Der Papst und die KI-Profiteure
Antara Haldar über die Würde des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz
Wie einst Babel verspricht KI Größe und Einheit. Doch führt sie die Menschheit voran – oder wiederholt sie einen uralten Irrtum?
Papst Leo XIV. beim Unterzeichnen seiner ersten Enzyklika „Magnifica Humanitas“, die sich mit dem Aufstieg der künstlichen Intelligenz befasst Foto: AFP/Vatican Media
Der Turmbau zu Babel ist die biblische Geschichte darüber, wie die Menschheit, vereint durch eine einzige Sprache und ein einziges Ziel, versucht, einen Turm bis in den Himmel zu bauen. Das Projekt endet im Scheitern, wobei Gott die Erbauer für ihre Hybris bestraft, indem er die Menschheit in verschiedene Sprachen und Kulturen aufspaltet. Die Parabel, auf die sich Papst Leo XIV. in seiner ersten Enzyklika „Magnifica Humanitas“ ausdrücklich beruft, weist eine unheimliche Ähnlichkeit mit der KI auf. Wird die Technologie die Rettung der Menschheit sein, wie ihre Verfechter behaupten, oder wird sie zur Verdammnis führen, wie Skeptiker befürchten?
Die menschliche Zivilisation befindet sich bereits mitten in einem KI-Wettrüsten, um das Drehbuch der Zukunft in Code zu schreiben. Technologieunternehmen geben Milliarden von Dollar aus, um Systeme zu entwickeln, die versprechen, Wissen, Arbeit, Kriegsführung, Politik und vielleicht sogar das menschliche Bewusstsein selbst zu verändern. Der öffentliche Diskurs schwankt zwischen Utopismus und Panik. Und nun hat sich eine der ältesten Institutionen der Welt in die Debatte eingeschaltet, um vor einem Wettlauf nach unten zu warnen.