Radsport
Vollering und Pogacar fahren Solo zum EM-Erfolg
Am Wochenende fielen die letzten Entscheidungen bei der Rad-EM in Frankreich. Im Straßenrennen der Frauen war die Niederländerin Demi Vollering der Konkurrenz deutlich überlegen. Beim „Showdown“ der Männer hielt sich die Spannung ebenfalls in Grenzen, da der slowenische Überflieger Tadej Pogacar eine Dominanz erneut eindrucksvoll unter Beweis stellte. Mats Wenzel, der lange Zeit Teil der Spitzengruppe war, belohnte sich mit Platz 17. Das beste Ergebnis der FSCL-Selektion hatte Arno Wallenborn erreicht, der bei den Espoirs auf den ausgezeichneten 13. Platz gefahren war.
Durfte im Weltmeistertrikot seinen nächsten Titel bejubeln: Tadej Pogacar siegte bei der EM souverän Foto: AFP/Jeff Pachoud
Das Team Lëtzebuerg der U23 war sich bereits vor dem Start bewusst, dass eigentlich nur Wallenborn auf der hügeligen Strecke für eine vordere Platzierung infrage kam. Einer der ersten Angreifer des Tages war sein Mannschaftskollege Mil Morang. Der Gewinner des Bergtrikots der diesjährigen Luxemburg-Rundfahrt zeigte sich erneut in ausgezeichneter Verfassung und stand seinem Kapitän während zwei Drittel der Renndistanz zur Seite. Während Mats Berns, Alexandre Kess, Mathieu Kockelmann und Noé Ury vorzeitig ausgestiegen waren, erreichte Morang das Ziel nach 121,1 kräfteraubenden Kilometern als 49., mit einem Rückstand von 8:14, auf den neuen Europameister. Dieser kommt aus Belgien und heißt Jarno Widar. Der 19-Jährige hatte sich rund 20 km vor Schluss mit einem Dutzend Konkurrenten abgesetzt. Wallenborn befand sich in der zweiten Gruppe, die auf 40 Sekunden folgte. Widar konnte sich im letzten Anstieg des steilen Val d'Enfer von seinen Wegbegleitern absetzen und mit einem Vorsprung von 14 Sekunden auf den Franzosen Maxime Ducomble ins Ziel kommen. Die Bronze-Medaille ging an Hector Alvarez aus Spanien. Wallenborn, der seine Kräfte exzellent eingeteilt hatte, überquerte den Zielstrich als 13. lediglich eine Minute und fünf Sekunden hinter Widar.
Wallenborn überzeugt
Beim Damenrennen hatte Pauline Ferrand-Prévot, auf der die Hoffnungen des Gastgeberlandes ruhten, aufgrund einer Virusinfektion auf einen Start verzichten müssen. Damit ging Demi Vollering als Topfavoritin an den Start. Tatkräftig unterstützt von ihrem starken Team, war gegen die 28-jährige Niederländerin kein Kraut gewachsen. Als die Tour-Siegerin von 2023 knapp 29 km vor dem Ziel zur Solofahrt ansetzte, konnte ihr niemand folgen. Ihr Vorsprung auf die Polin Kasia Niewadoma und ihre Landsfrau Anna Van Der Breggen wuchs bis ins Ziel stetig an. Nach 116,1 km holte Vollering erstmals Gold im EM-Straßenrennen, mit einem Vorsprung von 1:18 auf Niewadoma und Van Der Breggen, die auf einen Sprint um Silber verzichtet hatte. „Ich bin sehr stolz, das Trikot für das Team geholt zu haben, denn wir sind das perfekte Rennen gefahren. Ich kann es kaum erwarten, es zu tragen“, freute sich die Nachfolgerin von Lorena Wiebes (NL). Es war der neunte Erfolg für die Niederländerinnen bei den zehn bisherigen EM-Auflagen. Kein Glück hatte Nina Berton, die einzige Luxemburgerin am Start. Die 24-Jährige war eine Runde vor Schluss aus dem Rennen genommen worden, obschon sie noch im Zeitlimit lag, um weiterzufahren.
Mit Demi Vollering freute sich die gesamte niederländische Mannschaft Foto: AFP/Jeff Pachoud
Bei den Männern trafen gestern mit Tadej Pogacar, Jonas Vingegaard und Remco Evenepoel drei der derzeit größten Radfahrer aufeinander, was eine Seltenheit bei Eintagesrennen ist. 108 km vor dem Ziel war klar, dass es nicht zu einem Dreikampf kommen würde. Vingegaard, der am 14. September bei der Spanien-Rundfahrt zum letzten Mal im Rennsattel saß, konnte dem Tempo der Verfolgergruppe mit sämtlichen Favoriten, in der Côte de Saint-Romain-de-Lerps, 108 km vor Schluss nicht folgen. Der Däne fuhr das EM-Rennen dann auch nicht zu Ende fahren. Ähnlich erging es Arthur Kluckers, der kurz nach Vingegaard lockerlassen musste. Als die Favoriten das Tempo weiter verschärften, konnte auch Kevin Geniets, wie eine Reihe von weiteren Fahrern, 90 km vor dem Ende, das Rad der EM-Favoriten nicht mehr halten.
Wenzel in Ausreißergruppe
Ausgezeichnet unterwegs war Mats Wenzel, der früh den Sprung in die Ausreißergruppe des Tages geschafft hatte. Diese konnte einen maximalen Vorsprung von zweieinhalb Minuten auf das Hauptfeld herausfahren. Als die Topfahrer dann zu Beginn der zweiten Rennhälfte Ernst machten, schrumpfte der Abstand schnell dahin. Eingangs der dritten Runde waren die letzten Ausreißer eingefangen.
Mats Wenzel (in Rot) kam nach einem starken Auftritt als 17. ins Ziel Foto: FSCL
Nach einer Solofahrt von 66 km bei der Weltmeisterschaft letzten Sonntag in Ruanda setzte der 27-Jährige gestern 75 km vor dem Ziel zum nächsten Solo an. Evenepoel konnte dem Slowenen wieder nicht auf Augenhöhe begegnen. Als der Vorsprung von Pogacar bei der drittletzten Passage des Val d’Enfer zu schmelzen schien, drehte der frisch gebackene Weltmeister noch einmal auf und fuhr mit einem konstanten Abstand von einer Minute auf Evenepoel auf die letzten Kilometer, um wenig später freudestrahlend seinen ersten EM-Titel abzuholen. Der enttäuschte Evenepoel musste sich erneut mit Rang zwei abfinden. Riesenjubel gab es hingegen beim erst 19-jährigen Franzosen Paul Seixas, der sich vor einem entfesselten Publikum Bronze sicherte. Nach einem starken Auftritt kam Mats Wenzel als 17. Ins Ziel, mit einem Abstand von 12:32 auf Pogacar.
Dieser freut sich bereits auf die nächsten kontinentalen Meisterschaften, die vergangenen Mittwoch an sein Heimatland vergeben worden waren.
Resultate
Straßenrennen der Elite-Herren (202,5 km): 1. Tadej Pagacar (SLO) in 4:59:29, 2. Remco Evenepoel (B) auf 0:31, 3. Paul Seixas (F) 3:41, 4. Christian Scaroni (I) 4:04, 5. Toms Skujins (LTV) 4:16, 6. Juan Ayuso (SP) 4:21, 7. Mattias Skjelmose (DK) 5:01, 8. Pavel Sivakov (F) 5:55, 9. Gianmarco Garofoli (I) 5:59, 10. Romain Gregoire (F) 6:52 … 17. Mats Wenzel (L) 12:32 … DNF Kevin Geniets, Arthur Kluckers (beide L)
Straßenrennen der Elite-Damen (116,1 km): 1. Demi Vollering (NL) in 2:57:53, 2. Kasia Niewadoma (POL) auf 1:18, 3. Anna Van Der Breggen (NL) 1:24, 4. Elise Chabbey (SUI), 5. Franziska Koch (D), 6. Juliette Labous (F), 7. Mavi Garcia (SP) alle 2:31, 8. Antonia Niedermaier (D) 3:08, 9. Cédrine Kerboal (F) 4:38, 10. Elisa Longo Borghini (I) 4:42 … DNF Nina Berton (L)
Straßenrennen der U23-Herren (121,1 km): 1. Jarno Widar (B) in 3:11:58, 2. Maxime Ducomble (F) auf 0:14, 3. Hector Alvarez (SP), 4. Simone Gualdi (I), 5. Senna Remijn (NL), 6. Victor Loulergue (F), 7. Jurgen Zomermaand (NL), 8. Lucas Lopes (P), 9. Max Bock (D) alle 0:46, 10. Lorenzo Finn 0:52 … 13. Arno Wallenborn (L) 1:05 … 49. Mil Morang (L) 8:14 … DNF Mats Berns, Alexandre Kess, Mathieu Kockelmann, Noé Ury