Konzert

Der Wortverderber: So war Bob Dylans Auftritt in der Rockhal

Dylan war in Luxemburg, vernuschelte seine Texte, versteckte sich hinterm Klavier und verballhornte manch alten Hit. Alles wie immer also? Nicht ganz. Über einen Abend mit einem Mann, der nun wirklich im Zwielicht seiner Karriere angekommen ist – und dort so herrlich schummrig strahlt wie noch nie.

In der Rockhal war er ohne Hut: Der fotoscheue Bob Dylan, hier bei einem Auftritt 2012 in Großbritannien

In der Rockhal war er ohne Hut: Der fotoscheue Bob Dylan, hier bei einem Auftritt 2012 in Großbritannien Archiv: Gus Stewart/Redferns via Getty Images

Am Ende des Konzerts schaut man ungläubig auf den Notizblock. Doch, doch, es stimmt. Ganze fünf Mal hat sich Bob Dylan, notorischer Grantler, ewiges Pokerface, großer Erwartungspulverisierer, an diesem Abend in der Rockhal bei seinem Publikum bedankt. Und damit nicht genug. Mindestens zwei Mal – vielleicht sogar öfter, man kann das bei seinem legendären Genuschel nie so genau sagen – hat Dylan sogar mit den Anwesenden geschäkert. Zum Beispiel, als er sich mit einem kleinen, spontanen Kichern in eine Neuinterpretation des „Nashville Skyline“-Songs „To Be Alone with You“ wirft. Dessen nasal-nöliger Country-Schmalz ist seit 1969 zu einer knorrigen Rocknummer vertrocknet, die das Publikum dankbar klatschend aufnimmt. Auch ein Mundharmonika-Solo wird mit Szenenapplaus belohnt. Dylan brummelt ein „Thank you“ und stellt Bandkollegen Tony Garnier am Bass vor, mit dem er seit 1989 zusammenspielt: „He knows what it’s like to be alone with me“. Wieder dieses heisere Dylan-Kichern. Ein laues Witzchen, klar. In Dylan-Small-Talk-Maßstäben ist das jedoch beinahe ein Kaffeekränzchen.

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