Meluxina-AI
Ein Ökosystem für KI: „Fabrik“ soll Luxemburgs Unternehmen fit für die Zukunft machen
Luxemburg will zum Vorreiter für Künstliche Intelligenz (KI) im Herzen Europas werden. Nun hat Wirtschaftsminister Delles neue Details zur geplanten „AI Factory“ in Bissen präsentiert.
Sorgt sich nicht um die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt der Zukunft: Wirtschaftsminister Lex Delles Foto: Editpress/Julien Garroy
In Bissen entsteht eine Fabrik. Eine der ersten KI-Fabriken Europas, um genau zu sein. Im Dezember hatte die EU-Behörde „European High Performance Computing“ (EuroHPC) das Projekt „Meluxina-AI“ von LuxProvide als einer von sieben europäischen Standorten ausgewählt. Ein für KI optimierter Supercomputer mitsamt einer angegliederten „AI Factory“ soll bis zur zweiten Jahreshälfte 2026 in Bissen entstehen. Dort, wo seit 2021 bereits der Supercomputer „Meluxina“ zu Hause ist – und wo, ebenfalls 2026, der Quantencomputer „Meluxina-Q“ in Betrieb gehen soll. Nun wird das Ganze um eine KI-Fabrik erweitert, wie Wirtschaftsminister Lex Delles auf einer Pressekonferenz am Montagvormittag verkündete.
Man darf sich die „AI Factory“ nicht als Fabrik im eigentlichen Sinne vorstellen, bei der am Ende ein Produkt vom Fließband fällt. Die luxemburgische KI-Fabrik soll, so der Minister, ein Ökosystem bilden. „Wir wollen hier kein luxemburgisches ChatGPT schaffen“, sagt Delles. Vielmehr richte sich die Fabrik an luxemburgische Unternehmen, die selbst KI entwickeln oder mit ihr arbeiten wollen. Der Wirtschaftsminister beschreibt die Fabrik als einen Ort, an dem alle Betriebe unterstützt werden können, die eine Hilfestellung im KI-bedingten Wandel der Arbeitswelt brauchen. „Ein One-Stop-Shop für unsere Betriebe“, sagt Delles. Vom Start-up, das eine eigene KI modellieren und trainieren möchte, bis zum Schreinerbetrieb, der nach bereits fertigen KI-Lösungen sucht, um seine Arbeitsweise zu optimieren.
Schlüsselsektoren Space und Cybersicherheit
Hinter dem Projekt „Meluxina-AI“ steckt ein Konsortium aus verschiedenen Akteuren. Dazu gehören das Unternehmen LuxProvide, die Innovationsagentur Luxinnovation, das Luxembourg National Data Center (LNDS) sowie die Universität Luxemburg und das Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST). Die Gesamtkosten für „Meluxina-AI“ belaufen sich auf schätzungsweise 112 Millionen Euro, davon fallen 80 Millionen auf die Anschaffung des Supercomputers und 32 Millionen auf dessen Nutzung über einen Zeitraum von fünf Jahren. Die Hälfte dieses Budgets kommt aus EU-Kassen. Die KI-Fabrik soll binnen drei Jahren geschätzte 14 Millionen Euro kosten, auch hier zahlt EuroHPC die Hälfte. Die luxemburgische Regierung finanziert insgesamt 60 Millionen.
Gustav Kalbe (EU-Kommission) will ein wettbewerbsfähiges Europa Foto: Editpress/Julien Garroy
Die luxemburgische KI-Fabrik in Bissen wird Teil eines europaweiten Netzwerks sein. An sechs weiteren Standorten in Finnland, Griechenland, Spanien, Italien, Deutschland und Schweden entstehen ähnliche Institutionen – alle mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die luxemburgische KI-Fabrik wird sich auf vier Schlüsselbereiche fokussieren, in denen das Großherzogtum bereits führend ist: Finanzen, Cybersicherheit, Space sowie nachhaltige Technologien. „Wir sind das einzige Land in Europa, das Space als Schlüsselsektor gewählt hat“, sagt Delles. Das Thema Cybersicherheit teilt man sich mit Italien. Man habe, sagt Anders Dam Jensen, Exekutivdirektor von EuroHPC, die Fabriken so ausgewählt, dass nicht nur die nationalen Betriebe davon profitieren, sondern sich auch die einzelnen europäischen Standorte untereinander ergänzen. Gerade werden sechs weitere Fabriken in das bestehende Netzwerk integriert.
Gustav Kalbe, leitender Direktor der Generaldirektion Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien der EU-Kommission, betont am Montagvormittag die Bedeutung, die die KI-Fabriken im großen Plan einnehmen, um die EU in Sachen KI wettbewerbsfähig zu machen. Es sei wichtig, dass Europa eine führende Rolle übernehme – in der aktuellen Weltlage gerade auch in Kontexten von Sicherheit und Verteidigung. Dazu brauche es im Ökosystem der KI-Fabriken jedoch Zugang zu großen hochwertigen Datensätze sowie Fachkräften. Ein Punkt, den auch Digitalisierungs- und Forschungsministerin Stéphanie Obertin unterstreicht. Die luxemburgische Datenstrategie setze Qualität über Quantität, so die Ministerin. Außerdem wolle man Datensilos vermeiden, d.h. Datensammlungen in getrennten Systemen, die keine Informationen miteinander austauschen können. In Luxemburg sollen auch die Daten für die KI aus einer Hand kommen. Ein Ort für alle Daten-Services.
„Talent Attraction“, das altbekannte Schlagwort in Zeiten des Fachkräftemangels, fällt auch hier in der KI-Diskussion. Die KI-Fabrik braucht hochqualifizierte Arbeitskräfte. „Wir müssen früh dabei sein, weil wir sonst den Zug verpassen“, sagt der Wirtschaftsminister – auch im Werben um Arbeitskräfte. Doch auch für alle anderen wird KI die Arbeitswelt, wie wir sie kennen, umkrempeln – darin sind sich die meisten Experten einig. Der liberale Minister Delles findet sich im Lager derjenigen, die auf diesen zukünftigen Arbeitsmarkt nicht mit Angst schauen, sondern mit Zuversicht. Arbeitsplätze würden nicht verloren gehen, so Delles, sie würden sich verändern. Und überhaupt, Stand heute, habe KI in Luxemburg eine durchaus positive Bilanz: „Plus acht Arbeitsplätze“, sagt Delles mit einem Grinsen, bei Luxinnovation.