Am Vorabend des Nationalfeiertags 2015 startete eine Gruppe Jugendlicher, bestehend aus Mitgliedern des Künstlerkollektivs Richtung 22, der „Jonk Lénk“ und der Studentenorganisation UNEL, eine spontane Protestaktion vor der Philharmonie.

Verhandlung

Die Verhandlung beginnt am kommenden Montag um 9.00 Uhr im Saal JP.1.19 im Friedensgericht in Luxemburg. Die Sitzung ist öffentlich.

Nach Mitternacht trafen sie sich an der place de l’Europe, um einen umgedichteten Text der „Heemecht“ mit Sprühkreide auf die Treppen zu schreiben. Mit dieser Aktion wollten sie dem Großherzog, dem Premierminister und anderen Persönlichkeiten, die am Vormittag des Nationalfeiertags dort defilieren sollten, zeigen, was sie von ihrem Heimatland und insbesondere vom Ausgang des zwei Wochen zuvor abgehaltenen Referendums zur Verfassungsreform halten.

Schlimme Konsequenzen

Die Jugendlichen wussten, dass die Polizei kommen würde, doch weglaufen war für sie keine Option. Als die Polizisten vor Ort ankamen, waren sie vermutlich überfordert. Solche Aktionen kommen in Luxemburg eher selten vor. Die Beamten belehrten die „Täter“, erklärten ihnen, dass Nationalfeiertag sei und der Großherzog dort vorbeigehen werde. Und wenn der Großherzog komme, müssten die Stufen sauber sein.

Beim Sicherheitspersonal der Philharmonie liehen die Jugendlichen sich Eimer und Schrubber aus und begannen die Kreide abzuwischen. Doch das dauerte der Polizei zu lange. Also verständigte ein Beamter die Berufsfeuerwehr, damit diese die Kreide professionell entfernt. Durch den hohen Wasserdruck gingen zwei Fliesen zu Bruch.

Anklage

Vor einigen Wochen bekamen vier der sechs Beteiligten Post von der Staatsanwaltschaft. Je ein Vertreter von Richtung 22, „Jonk Lénk“ und UNEL sowie einer, der angab, als Privatperson an der Aktion beteiligt gewesen zu sein, werden beschuldigt, „des objets destinés à l’utilité publique“ beschädigt zu haben.

Wir haben mit Lars Schmitz, der stellvertretend für Richtung 22 Auskunft gibt, gesprochen. Lesen Sie mehr in der Freitagsausgabe des Tageblatt.

Luc Laboulle