Von der Arbeit auf die Weltbühne
Was Bogenschützin Mariya Klein-Shkolna bei den World Games erreichen will
Mariya Klein-Shkolna lebt den Spagat zwischen Berufsleben und Leistungssport. Die Vorbereitung war fordernd, allerdings bleibt der Ehrgeiz groß. Ab Freitag bei den World Games in Chengdu zählt nur noch eins: ihre beste Leistung zum richtigen Zeitpunkt abzurufen.
Mariya Klein-Shkolna will einen hohen Durchschnitt im Bereich der 147 Punkte erzielen Foto: Editpress/Julien Garroy
Der Ablauf
Bereits am Sonntag machte sich die 27-Jährige gemeinsam mit ihrem Coach Filippo Clini auf den Weg nach China. Da das Bogenschießen gleich an den ersten drei Wettkampftagen von Freitag bis Sonntag ausgetragen wird, bleibt ihr so ausreichend Zeit zur Akklimatisierung vor Ort. „Ich freue mich riesig und kann es kaum erwarten, endlich dort zu sein“, sagte sie vor der Abreise. Nervös ist die Luxemburgerin derzeit nicht. „Das kommt wahrscheinlich erst, wenn der Startpfiff ertönt.“ Ihr Aufenthalt in China ist zeitlich begrenzt, denn die Rückreise erfolgt bereits kurz nach ihren Wettkämpfen. Der Chef de Mission des COSL, Raymond Conzemius, reist am Dienstag nach und wird über die gesamte Dauer der World Games in Chengdu sein.
Die Form
2025 hat die Elitesportlerin bislang an fünf internationalen Wettbewerben teilgenommen. Zwei davon waren Weltcups, bei denen sie 18. in Madrid und 24. in Antalya wurde. „Ich konnte erkennen, was noch fehlt und woran ich noch arbeiten muss“, so beschrieb Klein-Shkolna die beiden Auftritte, die für sie als Formcheck dienten. Ihr Fazit fiel gemischt aus, zuletzt aber mit positiver Tendenz: „Ich würde sagen, die Form wird besser. Die Saison war allerdings stark durch meinen Berufsalltag geprägt. Das Hauptproblem war, genug Zeit zum Trainieren zu finden“, meinte sie. Die optimale Verfassung hat sie zwar noch nicht erreicht, doch sie zeigt sich optimistisch und bewertet ihren Saisonstart angesichts der Umstände als durchaus gelungen. „Ich habe so viel Arbeit ins Training gesteckt wie eben möglich und hoffe deshalb, dass es ausreicht, um bei den World Games meine beste Leistung abzurufen“, so die beste luxemburgische Bogenschützin.
Das Ziel
Das große Ziel der Luxemburgerin ist es, ganz vorne mitzumischen. Vorrangig aber will sie konstant auf hohem Niveau performen und den Fokus ganz auf sich selbst richten. „Man hat gute und schlechte Tage. Mein Ziel ist es, meinen hohen Durchschnitt von 147 bis 148 Punkten zu halten. Wenn das reicht, wäre ich sehr glücklich. Wenn nicht, ist es trotzdem ein sehr gutes Ergebnis“, sagt die Bogenschützin. Was ihre Gegnerinnen an einem Wettkampftag leisten, liegt nicht in ihrer Hand. „Ich kann nicht beeinflussen, was die anderen schießen. Ich habe es schon erlebt, dass ich einen nationalen Rekord aufstelle und trotzdem verliere, weil meine Gegnerin ebenfalls einen schießt“, erklärt sie. Letztlich komme es also auch auf das nötige Quäntchen Glück an und darauf, das eigene Leistungspotenzial zum richtigen Zeitpunkt abrufen zu können. „Darauf baue ich. Denn genau das ist mir in den vergangenen Saisons und auch in dieser bereits gelungen.“
Die Vorbereitung
Als Nicht-Profi sei es schwer, sich perfekt auf ein solch großes Turnier vorzubereiten. „Die optimale Vorbereitung wäre, sechs bis acht Stunden am Tag zu trainieren. Aber das ist leider nicht möglich, da wir keine Profis sind“, kommentierte Klein-Shkolna. Dennoch bereitet sie sich bestmöglich unter den Bedingungen des Alltags vor. Dazu zählen ein „hoher Trainingsumfang, mentale Vorbereitung mit den LIHPS-Coaches (Institute for High Performance in Sports) und auch etwas Herz-Kreislauf-Training, um den Ruhepuls unter Anspannung möglichst niedrig zu halten.“
Erste Teilnahme schon 2017
Die World Games sind für sie kein Neuland. Bereits 2017 nahm Klein-Shkolna, damals 19 Jahre alt, an der Ausgabe in Breslau teil. Allerdings trat sie für das polnische Team an. „Ich war damals noch sehr jung und für mich war es ein riesiger Erfolg, unter den besten Bogenschützinnen der Welt dabei zu sein. Viele von ihnen habe ich bewundert“, erinnert sie sich. Der Auftritt hinterließ bleibende Eindrücke. „Ich war sehr, sehr glücklich, weil ich damals richtig gut gespielt habe. Ich hatte überhaupt keine Erwartungen, wollte einfach mein Bestes geben.“
Dass sie damals für Polen startete, lag an ihrer persönlichen Lebenssituation: „Ich bin in der Ukraine geboren. Als ich noch in der U18 war, fing ich ein Studium in Polen an. Polen hat mich damals rekrutiert, um für sie zu starten.“ Zu diesem Zeitpunkt steckte das Compound-Bogenschießen in Polen noch in den Kinderschuhen. Ihre sportliche Laufbahn in Polen konnte sie jedoch nicht fortsetzen: „Ein längerer Verbleib in Polen war nicht möglich. Gemeinsam mit meinem Ehemann, Pit Klein, der aus Luxemburg stammt, haben wir uns 2018 entschieden, gemeinsam hierhin zu ziehen.“ Seit 2020 ist sie Teil der COSL-Kader.
Steckbrief
Mariya Klein-Shkolna
Geboren am 28. Oktober 1997
Bogenart: Compound, Rechtshänderin
Pfeillänge: 26,5 Zoll (66 cm), Zuggewicht: 59 lbs (26,8 kg)
Weltrangliste: 26. Platz
Höchste Platzierung: 8. (5. Februar 2024)
Club: Bouschéisser Esch
Internationales Debüt: 2010
Trainer: Filippo Clini
Der Fahrplan
In Chengdu finden vom 7. bis zum 17. August die World Games statt. Die Veranstaltung, die nicht olympischen Sportarten vorbehalten ist, vereint rund 5.000 Athletinnen und Athleten. Mariya Klein-Shkolna wird Luxemburg im Compound Bogenschießen vertreten, Ankie Timmers am 17. August im Powerlifting.
Am Freitag um 7.30 Uhr: Bogenschießen: Qualifikation
Am Samstag ab 3.15 Uhr: erste und zweite Runde
Am Sonntag ab 4.00 Uhr: Finals