Enovos League
„Road to the finals“: Die vier Halbfinalisten im Vergleich
Der Titelkampf in der Enovos League geht langsam, aber sicher in die heiße Phase. Zum Auftakt der Halbfinalserie nimmt das Tageblatt die vier verbleibenden Mannschaften unter die Lupe.
Dreimal setzten sich „Fritz“ Gutenkauf und Ettelbrück in dieser Saison gegen Steinsel durch Foto: Editpress/Fernand Konnen
Etzella Ettelbrück (1) - Amicale Steinsel (4)
Aktuelle Situation: Eines steht schon jetzt fest: Es wird ein anderes Endspiel geben als in den vergangenen beiden Jahren, in denen Ettelbrück und Steinsel die Meisterschaft unter sich ausmachten. Für beide Teams stand in dieser Saison bereits im Viertelfinale eine Extra-Runde auf dem Programm, denn beide mussten über ein Entscheidungsspiel gehen, um sich den Platz im Halbfinale zu sichern. Weniger überraschend war dies bei der Amicale, die mit Basket Esch einen Gegner mit eigenen Finalambitionen niederrang. Dass Meister Ettelbrück gegen Außenseiter Kordall eine dritte Partie benötigen würde, hatte hingegen kaum jemand erwartet.
Bisherige Duelle: Dreimal trafen die beiden Kontrahenten in dieser Saison bislang aufeinander – dreimal setzte sich die Etzella durch. Am engsten ging es im Pokalhalbfinale im Januar zu, als sich beide Mannschaften einen intensiven Fight lieferten und sich Gutenkauf und Co. am Ende mit 89:81 behaupteten. Schlechte Erinnerungen dürften die Steinseler hingegen an das bislang letzte Gastspiel in Ettelbrück haben: Mitte März kassierten sie dort eine deutliche 69:116-Pleite, bei der sie in der ersten Halbzeit lediglich 30 Punkte erzielten. Zudem musste Trainer Brandão nach einem disqualifizierenden Foul frühzeitig die Halle verlassen.
Etzella: 22 Dreier erzielte Ettelbrück in der bislang letzten Partie im März gegen seinen Halbfinalgegner – eine beeindruckende Zahl, die die große Stärke des Titelverteidigers in dieser Saison unterstreicht. Ein Schnitt von zwölf verwandelten Distanzwürfen pro Spiel bei einer Quote von 40 Prozent ist Ligaspitze. Philippe Gutenkauf ist mit durchschnittlich 6,6 Assists pro Partie zudem der beste Passgeber der Enovos League. Kein Wunder also, dass die Nordmannschaft in der regulären Saison im Schnitt 94 Punkte erzielte und gleich achtmal die Hundert-Punkte-Marke knackte. Auch die Heimstärke spricht für die Etzella: In dieser Saison setzte es vor eigenem Publikum nur eine einzige Niederlage. Allerdings leistete sich das Team auch Ausrutscher gegen Underdogs – vor allem Partien unter der Woche liegen den Ettelbrückern fast schon traditionell weniger, wie das Viertelfinale bei den Steelers zeigte.
Steinsel: Gelingt es der Amicale wie im entscheidenden Viertelfinalspiel gegen Esch, ihr kollektives Spiel durchzubringen, ist sie nicht zu unterschätzen – auch wenn die Saison bislang von Höhen und Tiefen geprägt war. Gerade Rotationsspieler wie Ivor Kuresevic, der mit sieben Rebounds überzeugte und wichtige Freiwürfe verwandelte, sowie Youngster Sean Bugeja, der zuletzt mit entscheidenden Punkten auf sich aufmerksam machte, können den Unterschied machen. Auch wenn der offensive Motor gelegentlich ins Stocken gerät, ist Steinsel in der Lage, Spiele über die Defensive zu entscheiden. Im Viertelfinale gelang es etwa, Clancy Rugg zum entscheidenden Zeitpunkt aus dem Spiel zu nehmen – ein Kunststück, das längst nicht jedem gelingt. Spannend wird zudem sein, ob die Nachricht, dass Trainer Brandão nach drei Saisons aufhören wird, dem Team noch einmal zusätzliche Energie verleiht.
Sparta Bartringen (2) - T71 Düdelingen (6)
Im letzten Spiel der regulären Saison konnten Davide Grün und der T71 die Sparta um Philippe Arendt schlagen Foto: Editpress/Luis Mangorrinha
Aktuelle Situation: Kaum jemand hätte darauf gewettet, dass Düdelingen als einzige Mannschaft ihr Ticket für die Runde der besten vier bereits nach zwei Spielen lösen würde. Doch genau das gelang dem verletzungsgebeutelten Team, das in den Play-offs ohne Center Joe Kalmes auskommen muss, gegen den favorisierten Gegner aus Fels. So genossen Jack und Co. einen spielfreien Spieltag – eine Pause, die sie gut gebrauchen konnten. Bartringen hingegen hat sein Viertelfinal-Trauma – die hochgelobte Generation hatte es bislang nie unter die letzten vier geschafft – endlich überwunden. Dabei kämpften sich Verbeelen und Co. nach der Auftaktniederlage gegen Walferdingen eindrucksvoll in die Serie zurück.
Bisherige Duelle: Die Bilanz zwischen beiden Klubs ist ausgeglichen. Das Hinspiel der regulären Saison entschied die Sparta knapp mit 81:77 für sich. Damals lag der T71 lange in Führung, ehe Bartringen die Partie im letzten Viertel noch drehte. Das Rückspiel, mit dem die erste Saisonphase abgeschlossen wurde, gewann der T71 hingegen mit 77:69 und ist seither ungeschlagen. Durch diese Niederlage musste die Sparta die Tabellenführung am letzten Spieltag noch an Ettelbrück abgeben.
Sparta: Lange stand die Sparta an der Tabellenspitze, musste die Etzella am letzten Spieltag jedoch noch vorbeiziehen lassen. In einer starken Qualifikation überzeugte Bartringen vor allem durch seine Defensive: Mit einem Schnitt von 74,7 zugelassenen Punkten stellte man die beste Abwehr der Liga. Eine herausragende Saison spielte insbesondere Max Logelin, der zum JICL-MVP gewählt wurde und hinter Philippe Gutenkauf der zweitbeste luxemburgische Scorer der Liga ist (16,1 Punkte im Schnitt). Die Bartringer haben nicht nur durch den titelerfahrenen Jarvis Williams an wichtiger Erfahrung gewonnen, auch die eigene Generation wirkt inzwischen deutlich abgeklärter. So war es Yannick Verbeelen, der seine Mannschaft im zweiten Viertelfinalspiel gegen Walferdingen wachrüttelte und zurück ins Spiel brachte. Der Einzug in die Runde der besten vier dürfte für spürbare Erleichterung gesorgt haben – möglicherweise ist damit auch der Knoten, vor allem mental, endgültig geplatzt.
T71: Die Saison der Düdelinger glich bislang einer Achterbahnfahrt: Trainerwechsel, anhaltende Verletzungsprobleme und Neuzugänge, die sich zunächst schwertaten. Kapitän Jack und seine Teamkollegen fanden nie wirklich einen konstanten Rhythmus. Umso überraschender kam der deutliche Sieg im Viertelfinale, in dem das Team mit großer Leidenschaft und Kampfgeist auftrat und sich den Einzug ins Halbfinale sicherte. Dass auch ein „Oldie“ noch eine entscheidende Rolle spielen kann, bewies dabei Nelly Stephens. Selbst mit inzwischen 40 Jahren macht ihm im Rebound längst nicht jeder etwas vor – im ersten Duell gegen Fels kam er so auf beeindruckende zwölf Rebounds. Neben Jimmie Taylor scheint inzwischen auch Ivan Delgado seine Rolle gefunden zu haben. Und dass der T71 von der Dreierlinie brandgefährlich sein kann, muss ohnehin niemandem mehr erklärt werden.
Enovos League Herren
Play-off-Halbfinale („best of three“):
1. Spiel, am Samstag:
20.30: Bartringen - Düdelingen
Am Sonntag:
17.30: Ettelbrück - Steinsel
2. Spiel, Mittwoch, 29. April:
19.30: Düdelingen - Bartringen
Donnerstag, 30. April:
20.00: Steinsel - Ettelbrück
3. Spiel (falls nötig):
Samstag, 2. Mai:
20.30: Bartringen - Düdelingen
Sonntag, 3. Mai:
17.30: Ettelbrück - Steinsel
Damen: Zweiter Finalist gesucht
Bei den Damen steht am Samstag das entscheidende Halbfinalspiel zwischen der Sparta und Contern auf dem Programm. Der Sieger wird im Finale auf den T71 Düdelingen treffen, der mit einem klaren 2:0 gegen Esch sein Endspielticket schon sicher hat.
Enovos League Damen
Play-off-Halbfinale („best of three“):
1. Spiel:
Düdelingen - Esch 79:72
Bartringen - Contern 75:82
2. Spiel:
Contern - Bartringen 61:74
Esch - Düdelingen 61:86
3. Spiel, am Samstag:
18.30: Bartringen - Contern
Mamer verstärkt sich
Im Abstiegskampf erhält Mamer Verstärkung, denn einige bekannte Gesichter werden für die restlichen vier Partien im Play-down zum Team von Trainer Ristic zurückkehren. Einerseits dessen Sohn Aleksa, der noch in der letzten Saison für Mamer auflief, aufgrund seiner Studien dann jedoch in diesem Jahr nicht mehr im Kader stand. Nach dem Saisonende in der spanischen Tercera FEB ist auch Nationalspieler Davy Rocha wieder in Luxemburg und wird seinem ehemaligen Klub aushelfen. Von der Uni kehrt schließlich Matteo Micelli zurück. Für den verletzten Spielmacher Raphaël Muth ist die Saison derweil beendet. (J.Z.)