Handball
Rajko Milosevic: Seit 10 Jahren Escher
Erst Torhüter, dann Torwarttrainer und mittlerweile Chefcoach: Vor zehn Jahren begann die Reise von Rajko Milosevic beim HB Esch.
Rajko Milosevic ist seit 2024 Cheftrainer des HB Esch Foto: Editpress/Fernand Konnen
Rajko Milosevic kann sich noch ganz genau an den 15. August 2015 erinnern. Es war sein erster Arbeitstag beim HB Esch. Damals stieß der heute 44-Jährige als Profi-Torhüter zur Mannschaft. „Es war am Anfang ein kleiner Schock“, erinnert er sich. „Ich war alleine im Tor und der Kader insgesamt sehr klein. Josip Ilic und ich waren die beiden einzigen Profis. Es war aber eine richtig gute Truppe.“
Trainer der Mannschaft war damals der Deutsche Holger Schneider. Sportlich verlief die Saison durchwachsen, Esch spielte in der Qualifikationsrunde im Rahmen seiner Möglichkeiten. „Wir haben danach aber ein super Play-off gespielt und sogar zweimal gegen die Red Boys gewonnen, die am Ende Meister wurden“, erzählt Milosevic. Esch selbst belegte in der Saison Platz drei: „Danach begann unsere goldene Zeit.“
Der Verein verstärkte den Kader mit erfahrenen Spielern wie Alexandros Vasilakis, Mario Jelinic und Rückkehrer Martin Muller. Gleichzeitig bildete die Mannschaft der Vorsaison ein stabiles Fundament. Der sportliche Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Zwischen 2016 und 2019 feierte Esch zwei Meistertitel und zwei Pokalsiege.
Nach diesen Erfolgen entschloss sich Milosevic, seine aktive Karriere zu beenden. Der Verein hielt ihn jedoch weiter an Bord: als Torwarttrainer und Jugendcoach. 2024 wurde Milosevic dann zum Cheftrainer der ersten Herren-Mannschaft ernannt. „Dass ich jetzt noch da bin, ist nicht geschenkt“, sagt er. „Ich habe immer 100 Prozent gegeben und bin 24 Stunden am Tag für mein Team da. Gleichzeitig bin ich sehr dankbar, dass meine Arbeit im Verein immer geschätzt wurde und ich diese Chance bekam.“ Neben seiner Arbeit in Esch ist Milosevic inzwischen auch Torwarttrainer der luxemburgischen Nationalmannschaft. „Das kam alles Schritt für Schritt“, sagt er.
In schwierigen Zeiten das Beste herausholen
Dass er zehn Jahre nach seinem Wechsel noch immer in Luxemburg leben würde, konnte er sich 2015 kaum vorstellen. Seine Karriere führte ihn zuvor von Serbien durch Griechenland, Dänemark, Italien, Israel, Deutschland und Österreich. Nach Esch kam er 2015 vom SC Ferlach aus der zweiten österreichischen Liga. „Mein Agent sagte damals, dass es eine Option gäbe, nach Luxemburg zu wechseln“, erinnert sich Milosevic, der auch mit der Aussicht, im Europapokal zu spielen, zusagte. „Mein Agent meinte, dass ich mit meiner Mentalität, immer 100 Prozent zu geben, in Luxemburg mein restliches Leben bleiben würde. Mittlerweile brauche ich keinen Agenten mehr, ich bin aber immer noch mit ihm befreundet. Jedes Mal, wenn wir sprechen, erinnere ich ihn daran: Ich habe nicht vergessen, was du damals gesagt hast.“
Jede Mannschaft hat ein bisschen Angst, gegen uns zu spielen
Rajko Milosevic
Wie 2015, als Milosevic in Esch anfing, hat die Herren-Mannschaft auch heute wieder einen überschaubaren Kader. Profispieler gibt es gar keine mehr. „Ich versuche, dem Verein in einer schwierigen Zeit zu guten Ergebnissen zu verhelfen“, sagt Milosevic. Wie auch vor zehn Jahren versucht man, das Beste aus der Situation zu machen, „in jedem Spiel 100 Prozent zu geben“ und die Favoriten zu ärgern. Das gelang bereits mit einem 30:29-Sieg gegen den HBD vor zwei Wochen. Auch den HC Berchem stellten die Escher am Wochenende vor große Probleme.
„Obwohl wir keinen großen Kader haben, hat wieder jede Mannschaft ein bisschen Angst, gegen uns zu spielen“, sagt Milosevic. „Es spielt sich vieles im Kopf ab. Es gibt im Moment viele Herausforderungen – aber wenn wir im Kopf stark sind, ist vieles möglich. Wir haben viele Verletzungsprobleme, die nicht auf schlechtes Training, sondern vor allem auf Pech zurückzuführen sind. Dazu haben wir wegen Arbeit oder Schule maximal an einem Tag in der Woche die ganze Mannschaft im Training zusammen. Wir versuchen, das Beste daraus zu machen und auch mit jungen Spielern zu arbeiten. Aber sie müssen Schritt für Schritt herangeführt werden. Wir haben viel Potenzial, aber wir brauchen Zeit.“
Rajko Milosevic kam 2015 zum HB Esch Foto: Editpress/Julien Garroy