Radsport

Nach der WM ist vor der EM: Evenepoel kann sich in Frankreich an Pogacar revanchieren

Kaum sind die Weltmeisterschaften in Kigali beendet, geht es für die Stars des Radsports ab Mittwoch mit den Europameisterschaften in Frankreich weiter. Dort wird erneut ein hochkarätiges Feld am Start stehen – mit Pauline Ferrand-Prévot, Tadej Pogacar, Remco Evenepoel und auch Jonas Vingegaard.

Remco Evenepoel startet sowohl im EM-Zeitfahren als auch beim EM-Straßenrennen

Remco Evenepoel startet sowohl im EM-Zeitfahren als auch beim EM-Straßenrennen Foto: Anne-Christine Poujoulat/AFP

Keine Verschnaufpause für die Champions: Nur drei Tage nach seiner Silbermedaille im Straßenrennen in Ruanda wird Remco Evenepoel am Mittwoch versuchen, seinen zweiten Europameistertitel im Zeitfahren zu holen – jenem Wettbewerb, der die Titelkämpfe in der Drôme-Ardèche eröffnet. Pogacar, der sich am Sonntag in Kigali zum Weltmeister krönte, und Vingegaard, jüngst Sieger der Vuelta, greifen erst am Sonntag im Straßenrennen ins Geschehen ein – der Königsdisziplin.

Normalerweise gehören die Europameisterschaften nicht zu den wichtigsten Terminen im Radsportkalender, doch in diesem Jahr haben sich die Umstände so gefügt, dass ein außergewöhnlich starkes Teilnehmerfeld zustande kommt. Die zeitliche Nähe zu den Weltmeisterschaften – auch wenn sie für die Fahrer eine große logistische Herausforderung bedeutet und bei den Verbänden Unmut auslöst – sowie der anspruchsvolle Kurs erklären die Teilnahme vieler Topstars.

Die meisten Sprinter fehlen, ebenso wie Mathieu van der Poel und Wout van Aert. Doch die besten Fahrer der Tour de France sind dabei. Pogacar, der Ruanda bereits am Sonntagabend verlassen hat, gilt erneut als Topfavorit. Das 202 Kilometer lange Profil für Bergfahrer und Puncheure enthält einen kompakten Querschnitt der traditionellen Boucles Drôme-Ardèche – mit dem berüchtigten „Val d’Enfer“.

Das Abenteuer Evenepoel

Für den Slowenen wird es zudem das erste Wiedersehen seit der Tour de France mit Jonas Vingegaard, der die WM ausgelassen, aber die Europameisterschaften in Frankreich bewusst gewählt hat – eine durchaus überraschende Entscheidung. Auch Evenepoel ist dabei und steht schon am Mittwoch beim Zeitfahren am Start – eine echte Kraftprobe.

Denn der Belgier verließ Ruanda erst Montagabend, reiste mit einem Zwischenstopp in Äthiopien nach Marseille und legte am Dienstagmorgen noch zwei Stunden Fahrt nach Privas zurück. Er kam zwar problemlos an und stieg sofort für eine kleine Streckenbesichtigung aufs Rad, dennoch war es eine beschwerliche Anreise – während Konkurrenten wie Filippo Ganna oder Josh Tarling auf die WM verzichtet haben und frisch an den Start gehen.

Doch Evenepoel zeigt sich hoch motiviert, nach 2019 seinen zweiten EM-Titel zu holen. „Das ist wirklich ein großes Ziel“, betont er. Auch wenn er das Trikot des Europameisters kommende Saison im Rennen nicht tragen würde – denn er hat bereits das Regenbogentrikot des Weltmeisters, das ungleich prestigeträchtiger ist.

Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen

So attraktiv das Teilnehmerfeld auch ist – die Europameisterschaften finden in einem angespannten Umfeld statt: nur wenige Wochen nach den pro-palästinensischen Protesten, die den Abschluss der Vuelta verhindert hatten. Die israelische Nationalmannschaft hat die Teilnahme von 13 Fahrern angekündigt – allesamt Männer (3 Junioren, 9 U23-Fahrer und 1 Elitefahrer). Keiner von ihnen wird im Zeitfahren starten.

Die Präfekturen der Drôme und der Ardèche haben ein verstärktes Sicherheitskonzept angekündigt: 400 Einsatzkräfte sollen täglich vor Ort sein. Doch das reicht nicht aus, um die Sorgen der Organisatoren zu zerstreuen. Straßenradrennen bleiben eine besonders verwundbare und inzwischen klar identifizierte Zielscheibe. (AFP)

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