Luxemburg
Das Handwerk zwischen zaghafter Erholung und tiefen Strukturproblemen
Das Handwerk in Luxemburg sieht zum Ende des Jahres 2025 Signale einer leichten Erholung. Der Bausektor bleibt jedoch weiter unter Druck, und vor allem der Wohnungsneubaumarkt (VEFA) verharrt in der Krise.
Die Talsohle scheint durchschritten – aber von einer nachhaltigen Erholung sieht sich das Luxemburger Handwerk noch weit entfernt. Vor allem im Bauwesen bleibt die Lage schwierig. Foto: Christian Muller
Zum Ende des Jahres 2025 „bestätigt sich für das luxemburgische Handwerk die Tendenz zu einer zaghaften Erholung, die jedoch weiterhin fragil ist“, schreibt die Luxemburger Handwerkskammer in ihrem Konjunkturbericht zum letzten Quartal des Jahres.
Der Aktivitätsindikator des Sektors bleibt mit minus 8,2 Punkten im negativen Bereich, obwohl der Anteil der Unternehmen, die eine Verbesserung melden (11,4 Prozent), sich allmählich dem Anteil der Unternehmen annähert, die eine Verschlechterung melden (19,6 Prozent), so das Handwerk in einer Pressemitteilung.
Diese Entwicklung, wie auch die ersten Zahlen für Anfang 2026, lassen vermuten, dass die Konjunkturtiefphase wahrscheinlich überwunden ist, „auch wenn die Handwerkskammer angesichts der aktuellen Krisen im Iran und in der Ukraine noch gewisse Vorbehalte (…) äußert“.
Der Aktivitätsindikator des Handwerks Bild: Screenshot: Chambre des métiers
Als schwach erweist sich immer noch der Bausektor, wo besonders der Verkauf von sich im Bau befindenden Immobilien (VEFA) weiterhin in einer besonders schleppenden Dynamik steckt, beklagen die Handwerker. Im dritten Quartal 2025 wurden nur 324 Transaktionen registriert, was weniger als der Hälfte des Durchschnitts vor der Krise entspricht (691 Verkäufe pro Quartal). Die Erwartung eines durch steuerliche Maßnahmen ausgelösten Aufschwungs habe nicht zu einer nachhaltigen Trendwende geführt.
Staatliche Maßnahmen haben nicht geholfen
Auch beklagen die Handwerker, dass von den insgesamt 450 Millionen Euro, die die Luxemburger Regierung zwischen 2024 und 2027 in den VEFA-Bereich stecken wollte, bis zum Ende letzten Jahres gerade mal 221 Millionen angekommen sind. „Weniger als die Hälfte der geplanten Mittel“, heben sie hervor.
Zudem bleibe, trotz einer für das vierte Quartal 2025 angekündigten wirtschaftlichen Erholung, der Arbeitsmarkt besonders fragil, schreiben sie weiter. In diesem Zeitraum habe die Zahl der Arbeitssuchenden um 12,6 Prozent zugelegt.
Am stärksten betroffen sei erneut der Bausektor mit fast 40 Prozent zusätzlichen Arbeitssuchenden in einem einzigen Quartal und einem Rückgang der Beschäftigtenzahlen um 2 Prozent innerhalb eines Jahres. Seit Ende 2022 sind etwa 4.500 Jobs in dem Sektor verschwunden, fast zehn Prozent aller Arbeitsplätze im Bauwesen.
Gleichzeitig ist die Beschäftigung im öffentlichen Sektor innerhalb von fünf Jahren um 24 Prozent gestiegen, so das Handwerk weiter. Diese Entwicklung verstärke das strukturelle Ungleichgewicht zwischen den produktiven Sektoren und dem öffentlichen Dienst noch weiter.
Hinter diesen Konjunkturzahlen lauert ein noch tieferes Problem: In den nächsten zehn Jahren werden im Handwerk zwischen 24.000 und 28.000 Renteneintritte erwartet. Die Branche sieht eine „ernsthafte“ Gefahr für die Übertragung von Fachwissen und Handwerkskunst.
Die Handwerkskammer fordert nun „entschlossene staatliche Maßnahmen“ in den Bereichen Produktivität, Wohnraum und Talente, um gegenzusteuern. Im Bereich Wohnungsbau wünscht man sich etwa zinslose Darlehen für VEFA-Käufer und Steuersenkungen für den Bau von Mietwohnungen. Im Bereich der Talentgewinnung wolle man mehr Bewusstsein für die Attraktivität des Handwerks, neue Ausbildungsformate sowie Verbesserungen bei der Mobilität und bezahlbarem Wohnraum.