EU in der Krise
Kann man Europa vor den Europäern retten, Herr Juncker?
Jean-Claude Juncker war für eine ganze Generation Luxemburger das Gesicht Europas. Heute wirkt sein Optimismus müde, seine Europa-Treue wie ein Reflex. In einem halbleeren Saal erinnert er an alte Erfolge – doch draußen bröckelt der Glaube an die EU. Was bleibt von einem Europa, das sich nur noch über Krisen und Katastrophen definiert?
Weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen: Rhetorisch ist der Ex-Kommissionspräsident immer noch so scharf wie ein Solinger Messer Foto: Editpress/Didier Sylvestre
„Wenn die Probleme wichtig genug sind, kommt Europa zu einer Lösung.“ Dem Mann, der diesen Satz am Freitag in seinem ihm üblichen, lakonischen Ton grummelt, möchte man glauben. Luxemburg hat ihm jahrzehntelang geglaubt. Für Menschen, die wie ich in den 1990ern geboren sind, gab es vor 2013 eigentlich keinen Premierminister außer Jean-Claude Juncker. Zumindest keinen, an den wir uns erinnern konnten. Und unauslöschlich verbunden mit Juncker war die EU. Der Euro. Europa. Hätte man uns, die 2010 ihre „Première“ im Lycée Michel Rodange machten, gesagt, dass wir 15 Jahre später nicht ohne Grenzkontrollen nach Deutschland fahren können, wir hätten die Person vermutlich ausgelacht. Europa, das war eine unumstößliche Sicherheit.