Deutschland – Luxemburg

Umfrage deckt massive Belastungen durch Grenzkontrollen auf

Für Einzelpersonen und Unternehmen, die die deutsch-luxemburgische Grenze regelmäßig überqueren, ist die Situation „alarmierend“. Das geht aus einer Umfrage der DLWI über die Grenzkontrollen hervor. Belastet werden nicht nur die Nerven der Beteiligten – sondern auch die wirtschaftliche Attraktivität der Grenzregion.

Innerhalb Europas können Personen und Waren nicht mehr frei zirkulieren: Grenzkontrollen an der A64 bei Trier

Innerhalb Europas können Personen und Waren nicht mehr frei zirkulieren: Grenzkontrollen an der A64 bei Trier Foto: Editpress/Tobias Senzig

Im Sommer 2024 ging es los: Zur Fußball-EM führte Deutschland Kontrollen an seinen Binnengrenzen ein. Im September wurde aus der Maßnahme, die „gewalttätige Fußballfans“ von der Einreise abhalten sollte, dann eine permanente Einrichtung.

Dass die Kontrollen keine Freude für diejenigen sind, die die Grenze regelmäßig überqueren müssen, ist klar. Um jedoch einen systematischen Überblick über die Folgen zu erhalten, führte die Vereinigung DLWI (Deutsch-Luxemburgische Wirtschaftsinitiative) im Frühjahr eine Umfrage durch. Befragt wurden 300 Personen und Unternehmen, die regelmäßig grenzüberschreitend tätig sind. Die DLWI vertritt als Interessenverband die grenzüberschreitenden Wirtschaftsakteure auf beiden Seiten der Grenze.

Die Ergebnisse zeichnen dabei ein „eindeutiges und alarmierendes Bild“ der Situation an der Grenze, teilte die Vereinigung am Freitag mit. Als Vertreter der grenzüberschreitenden Wirtschaftsakteure sehe man das als „sehr besorgniserregend“, sagt DLWI-Präsident Stefan Pelger. „Zeitverlust, Effizienzprobleme und wirtschaftliche Einbußen treffen Einzelpersonen und Unternehmen gleichermaßen.“

Die Antworten der Befragten sprechen eine deutliche Sprache. Grenzkontrollen haben sich im Alltag der Pendler längst als spürbare Belastung etabliert. Satte 78,3 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage berichten von wiederkehrenden Verzögerungen. Mehr als 30 Prozent geben an, regelmäßig über 30 Minuten pro Tag zu verlieren.

Menschen unter enormem Druck

Diese Zeitverluste haben konkrete Auswirkungen auf das Berufs- und auf das Privatleben: 43,8 Prozent der Befragten mussten ihre Arbeitszeiten anpassen, häufig mit Auswirkungen auf familiäre Routinen. Zusätzlich berichten 10,5 Prozent von finanziellen Einbußen, etwa durch unbezahlte Überstunden oder zusätzliche Fahrtkosten.

Die derzeitigen Kontrollen belasten nicht nur die Nerven – sie haben realen Einfluss auf Lebensqualität und berufliche Entscheidungen

DLWI

Mit den von Deutschland eingeführten Maßnahmen sinkt die Attraktivität Luxemburgs als Arbeitsmarkt für Fach- und Führungskräfte, warnt die DLWI. 33,7 Prozent der Befragten denken „ernsthaft über einen Wechsel des Arbeitsplatzes nach“. Diese Antworten machten deutlich: „Die derzeitigen Kontrollen belasten nicht nur die Nerven – sie haben realen Einfluss auf Lebensqualität und berufliche Entscheidungen.“

Möglicherweise macht sich das bereits in messbaren Daten bemerkbar: Seit dem Jahr 2024 wächst die Zahl der Grenzgänger nicht mehr so rasant wie gewöhnlich. Bei den Herkunftsländern zeigen sich dabei deutliche Unterschiede: In den letzten beiden Quartalen 2024 ist nur die Zahl der Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Frankreich weiter gewachsen. Die Menge der Pendler aus Belgien hat zum Jahresende 2024 mit dem Schrumpfen begonnen. Und die Grenzgänger aus Deutschland? Ihre Zahl geht 2024 bereits während zwei Quartalen zurück. 

Firmen beklagen konkrete finanzielle Schäden

Betroffen von den andauernden Grenzkontrollen, die das Gebiet des europäischen Binnenmarkts zerschneiden, sind jedoch nicht nur Privatpersonen – sondern auch Unternehmen: 72,4 Prozent der im Rahmen der Umfrage befragten Firmen melden signifikante Zeitverzögerungen, 53,3 Prozent fühlen sich durch die Kontrollen operativ eingeschränkt und 27,6 Prozent haben sogar konkrete finanzielle Schäden zu beklagen.

„Die Ergebnisse legen nahe, dass dadurch betriebliche Abläufe, Logistik und Planungssicherheit massiv gestört werden“, erklärt die DLWI. „Die Folge: verzögerte Lieferungen, gestörte Produktionsprozesse, gestiegener Personal- und Koordinationsaufwand, sinkende Wettbewerbsfähigkeit.“

Erschwerend hinzu kommt, dass eine große Mehrheit der befragten Personen und Unternehmen die „Effizienz“ der deutschen Grenzmaßnahmen als „ungenügend oder nicht vorhanden“ bezeichnen. Zudem beklagen sie sich über Baustellen, die sich als großer Verstärker der Problematik erweisen, so die Ergebnisse.

Um erhebliche wirtschaftliche Nachteile – und einen Verlust an Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Grenzregion – zu vermeiden, fordert die DLWI schnelle und effektive Maßnahmen, darunter die Digitalisierung der Grenzprozesse und die Einführung intelligenter Kontrollsysteme und automatischer Fahrzeugerkennung. Manuelle Prozesse sollen durch technologische Schnittstellen reduziert werden.

Beim Baustellen- und Verkehrsmanagement empfiehlt die DLWI die Einrichtung eines koordinierten Baustellenkalenders für grenznahe Infrastruktur, frühzeitige Kommunikation mit Unternehmen und Pendlern sowie die Priorisierung der Verkehrsachsen mit hohem Pendleraufkommen. Zudem wünscht man sich eine Stärkung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, eine Förderung von flexiblen Arbeitsmodellen, eine Anpassung betrieblicher Anwesenheitspflichten an Grenzverhältnisse sowie Anreize für Arbeitgeber zur zeitlichen Entzerrung der Stoßzeiten.

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