Luxemburger ArmeePolitik will Weichen für eine Modernisierung der Truppen stellen

Luxemburger Armee / Politik will Weichen für eine Modernisierung der Truppen stellen
Luxemburger Soldaten werden auch in den kommenden Jahren im Ausland eingesetzt. An Kampfmissionen sollen sie aber auch weiterhin nicht teilnehmen. Auch wenn ihre Ausrüstung verbessert werden soll.  Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

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Mit der Reform des Militärgesetzes, der Schaffung multinationaler Einheiten, der Modernisierung von Material und Infrastruktur sowie der Ausweitung der Auslandseinsätze wollen sich die Luxemburger Streitkräfte in den kommenden Jahren gleich mehreren Herausforderungen gleichzeitig stellen. Zwar befinde sich das Großherzogtum derzeit in einer „beneidenswerten Sicherheitssituation“, so Verteidigungsminister François Bausch anlässlich der „Mäertesfeier“ in Diekirch. Allerdings zeigten diese Bestrebungen auch, dass das Land seine Verantwortung gegenüber den Partnern aus NATO, EU und Vereinten Nationen wahrzunehmen gedenkt.

Als Mitglied der Europäischen Union und des transatlantischen Militärbündnisses habe Luxemburg die Pflicht, seine Sicherheitspolitik nicht nur auf eigene Interessen auszurichten, sondern auch in internationalen Dimensionen zu denken. „Dabei handelt es sich um eine Frage der Solidarität“, unterstrich der Verteidigungsminister am Montag anlässlich der traditionellen Sankt-Martins-Feier in der Armeekaserne von Diekirch. „Eine Solidarität, auf die auch wir angewiesen sein könnten, in einer Welt mit Bedrohungen, die sich ständig ändern und immer komplexer werden“, so Bausch weiter.

In den vergangenen Monaten konnten die Angehörigen der Luxemburger Streitkräfte gleich zweimal ihre Daseinsberechtigung im eigenen Land unter Beweis stellen: Im Rahmen des Kampfes gegen die sanitäre Krise waren ständig zwischen 65 und 160 Soldaten im Einsatz und bei den Räum- und Evakuierungsaktionen nach den schweren Überschwemmungen im Juli konnten rund 300 Streitkräfte ihren Mitbürgern zur Seite springen. Ausgeholfen hat die Luxemburger Armee allerdings auch im besonders schwer getroffenen Ahrweiler (D), wo zehn Mitglieder der medizinischen Einheit zum Einsatz kamen.

Die Führungsriege der Luxemburger Armee beim „Mäertesfest“ in Diekirch (v.r.n.l.): Colonel Yves Kalmes (Kommandant des Militärzentrums), Verteidigungsminister François Bausch, General Steve Thull (Chef des Generalstabs) und Adjutant-Major Steve Ries (Adjudant de Corps de l'Armée).
Die Führungsriege der Luxemburger Armee beim „Mäertesfest“ in Diekirch (v.r.n.l.): Colonel Yves Kalmes (Kommandant des Militärzentrums), Verteidigungsminister François Bausch, General Steve Thull (Chef des Generalstabs) und Adjutant-Major Steve Ries (Adjudant de Corps de l'Armée). Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Mali, Litauen, Irak und Mosambik

Aktuell befinden sich rund 30 Angehörige der Streitkräfte auf Auslandsmission, ein Großteil davon in Mali. So sind seit Februar 2020 ständig zwei Luxemburger Militärs im Rahmen der „Mission multidimensionnelle intégrée des Nations Unies pour la stabilisation au Mali“ (Minusma) in Bamako stationiert, wo sie mit Luxemburger Satellitentechnik zur Sicherheit der Kommunikation beitragen. Gleichzeitig helfen 22 Offiziere und Soldaten aus Luxemburg, malische Militärangehörige besser auf Einsätze gegen Terroristen vorzubereiten. Die sogenannte „EU Training Mission“ (EUTM) läuft seit August dieses Jahres. Dazu kommen noch vier Angehörige der luxemburgischen Streitkräfte, die bei der „Enhanced Forward Presence“-Mission in Litauen eingesetzt werden.

Aus Afghanistan wurde die luxemburgische Einheit hingegen im Mai dieses Jahres abgezogen, zusammen mit tausenden Soldaten und Offizieren aus anderen Nationen. 18 Jahre lang war das Großherzogtum an der Mission „Resolute Support“ beteiligt. In dieser Zeit waren 333 Militärs aus Luxemburg am Hindukusch im Einsatz. Nach der Machtübernahme der Taliban war die Luxemburger Armee nur noch kurz in Afghanistan im Einsatz, als im August dieses Jahres ein Luxemburger Pilot zusammen mit einem Offizier und einem zivilen Mitarbeiter des Außenministeriums im Rahmen der Operation „Red Kite“ dabei helfen konnte, rund 1.400 Menschen aus dem Land zu evakuieren.

Nach dem erfolgreichen Beitrag in Bamako soll die Luxemburger Satellitentechnik in Kürze auch bei einer europäischen Trainingsmission in Mosambik zum Einsatz kommen. Des Weiteren wird ein luxemburgischer Unteroffizier ins Hauptquartier der Vereinten Nationen im Irak entsendet. Diese Mission zielt darauf ab, die irakischen Sicherheits- und Streitkräfte im Kampf gegen den Terrorismus zu stärken. In Kampfhandlungen sollen die Militärangehörigen im Ausland aber nicht verwickelt werden: Bei den Luxemburger Einsätzen handelt es sich ausschließlich um Friedensmissionen.

Die nötigen Mittel

Um den Erfolg dieser Missionen zu garantieren, müssen laut dem Verteidigungsminister aber gleich mehrere Voraussetzungen erfüllt werden: „Wir müssen der Armee die nötigen Mittel zur Verfügung stellen, genügend Leute rekrutieren und die Einsatzkräfte bestmöglich auf diese Missionen vorbereiten“, so Bausch. Eine Reform der Grundausbildung soll beispielsweise realitätsnähere Bedingungen schaffen, um die künftigen Soldaten besser zu umrahmen. Als Nebeneffekt erhoffe man sich eine höhere Abschlussrate bei den Rekruten.

Gleichzeitig wolle man mehr Frauen für den Dienst an der Waffe gewinnen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung sei mit der Schaffung eines „Comité des femmes“ gemacht worden, so Bausch. Darin arbeiteten Offizierinnen und Soldatinnen aus den unterschiedlichsten Branchen Vorschläge aus, wie man das Luxemburger Militär und den Berufsalltag auf dem Herrenberg noch attraktiver für Frauen gestalten kann.

Die Politik will gleichzeitig auch in die Modernisierung der bestehenden Infrastruktur investieren. So werden neben der Kaserne auch das Munitionsdepot in Waldhof und der Schießstand im „Bleesdall“ rundum erneuert. Und das alles in der Optik, um den Rekruten, Soldaten und Offizieren künftig bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen bieten zu können.

Die Armee soll keine reine Männerdomäne sein: Künftig soll das Korps noch attraktiver für Frauen gestaltet werden. Generell aber will die Politik die Einsatzkräfte in Zukunft „robuster und besser“ ausstatten.
Die Armee soll keine reine Männerdomäne sein: Künftig soll das Korps noch attraktiver für Frauen gestaltet werden. Generell aber will die Politik die Einsatzkräfte in Zukunft „robuster und besser“ ausstatten. Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

„Robuster und besser ausgestattet“

Angesichts künftiger Herausforderungen sind Investitionen in die Infrastruktur und Ausbildung quasi unumgänglich geworden: So muss Luxemburg aufgrund seiner internationalen Verpflichtungen bis 2028 nicht nur die Verteidigungsausgaben erhöhen, sondern der NATO im Rahmen ihres „Defence Planning Process“ auch mehr Einheiten zur Verfügung stellen, die, so Bausch, „besser und robuster ausgestattet“ werden. In Planung befindet sich etwa ein gemeinsames Aufklärungsbataillon mit Belgien, in dem ab 2028 Luxemburger Soldaten Seite an Seite mit belgischen Kollegen dienen sollen.

Bis Ende 2025 soll auch der Fuhrpark der Luxemburger Armee modernisiert werden. Dingos und Hummer werden durch 80 neue, gepanzerte Wagen ersetzt, die nur von einem Hersteller stammen – was deren Unterhalt enorm erleichtert. Bei den neuen Einsatzwagen handelt es sich um sogenannte „Command Liaison and Reconnaissance Vehicles“, kurz CLVR. Allein diese Anschaffung lässt sich die Regierung rund 367 Millionen Euro kosten.

Im Rahmen seiner internationalen Verpflichtungen will Luxemburg bis Ende 2024 bekanntlich 0,72 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Verteidigungsausgaben investieren. Die Erneuerung des Fuhrparks ist nur ein kleiner Teil dieser Bestrebungen. Ein weiteres Element ist die multinationale Zusammenarbeit mit den belgischen und niederländischen Streitkräften. Der Aufbau dieser taktischen Drohnenkapazität befinde sich aktuell in seiner finalen Phase, so Bausch.

Mit dem neuen Militärgesetz soll das Korps indessen attraktiver für potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten gestaltet werden. Ein wichtiger Grundstein dafür seien die Einführung der neuen Karrieren A2 und B1 sowie die Modernisierung der Statuten und Strukturen, unterstrich der Verteidigungsminister. „Die beste Werbung aber sind immer noch die Mitglieder der Streitkräfte selbst, ob nun Zivilisten oder Militär“, so Bausch. „Mit ihrem Engagement können sie dazu beitragen, das Bild der Armee in der Öffentlichkeit zu verbessern.“

Bis Ende 2025 sollen Teile des Fuhrparks der Armee komplett erneuert werden. Dingos und Hummer werden einem neuen gepanzerten Einsatzfahrzeug weichen, dessen Systeme besser mit jenen der Partnerländer abgestimmt sind.
Bis Ende 2025 sollen Teile des Fuhrparks der Armee komplett erneuert werden. Dingos und Hummer werden einem neuen gepanzerten Einsatzfahrzeug weichen, dessen Systeme besser mit jenen der Partnerländer abgestimmt sind. Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Der Herrenberg in Frauenhand

Die Luxemburger Armee gibt sich betont weltoffen. In diesem Zusammenhang will man künftig als moderner Arbeitgeber auftreten und den Dienst an der Waffe auch für Frauen attraktiver gestalten. Das Tageblatt hatte sich in diesem Zusammenhang Anfang 2020 mit fünf Frauen unterhalten, die in den letzten Jahren Karriere auf dem Herrenberg gemacht haben – sei es nun als Soldatin, Unteroffizierin oder Offizierin:
Lieutenant-colonel Tania Weinzaepfel musste neue Pfade beschreiten
Sergent Stephanie Procacci liebt die Herausforderung
Caporal Diana Rodrigues lotet die eigenen Grenzen aus
Dr. Major Joëlle Linck fühlt sich angekommen
Premier Sergent Liz Heintzen ging mit Militär durch dick und dünn

jean-pierre goelff
18. November 2021 - 16.53

Ei,mat engem Gringen,ex.Eisebunner(ech hun nix geïnt d'Eisebunn!!),daat gët een Stëck!!!

Garde à vous
18. November 2021 - 15.36

Hahaha, .... de Bausch wärt d'Trupp elo och nach mat ëmweltfrëndlechen Tesla'en equipéieren.

Wieder Mann
17. November 2021 - 16.58

Ein Friedensapostel der Cold War Ära will unsere Armee modernisieren . Die Armee, die Nato ist auch nicht mehr das sie mal waren.Die Feinde von Gestern haben die Macht übernommen und bereiten unsere Streitmacht auf die ökologische Kriegsführung vor. Nach Cold War Ära jetzt die Green War Ära.

Arthur Feyder
17. November 2021 - 11.06

Lëtzebuerg huet keng Arméi, emol kee Regiment = 1000.- bis 3.500.- Zaldoten. E Regiment gëtt vun engem Colonel oder Lieutnant-colonel commandéiert. Mä vu datt Lëtzebuerg mat de groussen Hënn pisse wëllt , huet et esouguer e Generol. Pour illustration: De Chef vun der Légion étrangère, an dat ass net näischt, ass nëmmen e " général de division ". Lëtzebuerg kann emol net eleng operéieren, duerfir d' " Schaffung multinationale Einheiten", wat en Offenbarungseid ass. " Schuster, bleib bei deinem Leisten "

Klod
17. November 2021 - 9.10

Ausweitung der auslandeinsaetze im sinne des us imperialismus und der nato expansion...welch eine grossartige zielsetzung.