Arbeitsmarkt

Nach welchen Fachkenntnissen sucht die Luxemburger Industrie?

Alle zwei Jahren führt der Unternehmensverband Fedil eine Umfrage bei seinen industriellen Mitgliedern durch, um zu erfahren, welche Fachkenntnisse aktuell in der Luxemburger Industrie besonders gesucht werden. Am Donnerstag wurden die Ergebnisse vorgestellt.

Isabelle Schlesser (Adem), Arbeitsminister Georges Engel und Fedil-Generalsekretär Marc Kieffer

Isabelle Schlesser (Adem), Arbeitsminister Georges Engel und Fedil-Generalsekretär Marc Kieffer Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

„Die Luxemburger Industrie ist dynamisch und schafft immer noch neue Arbeitsplätze“, so Fedil-Generalsekretär Marc Kieffer im Rahmen der Vorstellung der Resultate. „In der Industrie gibt es immer noch offene Stellen.“ Meist würden heute jedoch „komplexere, präzisere Profile“ gesucht als früher. Ziel dieser Umfrage sei es nun, zu erfahren, was die Bedürfnisse der Industrie sind, so Kieffer weiter.

Insgesamt hätten die beteiligten Unternehmen geplant, im laufenden und im kommenden Jahr 765 Stellen neu zu schaffen. Das sei weniger als sonst, bemerkte Kieffer, setzte die Zahl aber in den Kontext der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die kaum Planungssicherheit ermöglichen würden.

Die industriellen Unternehmen suchen dabei derzeit nach mehr technischem Personal für die Produktion und etwas weniger nach Mitarbeitern für Verwaltung und Handel. Das DAP („Diplôme d’aptitude professionnelle“) bleibt weiterhin das am meisten gefragte Diplom (44,2 Prozent). Begehrt sind auch Techniker- (12,9 Prozent) und Bachelor-Diplome (12,5 Prozent). Das am meisten gesuchte Profil ist der sogenannte „Produktionsarbeiter“, ein Mitarbeiter, der nicht sehr hoch spezialisiert ist, aber dennoch breite Kenntnisse in Bereichen wie Elektrotechnik, Hydraulik, Sicherheit und Digitalisierung hat.

Immer höhere Qualifikationen

Scheinbar nur wenig anfangen kann man im Industriesektor mit einer „Première“. Dieses Diplom ist nur bei 3,3 Prozent der geplanten Stellen vorgesehen. Die Ausbildung sei für diese Jobs zu breit gefächert, so Philippe Heck von der Fedil. Deutlich zugelegt habe laut Umfrage derweil der Anteil der Jobs, für die ein Masters oder ein Doktorat verlangt wird (19,9 Prozent), hob Thierry Wolter, Vizepräsident der Fedil und Mitglied des Vorstands von Ceratizit, hervor. Dabei geht es um die Digitalisierung, Innovation sowie die Modernisierung der Produktion. Die Rolle der Forschung und Entwicklung – und damit auch der Weiterbildung – würde ständig weiter zunehmen.

Die Umfrage wird seit 1998 alle zwei Jahre durchgeführt. Partner dabei sind das Arbeitsministerium sowie Aus- und Weiterbildungsbehörden. Angeschrieben werden Unternehmen aus allen Bereichen der Industrie, von der Agrar- und Ernährungswirtschaft bis hin zu Stahl und Chemie. In diesem Jahr haben jedoch nur 57 von 235 Unternehmen auf die Fragen geantwortet. Marc Kieffer erklärt sich dies mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage, die kaum Planungssicherheit bieten würde.

Für das Arbeitsministerium seien die Daten, die bei solchen Umfragen gesammelt werden, überaus wichtig, so Arbeitsminister Georges Engel am Donnerstag. „Um die richtige Politik zu machen, braucht es die richtigen Informationen.“ Es sei schön zu sehen, dass die Luxemburger Industrie weiter neue Stellen schaffe, so der Minister.

Weiterbildungsangebot anpassen

Weiter hob er hervor, dass die nationale Wirtschaft gut durch die Zeit der Pandemie sowie bisher auch durch die aktuelle Krise gekommen sei. Auf die „dunkeln Wolken am Horizont“ gelte es jedoch aufzupassen. Es sei wichtig, dass Luxemburg weiterhin eine starke Industrie halten könne. Daher versuche man als Ministerium, auch in schwierigen Fällen zu helfen.

Georges Engel erinnerte weiter daran, dass bei der Arbeitsagentur Adem 11.000 unbesetzte Stellen angemeldet sind – und auch 16.500 Arbeitssuchende. Die Behörde sei sehr hilfsbereit und offen, um mit der Industrie über das notwendige Weiterbildungsangebot zu reden. Es gelte, die Leute dorthin zu bringen, wo Arbeitskräfte benötigt werden. Gleichzeitig sei es wichtig, dass die Unternehmen „auch unter sich Solidarität zeigen“, etwa durch das gegenseitige Ausleihen von Arbeitskräften, um schwierige Zeiten zu überbrücken.

Für Véronique Schaber vom Bildungsministerium ist es unerlässlich, der Jugend die Kompetenzen zu lehren, die nahe an der wirtschaftlichen Realität sind. Kurse würden konstant an die Bedürfnisse angepasst und auch im Bereich der Beratung versuche man immer darauf hinzuweisen, welche Vielfalt an unterschiedlichen Jobs es gibt.

Die Fedil wünscht sich ihrerseits, die Ausbildung insgesamt mehr auf die Bedürfnisse der industriellen Betriebe auszurichten. Da dies kurzfristig jedoch nicht möglich sei, hob die Organisation den wichtigen Stellenwert der Weiterbildung hervor. „Die Industrie ist nämlich ein Teil der Lösung“, etwa beim Kampf gegen den Klimawandel, so Thierry Wolter. „Es gibt sie und es geht voran.“ Besonders erfreut zeigte er sich darüber, dass leicht mehr als die Hälfte der 765 geplanten Stellen „ganz neue Arbeitsplätze“ sind und nicht einfach nur einen ehemaligen Mitarbeiter ersetzen.

Um gut arbeiten zu können, müssten Bildung, Forschung und Entwicklung weiter gefördert werden. Auch wünsche er sich günstigere Energiekosten durch Erneuerbare. In Luxemburg dürfe „nicht immer alles so kompliziert gemacht“ werden, sagte Wolter. Als Beispiel rechnete er vor: „Vier große Windmühlen würden ausreichen, um unser Werk (Ceratizit) hierzulande mit Strom zu versorgen …“

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Die Vorstellung der Ergebnisse der Umfrage zeigt das große Interesse an den gesammelten Daten über die Personal-Bedürfnisse der Industrie

Die Vorstellung der Ergebnisse der Umfrage zeigt das große Interesse an den gesammelten Daten über die Personal-Bedürfnisse der Industrie Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

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