Aufstiegsheld Laurent jans
„So etwas erlebt man nur einmal im Leben“
21 Siege und zwei Monate vor Schluss bereits aufgestiegen. Der SK Beveren und Laurent Jans haben eine rekordverdächtige Saison hingelegt und durften am Sonntagabend die Früchte ihre Arbeit ernten. Im Gespräch mit dem Tageblatt kommt der Kapitän der Fußballnationalmannschaft auf berauschende Monate zurück.
Laurent Jans und seine Teamkollegen erlebten eine feuchtfröhliche Nacht Foto: IMAGO
Es ist 10.30 Uhr und ein Aufstiegsheld ist bereits wach. Die Pflicht ruft auch nach einer berauschenden Nacht. „Wenn ich keine Tochter hätte, würde ich wahrscheinlich jetzt noch schlafen“, meint Laurent Jans lachend.
Dass der SK Beveren acht Spieltage vor Schluss als Aufsteiger in die Jupiler League feststehen würde, damit hätte der Kapitän der luxemburgischen Nationalmannschaft vor ein paar Monaten nicht gerechnet. Am Sonntagabend wurde der Traum wahr – auch weil Beerschot noch einmal patzte (siehe unten stehenden Kasten). „Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann wir aufsteigen würden. Deshalb war die Feier wohl etwas weniger intensiv, als wenn man am letzten Spieltag aufsteigt. Trotzdem ist es ein phänomenales Gefühl, zu sehen, was wir in dieser Saison auf die Beine gestellt haben“, sagt der 33-Jährige.
Das ist pure Fußballromantik
Laurent Jans
Kapitän bei der FLF und Beveren
Mit seinen Mannschaftskollegen sah er sich die Partie der Konkurrenz auf dem Handy an. „Als das Resultat feststand, sind die Fans ausgerastet“, so Jans. Sie haben auch allen Grund dazu. Beveren holte am Sonntag seinen 21. Saisonsieg, ging nie als Verlierer vom Platz und ist zwei Monate vor Schluss uneinholbar für die Konkurrenz. „So eine Saison erlebt man nur einmal. Ich habe den jüngeren Spielern gesagt, dass ein Aufstieg in dieser Art und Weise absolut nicht selbstverständlich ist“, so Jans.
Für den Außenverteidiger war es der zweite Aufstieg in seiner Karriere. In der Saison 2018/19 kehrte er mit dem FC Metz in die Ligue 1 zurück, hatte aber keinen Stammplatz damals. Bei Beveren ist er Kapitän und stand in jeder Partie von Anfang an auf dem Platz. „Auch wenn die Saison mit Metz ein schönes Erlebnis war, ist es nicht mit diesem Jahr vergleichbar. Es ist ein ganz anderes Gefühl. Zu diesem Aufstieg habe ich mehr beigetragen. Ich habe hier vor mehr als zehn Jahren meine Profikarriere begonnen und habe dem Verein viel zu verdenken. Das ist pure Fußballromantik.“
Einen großen Anteil am Erfolg hat der niederländische Trainer Marink Reedijk, der im Sommer 2024 die Mannschaft übernahm, als auch Jans nach Beveren zurückkehrte. Kurioserweise ist er genauso alt wie sein luxemburgischer Kapitän. „Er ist jung, dynamisch und hat eine klare Idee. Hinter dieser Idee steht die Mannschaft. Auch deshalb sind wir in den entscheidenden Moment ruhig geblieben und haben Spiele nach Rückstand gewonnen.“
Jans hebt auch den Mannschaftsgeist hervor, der beim frisch gebackenen Aufsteiger herrscht: „Jeder gönnt jedem den Erfolg. Viele Partien wurden durch Einwechselspieler entschieden. Im Training herrscht immer eine hohe Intensität. Man hat gespürt, dass jeder Lust hat, Gas zu geben.“
Vertragsverlängerung in Sicht
Jans, der als Kapitän wegen des großen Erfolges diesmal weniger Alltagsprobleme zu regeln hatte, erinnert sich an einen Schlüsselmoment in der Saison. „Im November haben wir den Sieg gegen Lommel nach einer 2:0-Führung noch hergegeben (2:2). Man hatte an diesem Tag das Gefühl, dass wir die Partie etwas zu locker angegangen sind. Danach haben wir sofort eine Art Krisensitzung einberufen, um dieses Problem anzusprechen.“ Danach folgten bis zu diesem Sonntag zehn Siege in Folge.
Für Jans war die Saison auch eine Art Frischzellenkur. In den vergangenen Jahren musste sich der 33-Jährige vor allem mit Abstiegssorgen oder mit Mittelmaß beschäftigen. „Ich will nicht sagen, dass ich eine solche Saison gebraucht habe, da ich immer sehr motiviert bin. Aber es gibt einem schon Extra-Energie. Diese Saison hat noch einmal gezeigt, dass ich mithalten kann, und das tut gut.“
Jans kehrt also mit Beveren in die Jupiler League zurück. Dort, wo 2015 alles anfing, als er von Fola Esch nach Ostflandern wechselte. Der Rechtsverteidiger kann sich vorstellen, seine Karriere bei seinem Herzensklub zu beenden. Damit dies geschieht, muss aber zunächst sein auslaufender Vertrag verlängert werden. „Es gab Gespräche, aber dieses Thema wird in den nächsten Tagen und Wochen konkreter werden. Mit bald 34 Jahren kann ich es mir sehr gut vorstellen, meine Karriere hier zu beenden. Beveren hat einen besonderen Platz in meinem Herzen, wahrscheinlich sogar den größten Platz.“
Und vielleicht kann Jans es sogar seinem Nationalmannschaftskollegen Anthony Moris gleichmachen. Der Torwart stieg 2022 mit der Union Saint-Gilloise in die Jupiler League auf und spielte ein Jahr später in der Champions League. Beveren bastelt an seiner eigenen Geschichte, wird aber mit Sicherheit auch in der ersten belgischen Liga kein normaler Underdog sein.
Eine spezielle Regel
Mit Blick auf die Tabelle der Proximus League fragen sich wahrscheinlich viele Fußballinteressierte, wie der Aufstieg des SK Beveren bereits jetzt feststehen kann. Der Verein von Laurent Jans hat nämlich „nur“ 21 Punkte Vorsprung auf die Dritt- und Viertplatzierten Lommel und Beerschot. Offiziell wäre der Aufstieg in anderen Ländern noch nicht besiegelt. In Belgien herrschen jedoch andere Regeln. Bei Punktgleichheit zählt nämlich die Anzahl der gewonnenen Spiele und nicht die Tordifferenz. Mit 21 Saisonsiegen ist Beveren uneinholbar für Lommel und Beerschot und ist deshalb vorzeitig in die Jupiler League aufgestiegen. (del)
In Zahlen
Die Saison von Laurent Jans:
24 Spiele in der Proximus League
2 Vorlagen
3 Gelbe Karten
2.101 von 2.160 möglichen Minuten