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Wenn das Warten zur Tortur wird: Liberty-Steel-Mitarbeiter leben seit vier Monaten in Ungewissheit

Auf dem Papier sieht alles gut aus: Die Übernahme des Stahlwerks in Düdelingen schreitet voran. Ein Arbeitsplatz wurde den Mitarbeitern zwar versprochen, doch eine hundertprozentige Garantie erhalten sie nicht. Die Mitarbeiter sind in der Schwebe – und mit ihren Nerven am Ende.

Das Liberty-Steel-Werk in Düdelingen ist seit November 2024 insolvent. Es gibt einen Käufer – doch der Abschluss lässt auf sich warten.

Das Liberty-Steel-Werk in Düdelingen ist seit November 2024 insolvent. Es gibt einen Käufer – doch der Abschluss lässt auf sich warten. Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Seit Ende November 2024 ist das Werk von Liberty Steel in Düdelingen insolvent. Zwar hat der türkische Stahlhersteller Tosyali ein Angebot für den Standort abgegeben, doch die Mitarbeiter warten laut OGBL immer noch auf die Wiederaufnahme der Aktivitäten. Die letzte Lohnzahlung liege mittlerweile mehr als sechs Monate zurück. „Die Mitarbeiter von Liberty Steel Dudelange sind mit den Nerven am Ende“, schreibt die Gewerkschaft am Mittwoch in einer Pressemitteilung.

Bei einer Insolvenz gebe es Beihilfen – und diese seien auch schnell ausgezahlt worden. Doch seien sie „angesichts der erlittenen Verluste sowohl in finanzieller als auch in menschlicher Hinsicht bei weitem nicht ausreichend“, schreibt der OGBL. Trotz des „guten Willens vieler Akteure“ würden sich die Mitarbeiter gefangen und verlassen fühlen. Der derzeitige Rechtsrahmen sei nicht geeignet, mit einer solchen Situation umzugehen.

Besonders Grenzgänger seien hart betroffen, sagt Stefano Araujo, Zentralsekretär beim Syndikat für Hüttenindustrie und Bergbau. „Es gibt Leute, die erhalten ihre Entschädigung erst im Mai.“ Sie hätten aktuell kein Einkommen. Sie könnten entweder warten – oder sich woanders eine Arbeit suchen.

Lichter für die Übernahme auf Grün

Dabei würden die Lichter für die Übernahme auf Grün stehen. „Auf dem Papier sieht alles gut aus“, sagt Araujo. Im Juni könnte es so weit sein. Aber bis der Verkauf in trockenen Tüchern sei, könne keiner Garantien geben. „Den Leuten wird ein Arbeitsplatz versprochen, aber eigentlich haben sie bis dahin nichts“, sagt der Zentralsekretär. Dabei seien die Leute Teil vom Werk – und somit auch Teil vom Wert des Werks. Doch einige müssten sich anderweitig umsehen, trotz Zusage einer Weiterbeschäftigung in Düdelingen.

„Seit langem“ seien die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme der Tätigkeiten gegeben. „Die Mitarbeiter könnten sich zum Beispiel weiterbilden“, sagt Araujo. Doch man befinde sich in einer Sackgasse, steht in der Mitteilung. Beim letzten Treffen zwischen dem Arbeitsminister, dem Insolvenzverwalter und den Personalvertretern am 7. April sei keine Alternative gefunden worden, außer auf die Übernahme zu warten. „Die luxemburgischen Behörden versichern, diese Wiederaufnahme zu unterstützen, aber nichts bewegt sich“, schreibt der OGBL.

Die Beschäftigten würden unter einer Situation leiden, die sie weder gewählt noch verursacht haben. „Im April werden alle Beschäftigten von Düdelingen entweder arbeitslos sein oder gezwungen sein, dringend einen neuen Arbeitsplatz zu suchen, um für ihre Familien sorgen zu können“, schreibt der OGBL. Es gebe zwar soziale Instrumente für einen solchen Übergang – aber sie würden nicht genutzt. Für eine derartige Situation gebe es keine Vorkehrungen. Auraujos Forderung: „Eine außergewöhnliche Situation braucht außergewöhnliche Maßnahmen.“

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