Exit-StrategieGesundheitsamt verteilt 35 Millionen Schutzmasken

Exit-Strategie / Gesundheitsamt verteilt 35 Millionen Schutzmasken
50 OP-Masken erhält nun jeder Bürger über 16 Jahren. Wer über Alternativen wie Stoffmasken verfügt, sollte aber auch an die Nachhaltigkeit denken, rät Gesundheitsministerin Paulette Lenert. Foto: Editpress/Julien Garroy

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35 Millionen Schutzmasken werden ab dem 25. Mai in Luxemburg verteilt. Als eine Art begleitende Maßnahme zur Exit-Strategie sozusagen. Noch vor einem Monat wäre eine solche Aktion unmöglich gewesen. Inzwischen aber ist der Bedarf an Masken auf Monate gedeckt.

Nach aufmunternden Test-Ergebnissen und rückgängigen Infektionszahlen wagt die Regierung am Montag einen weiteren Schritt raus aus der Isolation. Mit der Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen und der Wiedereröffnung des Handels soll das Land vorsichtig zurück in die Normalität geführt werden. Von einem normalen Alltag aber ist das Großherzogtum noch weit entfernt. So müssen die Einwohner auch künftig noch allerhöchsten Wert auf die Hygienevorschriften legen.

Denn: „Es gibt kein Wundermittel gegen Corona“, unterstreicht Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP). „Eindämmen können wir das Virus nur, wenn wir in dieser Phase die Übertragung von einem Menschen zum anderen verhindern“, fährt die Ministerin im Gespräch mit dem Tageblatt fort. Distanz sei immer noch das beste Rezept. „Und der Mundschutz eine wichtige Ergänzung zu den Barriere-Gesten“, so Lenert. „Schließlich trägt nicht jeder einen Maßstab mit sich herum, um die Mindestabstände messen zu können.“

Aus diesem Grund will die Regierung ab dem 25. Mai sämtlichen Bürgern über 16 Jahren 50 weitere Schutzmasken zukommen lassen. Das hat Premierminister Xavier Bettel (DP) am Montag im Briefing nach dem Ministerrat angekündigt. Im Gegensatz zur ersten Verteilaktion Mitte April erhalten die Einwohner dieses Mal aber nicht nur eine Handvoll Masken, sondern gleich eine ganze Schachtel mit jeweils 50 Stück.

Es sind dies wieder herkömmliche Einwegmasken, auch OP-Masken genannt, die dem Träger persönlich kaum Schutz bieten, dafür aber die Tröpfchen-Verteilung in der Luft größtenteils einschränken und das Umfeld vor einer Ansteckung bewahren. Da der Mund-Nasen-Schutz vielen Kindern und Jugendlichen zu groß ist, werden jüngere Einwohner unter 16 Jahren fast gleichzeitig übers Bildungsministerium mit passenden Halstüchern versorgt.

Verteilung erst nach der „Rentrée“

Ging am Montag noch von den nächsten zwei Wochen die Rede, hat sich das Innenministerium mit dem Gemeindesyndikat Syvicol nun auf ein späteres Datum verständigt. Tatsächlich sollen die Masken erst nach der Corona-„Rentrée“ vom 25. Mai verteilt werden. So seien die Gemeinden bis zu diesem Zeitpunkt mit der Eröffnung der Grundschulen beschäftigt, bestätigt Syvicol-Präsident Emile Eicher (CSV) gegenüber dem Tageblatt. „Das ist nicht nur mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden: Die Gebäude müssen noch den neuen Sicherheitsbestimmungen angepasst werden“, so Eicher.

Auch handele es sich dieses Mal um ganz andere Volumen. Am 1. Januar dieses Jahres zählte Luxemburg 519.503 Einwohner über 16 Jahren. Hochgerechnet müssten demnach mehr als 25,9 Millionen Masken verteilt werden. Außerdem werden auch sämtliche Grenzgänger eine Box erhalten, wodurch bei 185.000 Arbeitskräften rund 9,25 Millionen weitere Masken fällig werden. „Es ist wichtig, dass die Menschen, die in Luxemburg arbeiten, über die gleichen Schutzmöglichkeiten verfügen“, so Staatsminister Bettel am Montag. Damit beläuft sich das Volumen auf mehr als 35 Millionen Masken.

Die Lieferung an die Gemeinden übernimmt wieder das „Corps grand-ducal d’incendie et de secours“ (CGDIS), während die Verteilung an die Grenzgänger wohl auf die Luxemburger Armee entfällt. Da eine Zustellung per Post kaum möglich erscheint, werden die Bürger dieses Mal eine Art Gutschein erhalten, wie Gesundheitsministerin Paulette Lenert gegenüber dem Tageblatt bestätigt. Damit können die Masken bei Bedarf abgeholt werden. Die genauen Modalitäten werden noch in den kommenden Tagen ausgearbeitet und zeitnah mitgeteilt.

Vom Engpass in den Überfluss

Noch vor einem Monat wäre ein solches Volumen kaum denkbar gewesen. Dass das Land inzwischen aber über diese Möglichkeiten verfügt, hängt mit den Entwicklungen der letzten Wochen zusammen. Vor allem zu Beginn der Pandemie sei die Lage aufgrund eines weltweiten Mangels an Schutzmaterial recht eng gewesen, so die Gesundheitsministerin. Das Gesundheitsamt sei teils auf Materialspenden angewiesen gewesen, um die Gesundheitseinrichtungen beliefern zu können.

Fast gleichzeitig hat die Weltgesundheitsorganisation WHO zunächst noch vom Tragen einer Schutzmaske abgeraten. Eine Empfehlung, die in erster Linie der Annahme geschuldet war, dass Masken ihren Trägern ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln. Allerdings spielten auch Engpässe eine Rolle, weshalb die Experten dazu rieten, medizinische Schutzmasken nur dem medizinischen Personal vorzubehalten.

Anfang April aber rückten die Experten von ihren ursprünglichen Empfehlungen ab. „Im Umkehrschluss wurde das Tragen einer Maske plötzlich doch nicht mehr als schlechte Idee empfunden“, erinnert sich Lenert. „Aber immer in der Optik, dass eine Schutzmaske als Ergänzung zu den wichtigen Barriere-Gesten getragen werden soll. Auch Masken bieten keinen hundertprozentigen Schutz“, so die Gesundheitsministerin. Die Maske sei eine zusätzliche Barriere mit Signalwirkung: „Allein beim Aufsetzen der Maske wird der Träger daran erinnert, dass er sich in einer ungewöhnlichen Lage befindet. Man denkt an die Gefahr und man geht automatisch auch auf Distanz“, erklärt Paulette Lenert.

Keine Maske bietet hundertprozentigen Schutz. Somit sind die OP-Masken auch lediglich als Ergänzung zu den sogenannten „Barriere-Gesten“ gedacht, falls der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann. 
Keine Maske bietet hundertprozentigen Schutz. Somit sind die OP-Masken auch lediglich als Ergänzung zu den sogenannten „Barriere-Gesten“ gedacht, falls der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann.  Foto: Editpress/Julien Garroy

Die Gesundheitsministerin erinnert auch an die anfänglichen Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung: Manche Lieferungen waren unvollständig, andere tröpfelten nur stückweise ein oder gingen komplett abhanden. Bestellungen wurden dem Gesundheitsamt vor der Nase weggeschnappt, Lieferanten vertrösteten immer wieder auf neue Daten. Deswegen haben die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes zu einem gewissen Zeitpunkt sämtliche Möglichkeiten zu nutzen versucht, die ihnen geboten wurden.

„Da lange Zeit nicht sicher war, ob die Lieferungen ankommen, haben wir enorm viele Bestellungen aufgegeben“, bestätigt die Gesundheitsministerin. Inzwischen aber sei der Bedarf an OP-Masken auf Monate hinweg gedeckt. Da zuletzt vor allem zwei große Lieferungen eingetroffen seien, habe sich die Regierung kurzum dazu entschlossen, der Bevölkerung weitere Masken zukommen zu lassen. „Als begleitende Maßnahme zu den Lockerungen und als Ergänzung zu den Barriere-Gesten“, so Lenert.

„Wichtiger Teil der Lockerungen“

Es werde niemand gezwungen, die Masken entgegenzunehmen. „Bürger, die über Alternativen verfügen, haben natürlich das Recht, den Gutschein nicht einzulösen“, sagt die Gesundheitsministerin. Die Masken abholen und ungenutzt wegwerfen sei jedoch keine Option. Selbst genähte Stoffmasken seien auch nachhaltiger als medizinische Einwegmasken. Schließlich raten Experten, die OP-Masken – wenn möglich – nur einmal zu benutzen.

Weitere Verteilaktionen sind allerdings nicht geplant. Laut der Gesundheitsministerin handelt es sich hierbei um eine einmalige Geste der Unterstützung. „Keine weiteren Probleme vorausgesetzt, ist es nicht vorgesehen, die Bürger auf Wochen oder Monate hinweg zu beliefern. Man muss ja auch bedenken, dass es nicht Aufgabe der Regierung ist, als Käufer auf dem Markt einzugreifen. Das war nur den Umständen geschuldet“, so Paulette Lenert.

Indessen wird die „einmalige Geste der Unterstützung“ von der Opposition und den Experten durchaus begrüßt. „Wenn sie richtig genutzt werden, sind Masken ein sehr wichtiger Teil der Lockerungen“, betont etwa Professor Claude P. Muller vom „Luxembourg Institute of Health“ (LIH). Auch gehörten Schutzmasken ab sofort zur täglichen Ausstattung. „Zumindest bis wir eine ausreichend große Herdenimmunität oder einen Impfstoff haben, der der Allgemeinheit zugänglich gemacht wird“, so der Virologe.

Als größte Oppositionspartei hat sich die CSV zuletzt für einen nationalen Versorgungsplan ausgesprochen. „Die Verteilung von 50 weiteren Masken kann man demnach als Teil eines solchen Versorgungsplans betrachten. Von daher begrüßen wir die Aktion“, unterstreicht Martine Hansen. Laut der CSV-Fraktionspräsidentin ist es wichtig, dass jeder Bürger über notwendiges Schutzmaterial verfügt. „Nur hätten wir uns eine klarere Kommunikation und eine deutlichere Marschroute gewünscht“, so Hansen. „Auch was die Zukunft betrifft, scheint vieles noch unklar zu sein.“

J.C.Kemp
10. Mai 2020 - 19.57

@Aender: Oder Heuschnupfen, immer dieselbe Luft einatmen müssen, und dann der Juckreiz in der Nase. Und wenn man mal niest, was auch meist nicht bei einem Mal bleibt, löst man gleich eine Massenpanik und -flucht aus. Wenn man dann die Maske herrunterreisst, erhält man Lokalverweis, versuchen Sie mal einem schwarz uniformierten Ordner, die Lage zu 'erklären', wenn der Bizepsumfang grösser als der Ikuh ist.

Romain Juni
9. Mai 2020 - 6.18

Nächste Aktion: Schutzbrillen für alle und Handschuhe!?

Aender
8. Mai 2020 - 20.16

Was will die Regierung uns damit sagen ? Dass wir noch lange uns damit "herumplagen" müssen. Es ist eine Qual, für Leute welche Atemprobleme bereits ohne haben. (z.B. Chronische Sinusitis )

Eric Hamus
8. Mai 2020 - 15.55

@Lucinlinburhuc: Nein, die OP-Masken sind Einweg-Masken, die nach einmaligem Tragen entsorgt werden sollen. Wie an dieser Stelle bereits angemerkt, schützt eine OP-Maske vor allem nur den Gegenüber vor einer Ansteckung. Dem Träger selbst bietet sie nur bedingten Schutz, der jedoch komplett abhanden geht, wenn die Maske gewaschen wird. Wissenschaftler und Mediziner raten auch von Bastlereien mit Maschinenfiltern (Staubsauger, Ventilatoren etc) ab. Medizinische Masken durchlaufen alle mehrere hundert Tests, um im medizinischen Bereich auch zugelassen zu werden. Sportmasken sind nicht für den Schutz vor Viren konzipiert. Ähnliches gilt auch für selbst genähte Masken und Buffs. Sie schützen nicht vor dem Einatmen von Viren, sondern höchstens vor der Verteilung von Tröpfchen. Weil sie nicht eng ansitzen und an den Seiten ungefilterte Luft mit eingeatmet werden kann. Sie fallen alle in die Kategorie: Besser als nichts. Die einzige Maske, die wirklichen Schutz bietet, sind Feinpartikelmasken mit der FFP-Bezeichnung. Deren gibt es für den medizinischen Bereich oder die Baustelle, wobei letztere sogar noch wirksamer sind, weil sie auch Feinstaub und andere Partikel abwehren.

Erwin
7. Mai 2020 - 17.04

@Lucinlinburhuc "Zum Thema Nachhaltigkeit: ich habe bereits die OP Masken bei 60 Grad gewaschen. ... Wichtige Frage: sind die Masken dennoch verwendbar / schutzfähig???" Natürlich! Wenn Sie jemanden operieren, dann husten Sie nicht in die offene Wunde. Zu mehr sind sie nicht zu gebrauchen, da links und rechts ungefilterte Luft mit Viruströpfchen eingeatmet werden. Man bekommt noch immer Sportmasken mit richtigen Ventilen und Filtern für den Selbstschutz. Ich hab auch ein paar Paintball-Mundschutz-Masken mit Filtern versehen, die sind auch noch erhältlich und rundum dicht. Wenn man keine passenden Filter findet, dann schneidet man sie aus Staubsaugerfiltern raus.

Lucinlinburhuc
7. Mai 2020 - 12.48

Zum Thema Nachhaltigkeit: ich habe bereits die OP Masken bei 60 Grad gewaschen. Das Ergebnis war recht positiv: das Material ist nicht mehr so glatt aber sieht noch brauchbar aus. Wichtige Frage: sind die Masken dennoch verwendbar / schutzfähig???

Tarchamps
7. Mai 2020 - 12.31

Ech si vun Diddeleng an ech hu meng och nach net krut, mir hunn der just 5 krut, ech huelen un déi ware fir meng Fra.

Rose-Marie
7. Mai 2020 - 11.53

@Linda Ewt mol op der Gemeng Reklameieren

Linda
7. Mai 2020 - 1.29

Et sin nach Leit wou guer keng Mask vun hirer Gemeng kruten. Kréien déi iwerhaapt hir 5 Masken nach vun der éichter Vadeelung?