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Finanzsektor in der Krise? Schaffung von Arbeitsplätzen verlangsamt sich deutlich

Der Motor brummt nicht mehr so richtig: Laut Statec schafft der Finanzsektor nicht mehr viele Arbeitsplätze. Aus dem aktuellen Konjunkturbericht gehen aber auch erfreuliche Nachrichten hervor: Die Kreditkosten sinken – und der Tourismusbranche geht es richtig gut.

Der Finanzsektor wächst nicht mehr so schnell wie früher

Der Finanzsektor wächst nicht mehr so schnell wie früher Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Der Luxemburger Finanzsektor ist laut Premierminister Luc Frieden (CSV) die „treibende Kraft in unserer Volkswirtschaft“. Doch zumindest was die Arbeitsplätze angeht, scheint diese Annahme ins Wanken zu geraten: „Der Finanzsektor schafft nicht mehr viele Arbeitsplätze“, schrieb Statec am Dienstag in einer Pressemitteilung zur Lage der Konjunktur.

Die Statistiker heben in ihrem Bericht hervor, dass sich die Schaffung von Arbeitsplätzen „deutlich verlangsamt“ hat. Im vierten Quartal 2024 sank das jährliche Wachstum auf nur 0,9 Prozent – wobei es im letzten Quartal 2022 noch bei fast vier Prozent lag. Auch die vorläufigen Daten für das erste Quartal in diesem Jahr versprechen keine Besserung: Sie zeigen einen Anstieg von nur 0,3 Prozent. Das entspreche dem Tempo, das „Ende 2020 inmitten der Covid-Krise zu beobachten war“, so das Statistikamt.

Vor allem in der Verwaltung von Investment- und Pensionsfonds hat sich das Beschäftigungswachstum deutlich verlangsamt. Dort waren es Ende 2022 noch 2,5 Prozent – Ende 2024 hingegen nur noch 0,2 Prozent. In den Banken geht das Wachstum mit -0,1 Prozent im gegenüber dem Vorjahr sogar leicht zurück.

Kreditkosten sinken weiter

Das Statistikamt hat auch gute Nachrichten aus dem Finanzsektor: Die Kreditkosten für Unternehmen und private Haushalte in Luxemburg sinken weiter. Die Zinssätze für Immobilienkredite, Verbraucherkredite und Unternehmenskredite sind im März, verglichen mit dem Vorjahr, leicht gesunken. Der Festzinssatz für neue Immobilienkredite stieg hingegen im ersten Quartal leicht an.

Der Tourismusbranche ist ein besserer Start ins neue Jahr gelungen. Das erste Quartal 2025 deutet laut Statec auf die Fortsetzung des positiven Trends aus dem vergangenen Jahr hin – obwohl „es sich nicht um die touristisch stärkste Zeit handelt“. So sind die Ankünfte um 7,3 Prozent, verglichen mit dem Vorjahr, gestiegen – im Euroraum gab es hingegen einen Rückgang von 0,3 Prozent. Die Branche steht damit in den Startlöchern, den Rekord von 2024 zu knacken: Zum ersten Mal überschritt Luxemburg im vergangenen Jahr die Marke von 1,5 Millionen Besuchern.

Die Kraftstoffverkäufe in Luxemburg befinden sich hingegen in einem Abwärtstrend: In den ersten vier Monaten des Jahres 2025 gingen die Verkäufe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast vier Prozent zurück – der Diesel sogar um mehr als sieben Prozent. Denn der Preisunterschied zu den Nachbarländern wird immer kleiner. Der Diesel für gewerbliche Zwecke ist sogar in Belgien und Frankreich mittlerweile billiger. Das liegt „insbesondere aufgrund der kontinuierlichen Erhöhung der CO2-Steuer“, schreibt das Statistikamt. Die würde aber wesentlich zur Erreichung der Klimaziele in Luxemburg beigetragen.

Indextranche lässt Inflation steigen

Nach langem Warten hatte der Mai ein Geschenk für die Luxemburger Geldbeutel im Gepäck: die nächste Indextranche, also 2,5 Prozent mehr Lohn für alle. Doch das hat auch einen ungewünschten Nebeneffekt, wie Statec schreibt. Die Inflation dürfte in Luxemburg in den nächsten Monaten wieder anziehen – zumindest ein bisschen.

2024 blieb die Inflation unter dem Wert der Eurozone, schreiben die Statistiker. Das war auch bisher 2025 der Fall. In den ersten vier Monaten dieses Jahres lag die Inflation im Großherzogtum bei 1,7 Prozent – und in der Eurozone bei 2,3 Prozent. Doch in den kommenden Monaten „dürfte die Inflation in Luxemburg aufgrund der im Mai 2025 erfolgten Lohnindexierung wieder etwas anziehen“, schreibt Statec.

Etwas konkreter: Die jüngsten Prognosen rechnen für 2025 und 2026 mit einer Inflation von 1,9 Prozent. Damit würde Luxemburg dieses Jahr knapp unter der Prognose für den Euroraum (2,1 Prozent) – und 2026 knapp darüber liegen (1,7 Prozent). Die nächste Indextranche erwartet Statec indes erst im dritten Trimester 2026.

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