gesamte Raum Feuer gefangen hat, und das zu einer Explosion geführt hat“, sagte die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Beatrice Pilloud. Ein Anschlag könne „absolut ausgeschlossen“ werden.

Es seien Untersuchungen zur Ermittlung der Brandursache eingeleitet worden. Dazu würden auch am Brandort, der Bar Le Constellation, gefundene Telefone ausgewertet. Zu Mutmaßungen, dass in Champagner-Flaschen gesteckte Kerzen oder Böller den Brand ausgelöst haben könnten, wollte Pilloud nichts sagen. „Die Untersuchung läuft, die Gründe werden wir zu einem späteren Zeitpunkt nennen.“

Crans-Montana ist einer der bekanntesten Touristenorte in den Schweizer Alpen und über Feiertage wie Weihnachten und Neujahr mit tausenden Besuchern aus aller Welt meist ausgebucht. Es sei sehr wahrscheinlich, dass unter den Opfern ausländische Gäste seien, so die Polizei. Ob Einwohner Luxemburgs betroffen sind, ist derzeit noch unklar. Eine entsprechende Antwort des Außenministeriums auf eine Tageblatt-Anfrage steht derzeit noch aus.

Die konsularische Vertretung des Ministeriums und die luxemburgische Botschaft in der Schweiz würden „die Lage sehr genau verfolgen und in engem Kontakt“ mit den Schweizer Behörden stehen, teilt das Außenministerium allerdings dem L´Essentiel am Donnerstag mit. „Bis heute wurden das Außenministerium und die Botschaft in Bern von den Schweizer Behörden nicht bezüglich möglicher Opfer kontaktiert”, heißt es weiter mit. Das Außenministerium werde die Lage weiterhin genau beobachten und stehe bereit, jede erforderliche Unterstützung zu leisten.

Touristen unter Schock

Eine Besucherin aus Stuttgart steht unter Schock: „Wir haben mit der Familie in unserer Ferienwohnung Silvester gefeiert“, sagte Christina Lutz der Deutschen Presse-Agentur. „Die Kinder von Freunden sind gestern Abend in der Bar gewesen. Ihnen ist zum Glück nichts passiert, aber sie haben offenbar viele Freunde verloren.“ 

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) sprach den Opfern und ihren Familien sein Mitgefühl aus. „Ich bin zutiefst erschüttert über den tödlichen Brand in Crans-Montana in der Silvesternacht“, schrieb er auf X. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin, der sein Amt erst Stunden vorher angetreten hatte, zeigte sich ebenfalls bestürzt: „Was ein Moment der Freude sein sollte, verwandelte sich am Neujahrstag in Crans-Montana in eine Trauer, die das ganze Land und weit darüber hinaus erfasst hat“, schrieb er auf X.

Das Innere der Bar und Lounge „Le Constellation“, wo nach einer Explosion in den frühen Morgenstunden der Silvesternacht ein Feuer ausgebrochen ist

Das Innere der Bar und Lounge „Le Constellation“, wo nach einer Explosion in den frühen Morgenstunden der Silvesternacht ein Feuer ausgebrochen ist Foto: Police Cantonale Valaisanne/Police Cantonale Valaisanne/AP/dpa

Verpuffung erst nach dem Brand

Die Ermittler schließen einen Anschlag nach Zeugenbefragungen und ersten Ermittlungen aus, wie der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler sagte. Die Explosionen, von denen Anwohner berichteten, hätten sich erst nach dem Brandausbruch ereignet. Das Feuer habe bei seiner Ausbreitung eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stéphane Ganzer. Er berief sich dabei auf Zeugenaussagen und erste Ermittlungen. 

„Wir haben eine Explosion gehört, aber das hörte sich überhaupt nicht wie Silvesterfeuerwerk an“, sagte Anwohner Jeoffrey d'Amecourt dem Sender RTS. Das Gebäude, in dem sich die Bar befand, sei schwer beschädigt worden. Die Polizei hat das Gelände rund um die Bar auf der Hauptstraße des Ortes weiträumig abgesperrt.

Die Polizei hat eine Telefonauskunft für Angehörige eingerichtet. Die Medienwebseite der Kantonspolizei brach nach der ersten Mitteilung dort angesichts der zahlreichen Abrufe zusammen. 

Viele offene Fragen

Zur Brandursache konnte Staatsanwältin Pilloud zunächst keine Angaben machen. Ebenso äußert sie sich auf Nachfrage nicht dazu, ob die Bar über die korrekten Notausgänge verfügte und ob diese auch funktionierten.

Die vielen Opfer wurden per Hubschrauber in umliegende Krankenhäuser gebracht, etwa in Sitten, aber auch ins rund 100 Kilometer Luftlinie entfernte Genf. Dort landeten am Universitätsspital nach Angaben von Augenzeugen am Vormittag zahlreiche Hubschrauber. 

Der Alarm ging bei der Polizei gegen 1.30 Uhr ein. In der Bar feierten noch zahlreiche Besucher der Silvesterparty in das neue Jahr. Die Einsatzkräfte seien innerhalb von Minuten vor Ort gewesen, so die Behörden. Angesichts des Ausmaßes der Tragödie eilte unter anderem auch die Bergwacht aus dem Aostatal in Italien zu Hilfe. 

Der Nobel-Skiort

Crans-Montana liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten. Berühmtester Einwohner war James-Bond-Schauspieler Roger Moore (1927-2017). Der Ort auf etwa 1.500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Ende Januar und Anfang Februar finden dort auch Rennen des Ski-Weltcups statt.

Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2.600 Hotelbetten, davon acht Hotels in der Luxuskategorie, und Hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr kommen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland. Der nächste große Flughafen ist Genf. Auf dem Landweg sind es von dort aus 180 Kilometer.

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