Fußballnationalmannschaft
Wenn der Sport (fast) keine Rolle spielt
Nie zuvor stand der Sport so sehr im Hintergrund. Der nationale Fußballverband schaffte es durch fehlerhafte Kommunikation, den Fall Gerson Rodrigues noch einmal zu verschlimmern. Neben dem Imageschaden gab es auch eine (kleine) finanzielle Strafe für das Verhalten in dieser Affäre. Sportlich lieferten die „Roten Löwen“ in den Testspielen zwei ordentliche Leistungen ab. Will man in der kommenden WM-Quali Platz zwei erreichen, muss sich aber vor allem offensiv gesteigert werden.
Proteste gab es im und vor dem Stadion Foto: Editpress/Jeff Lahr
Die Fehler
In den vergangenen zwei Wochen kam es zu einer Vielzahl von Fehlentscheidungen. Der Vorstand der FLF entschied, dass Gerson Rodrigues nach seiner Verurteilung weiter nominiert werden darf und war überrascht, welche weitreichenden Konsequenzen diese Entscheidung haben würde. Das Feuer wurde vor allem entfacht, nachdem Nationaltrainer Luc Holtz einen Journalisten von Le Quotidien aus einer Presserunde ausgeschlossen hatte. Holtz störte sich an der dauerhaft kritischen Berichterstattung des Journalisten über den Fall Gerson Rodrigues. Nicht besser machte es sein Präsident Paul Philipp wenige Tage später, als er sich hinter die Entscheidung von Holtz stellte und damit auch teilweise Einschränkung der Pressefreiheit betrieb. Im gleichen Atemzug bezeichnete er Kritiker als „Pseudo-Politiker“. Pech hatte die FLF, dass das Sicherheitspersonal im Stade de Luxembourg zu rabiat zu Werke ging und dabei eine protestierende Person verletzte.
Die Strafe
Sportminister Georges Mischo teilte am Dienstag während einer Chamber-Sitzung mit, dass der nationale Fußballverband FLF eine Subvention gestrichen bekommt. Die Gelder aus dem „Let’s make it happen“-Topf werden an Sportler, Vereine und Verbände vergeben, die Luxemburg im Ausland positiv vertreten. Dies hat die FLF in den vergangenen Tagen mit Sicherheit nicht getan, weshalb die Entscheidung fiel, diese Subventionen zu streichen. Die 20.000 Euro, um die es sich handelt, werden dem Fußballverband jedoch nicht wehtun. Das Jahresbudget der FLF lag nämlich im Jahr 2024 bei rund neun Millionen Euro. Es geht jedoch mehr um das Zeichen, das gesetzt wurde, als um die genannte Summe. „Die rezenten Vorfälle der FLF sind inakzeptabel und ein kommunikationstechnisches Desaster“, sagte Mischo in der Chamber.
Wie geht es für Rodrigues weiter?
Gerson Rodrigues wurde wegen einer Schlägerei und häuslicher Gewalt vom Berufungsgericht zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Vor Gericht gab er zwar einige Taten zu, aber nie, seine Ex-Freundin geschlagen zu haben. Obwohl viele Kritiker eine Entschuldigung von ihm verlangen, wird es diese wohl so bald nicht geben. Der erfolgreichste Stürmer der Geschichte der Nationalmannschaft äußerte sich vor dem Spiel gegen Irland erstmals auf Instagram öffentlich zu den Vorfällen. „Ich wurde für schuldig befunden. Es ist eine Gerichtsentscheidung, die ich respektiere. Eine Entscheidung zu respektieren bedeutet nicht, dass ich sie als Wahrheit akzeptieren muss, die mich definiert. Das ist nicht meine Geschichte, das bin nicht ich.“ Indirekt sagt der 29-Jährige also weiterhin, dass er diese Tat aus dem Jahr 2022 nicht verübt hat. Die FLF wird in den kommenden Wochen eine Ethikkommission zusammenstellen, die diesen Fall und seine Auswirkungen noch einmal untersuchen wird. Ob die Entscheidung des Vorstands, Rodrigues nominierbar zu machen, revidiert werden wird, ist jedoch mehr als fraglich.
Die Konsequenzen
Durch die fehlerhafte Kommunikation der FLF und die Entscheidung von Luc Holtz, den Stürmer zu berufen, wurde der Fokus auf das Außersportliche gelenkt. Noch nie standen Proteste im Vordergrund eines Länderspiels einer luxemburgischen Nationalmannschaft. Plötzlich interessierten sich auch Menschen, die rein gar nichts mit Fußball am Hut haben, für die FLF-Auswahl. Es gibt wohl nur wenige Politiker in Luxemburg, die sich nicht kritisch über das Verhalten des größten nationalen Sportverbandes geäußert haben. Am Freitag protestierten noch rund 20 Menschen vor dem Stadion, am Dienstag gegen Irland waren es bereits rund 50 bis 60. Der Imageschaden für die FLF, Präsident Paul Philipp und Nationaltrainer Luc Holtz ist enorm. Sogar international hat diese Causa für Aufmerksamkeit gesorgt. Mehrere Medien berichteten über den Fall. Am Dienstag buhten die irischen Fans Rodrigues bei jeder Ballberührung in der ersten Halbzeit aus. In Monnerich muss man sich in den kommenden Wochen und Monaten überlegen, wie man den Sport wieder ins Scheinwerferlicht rücken und aus den Fehlern lernen kann. Eine gute Portion Selbstreflexion gehört mit Sicherheit zu diesem Prozess.
Und was lief sportlich so ab?
Die FLF-Auswahl bestritt die letzten beiden Tests vor der WM-Qualifikation, die im September beginnt. Bei der 0:1-Niederlage gegen Slowenien und beim 0:0-Remis gegen Slowenien befand sich Luxemburg trotz einiger Ausfälle von Leistungsträgern (Mathias Olesen, Christopher Martins und Anthony Moris) auf Augenhöhe mit beiden Nationen. Die „Roten Löwen“ zeigten einen guten Rhythmus und ließen nicht sehr viele Chancen zu. In den beiden Partien gelang Luxemburg jedoch kein Tor, weil die Offensivaktionen teilweise schlecht ausgespielt wurden. Will man in der Gruppe 1 der WM-Quali eine Rolle im Kampf um Platz zwei spielen, muss im Angriff etwas getan werden. Nach heutigem Stand der Dinge hat die FLF-Auswahl aber trotzdem berechtigte Chancen, die Slowakei und Nordirland hinter sich zu lassen. Gruppenfavorit Deutschland wird unantastbar sein. Es wäre im Interesse der FLF und der Spieler, dass die Wogen bis September geglättet sind. Obwohl Luc Holtz immer wieder beteuerte, dass diese „Nebengeräusche“ weder ihn noch die Spieler aus der Ruhe bringen, ist es doch deutlich einfacher, Fußball zu spielen, wenn nur über den Sport geredet wird.