BGL Ligue

Was der Racing-Coach in Differdingen beobachtet hat

Für den Racing wäre Platz sechs das höchste der Gefühle in der Liga, weshalb das Pokal-Viertelfinale am Mittwoch in Differdingen zu den wichtigsten Terminen des Hauptstadtklubs gehört. Trainer Sébastien Grandjean ist allerdings wenig angetan vom Zustand des Meister-Rasens.

Sébastien Grandjean spricht über Stürmermangel als großes Problem beim Racing Fußballteam

Für Sébastien Grandjean steht fest, dass das große Manko des Racing der Stürmermangel ist Foto: Editpress/Luis Mangorrinha

Tageblatt: Sie saßen am Sonntag in Differdingen auf der Tribüne um Ihren nächsten Gegner zu beobachten. Was haben Sie beobachtet?

Sébastien Grandjean: Eine starke Mannschaft, die gut steht, über herausragende Individualitäten verfügt und einen Gegner zu jedem Zeitpunkt bestrafen kann.

Das klingt nicht nach einer neuen Erkenntnis.

Sagen wir es so: Es gab vielleicht den einen oder anderen Laufweg.

Der Platz wird wohl auch am Mittwoch alles andere als in Topzustand sein. Wie viel Einfluss wird der Zustand des Rasens auf das Pokalspiel haben?

Das wird leider großen Einfluss haben – für beide Teams. Sowohl Differdingen als auch wir wollen Fußball spielen und die Schnelligkeit im Spiel suchen. Auf einem so schlechten Platz wird das sehr schwer werden, da die Aufsetzer schwerer einzuschätzen sind. Man wird sich zuerst auf die Ballkontrolle konzentrieren müssen und danach auf die Qualität des Spiels.

Werden Sie das vor dem Spiel ansprechen?

Es verändert wohl die Herangehensweise, aber uns bei der Vorbereitung in der Praxis vorbereiten werden wir nicht. In Luxemburg stehen die Spieler alle untereinander im Austausch. Jeder weiß, wie der Platz aussieht.

In der Meisterschaft gab es zwei Niederlagen gegen den Leader. Was stimmt Sie optimistisch, dass Racing den Titelverteidiger am Mittwoch im Pokalviertelfinale schlagen kann?

Ich selbst habe ja nur eine erlebt (0:2). Ich denke, dass wir ein gutes Spiel gemacht haben. Es fehlte uns an Effizienz in den beiden Strafräumen. Und das ist auch jetzt noch teilweise der Fall. Wir haben es allerdings schon in einigen Spielen geschafft, zielstrebig zu sein. Natürlich handelt es sich hier um ein besonderes Duell, das absolut nichts mit dem Liga-Alltag zu tun hat. Im Pokal geht es weiter oder du stirbst. Wir wissen also, was zu tun ist.

Es gab beim RFCUL zuletzt Höhen und Tiefen. Wie würden Sie die Leistungen der vergangenen Wochen beschreiben?

Wir haben ein sehr junges Team. Wenn man Ruffier, Monge, Freire und Stolz wegnimmt, dann ist der Altersdurchschnitt sehr tief. Wir haben die zweite Hälfte gegen Niederkorn mit sechs Junioren beendet. Ich habe hier nicht nur ein wenig, sondern fast alles verändert als ich ankam. Es braucht Zeit, vor allem wenn man mit Spielern arbeitet, die noch nicht so erfahren sind. Ich rede nicht von Talent, Einsatz oder Einstellung, sondern von Erfahrung. Die ist notwendig. Das bedeutet, dass man gewisse Situationen erlebt haben muss, Spiele bestreiten, schwere Momente, Niederlagen und Fehler. Wenn man das alles schon kennt, begeht man weniger Fehler. Wir befinden uns gerade in dieser Lernphase. Die jungen Spieler müssen ihren Platz finden. Das erklärt, warum es Höhen und Tiefen gab.

Wie geht man als erfahrener Spieler mental mit dieser Lage um?

Es liegt an ihnen, ihren Teil dazu beizutragen, damit es funktioniert. Ich bin derzeit in einem Verein tätig, in den ich sehr viel Energie investiere. Teilweise handelt es sich noch um Ausbildung. Das hatte ich zuletzt beim Standard Liège. Es verlangt viel Energie, Analyse, Videos, Beispiele und sehr, sehr viele Verbesserungen. Im Fußball hat man dafür nicht immer die nötige Zeit, aber diese Saison muss es eben so sein. Ich sehe es positiv: Wir sind noch im Rennen um Platz sechs, was top ist. Es wäre überragend, wenn wir am Mittwoch das Halbfinale erreichen würden.

Was bedeutet so eine Übergangssaison für den Verein?

Es war so nicht vorgesehen. Ich habe einen fahrenden Zug übernommen und seither gab es ja auch nur zwei Transfers. Ich denke, dass beide Neuzugänge alles mitbringen, was verlangt wurde. Jetzt muss man die Situation akzeptieren, obschon nur die Wenigsten damit gerechnet haben. Ich bin allerdings überzeugt davon, dass wir gerade etwas aufbauen, was sehr vielversprechend für die Zukunft sein wird.

Was fehlt in dieser Saison, um Europapokalkandidaten zu schlagen?

Ein Stürmer. Jemand, der Tore schießt. Wenn wir einen erfahrenen Mann im Kader hätten, würden wir um die Europapokalplätze mitspielen.

Sie hatten den physischen Zustand der Mannschaft bei Ihrer Ankunft im November bemängelt. Wie sieht das jetzt im Saisonendspurt aus?

Wir haben das im Winter in Angriff genommen und uns darauf fokussiert. Heute sieht man anhand der Daten, dass wir mit jedem Gegner physisch mithalten können. Der Beweis dafür ist, dass wir in drei Spielen in der Schlussphase getroffen haben. Gegen Petingen wurden wir bestohlen, da uns ein reguläres Tor aberkannt worden ist. Die Bilder zeigen ganz klar, dass uns der Sieg geklaut worden ist. Auch gegen Niederkorn haben wir ein spätes Tor erzielt. Daran erkennt man, dass wir physisch in der Lage sind, bis zur letzten Minute dranzubleiben. Für so einen jungen Kader ist das sehr interessant. Mental gehen wir gegen Niederkorn sogar als Sieger vom Platz. Der Progrès muss sich die Fragen stellen.

Der Pokal ist die einzige Möglichkeit, die Saison noch zu retten und ein Conference-League-Ticket zu ergattern. Bis auf Bissen, das noch um die Meisterschaft kämpft, sind alle anderen Gegner in der Meisterschaft tabellarisch auf Augenhöhe. Was muss der Anspruch des Racing auf der Zielgeraden sein?

Unser Ziel ist die Qualität in unseren Spielen. Erst soll die Manier stimmen, dann werden die Ergebnisse von selbst folgen. Es ist egal, gegen wen wir spielen. Das ist nicht wichtig. Wir befinden uns in einem Lernprozess von einem Spielstil, der uns erlauben soll, das Spiel zu führen, Chancen herauszuspielen und schnell nach vorne zu gelangen.

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