Krise auf der Insel
Mallorca schottet sich ab und schickt alle Urlauber nach Hause
Die Hotels machen dicht. Es gibt keine Touristenflüge mehr. Nur alle Urlauber sollen noch heim. Mallorca nutzt in der Coronakrise die Vorteile seines Inseldaseins. In ganz Spanien gibt es bislang 11.200 bestätigte Fälle. Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher liegen.
Menschenleere Strandpromenade: Die spanische Baleareninsel Mallorca isoliert sich von der Außenwelt Foto: dpa/Bodo Marks
Die spanische Baleareninsel Mallorca isoliert sich von der Außenwelt, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Der Flug- und Fährbetrieb soll weitgehend eingestellt werden. Das kündigte die Regionalregierung der Balearischen Inseln am Dienstagnachmittag an. Ministerpräsidentin Francina Armengol forderte alle Urlauber auf, die Insel so schnell wie möglich zu verlassen. In Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern und Airlines sollen in den nächsten Tagen die Rückflüge in die Heimat organisiert werden.
Angesichts der in ganz Spanien geltenden Ausgangssperre sei ein Urlaubsaufenthalt auf Mallorca und auf den balearischen Nachbarinseln Ibiza, Menorca und Formentera „nicht mehr sinnvoll“, sagte Armengol. Nach ihren Angaben befinden sich derzeit noch rund 25.000 Feriengästen auf den vier Urlaubsinseln. Zehntausende Touristen hatten wegen der sich verschärfenden Viruskrise bereits in den letzten Tagen ihre Koffer gepackt und waren vorzeitig abgereist.
Die spanische Regierung hatte am Wochenende wegen des massiven Anstiegs der Corona-Fälle landesweit den Ausnahmezustand mitsamt einer Ausgangssperre verkündet. Einzelhandelsgeschäfte, Gastronomiebetriebe und Sehenswürdigkeiten wurden geschlossen. Am „Ballermann“, wie Mallorcas berühmtes Partyviertel an der Playa de Palma auch genannt wird, herrscht seitdem gespenstische Ruhe.
Seitdem dürfen die Menschen nur noch aus „unvermeidlichen Gründen“ auf die Straße. Etwa um zum Arbeitsplatz oder zum Supermarkt zu gelangen. Andere Aktivitäten im Freien und Freizeitreisen sind nicht mehr erlaubt. Dies gilt auch für Touristen, die zum Beispiel auf Mallorca weder zum Strand noch spazieren gehen dürfen. Sie sind im Prinzip in ihren Ferienunterkünften gefangen. Die Polizei verhängte bereits etliche Bußgelder wegen Verstößen gegen die Ausgangsbeschränkungen.
In Madrid werden Hotels zu Lazaretten
Die spanische Hotelbranche kündigte derweil an, dass die Bettenherbergen, sobald die letzten Gäste abgereist sind, geschlossen werden. Die Hoteliers richten sich darauf ein, dass die Corona-Krise noch länger das Land lähmen wird. Mit einer Beruhigung der Lage bis zu den näher rückenden Osterfeiertagen im April rechnet niemand mehr.
Mehrere Hotelketten auf Mallorca wie auch in anderen spanischen Regionen boten derweil an, ihre Herbergen als Hilfskrankenhäuser zur Verfügung zu stellen. Das dürfte auf Mallorca derzeit noch nicht notwendig sein, denn dort ist die Zahl der registrierten Erkrankungsfälle bisher vergleichsweise niedrig – weniger als 100. Doch in der Hauptstadt Madrid, dem spanischen Hotspot der Corona-Epidemie, werden bereits Hotels zu Lazaretts umfunktioniert.
In ganz Spanien kletterte die Zahl der bestätigten Corona-Fälle am Dienstag auf 11.200. Rund 500 Menschen, die meistens mit Vorerkrankungen, starben bisher im Zusammenhang mit dem Virus. Allerdings muss von einer sehr hohen statistischen Dunkelziffer bei der Zahl der Infizierten ausgegangen werden. „Dies ist nur die Spitze des Eisbergs“, schrieb die nationale Tageszeitung La Vanguardia. Oftmals werden nur noch die schweren Erkrankungen registriert, die ärztliche Behandlung erfordern. Grund: Viele Krankenhäuser stehen bereits vor dem Kollaps. Deswegen werden die Patienten ohne gravierende Symptome meist mit einer schlichten medizinischen Empfehlung heimgeschickt: „Bleib zu Hause in Quarantäne.“