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Auf der Flucht, ohne zu fliehen: Afghanen erzählen von ihrem Leben und Leiden in Moskau
Der Kreml hat die Taliban in Afghanistan als „neue Realität“ akzeptiert. Mit den Folgen dieser Realität tut er sich schwer. Afghanen in Russland rutschen in die Illegalität und warten jahrzehntelang auf die Anerkennung als Flüchtlinge.
„Keine Signale von oben“: In Russland sind die meisten Flüchtlinge sich selbst überlassen Foto: AFP/Kirill Kudryavtsev
Was aus ihm wird, das weiß er nicht. Das weiß niemand hier im Raum, in diesem Hochhaus im Norden Moskaus, wo Baburschah, ein 25-jähriger Afghane, samt seinem blauen Rucksack auf Anraten seiner Bekannten auf Hilfe wartet. Auf Adressen, ein paar Worte der Unterstützung, irgendetwas. Seine Dozenten konnten ihm, der vor zwei Jahren aus Kabul zum Studium nach Russland gekommen war, nicht helfen, weil auch sie nicht wissen, wie ihr Student weiter studieren soll. Die Behörden sind ebenfalls ratlos, was sie mit den etwa 500 afghanischen Studierenden im Land tun sollen. Baburschahs Visum ist nun abgelaufen. Er müsste zurückfliegen, um ein neues zu beantragen, so sind die Regeln. Zurück nach Afghanistan. „Zum Sterben?“