Champions League

Nach Rassismus-Eklat: Benficas Prestianni reist trotz Sperre nach Madrid

Der Rassismus-Eklat um Gianluca Prestianni bleibt vor dem Rückspiel zwischen Real Madrid und Benfica Lissabon im Fokus – auch, weil Prestianni trotz Sperre mit nach Madrid reist. Rein sportlich betrachtet wird Leandro Barreiro versuchen, als erster Luxemburger ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen.

Fußballspiel unterbrochen nach Zwischenfall zwischen Gianluca Prestianni und Real-Star Vinícius im Hinspiel

Nach dem Vorfall um Gianluca Prestianni und Real-Star Vinícius wurde das Hinspiel vor einer Woche für rund zehn Minuten unterbrochen Foto: dpa/Miguel Lemos

„Gianluca Prestianni wird mit Benfica nach Madrid reisen.“ Die Schlagzeile der portugiesischen Sportzeitung A Bola, die sich vor gut einer Woche noch wie eine Randnotiz für absolute Fußballpuristen gelesen hätte, sorgt vor dem Champions-League-Rückspiel bei Real Madrid am Mittwochabend (21 Uhr) für reichlich Wirbel. Der Rassismus-Eklat um den jungen Argentinier ist weiter omnipräsent – und längst zu einem Fall mit gesellschaftlicher Tragweite geworden. Die UEFA ist als Richter gefordert.

Prestianni soll Real-Star Vinícius nach dessen Traumtor im Hinspiel (0:1) und anschließendem Jubel rassistisch beleidigt haben. Am Montag verhängte die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer der Europäischen Fußball-Union gegen den 20-Jährigen daher zunächst eine „vorläufige“ Sperre für das Rückspiel in den Play-offs. Grundlage dafür ist laut UEFA ein „Zwischenbericht“.

Prestianni bestreitet Vorwürfe

Benfica legte Berufung ein und nimmt Prestianni mit nach Madrid, „auch wenn die betreffenden Fristen voraussichtlich keine praktischen Auswirkungen auf das Rückspiel haben werden“, teilte der Klub mit. Einen erneuten Einsatz Prestiannis gegen Real wird es wohl kaum geben, aber: Benfica sendete damit ein klares Zeichen der Solidarität mit seinem Spieler, der sich am Dienstag gemeinsam mit der Mannschaft auf den Weg in die spanische Hauptstadt machte.

Zugleich bekräftigte der Klub „sein unerschütterliches Engagement im Kampf gegen alle Formen von Rassismus und Diskriminierung“. Das spiegele sich unter anderem in Klub-Legende Eusébio wider. Ein Argumentationsmuster, das schon Trainer José Mourinho unmittelbar nach Spielende genutzt hatte – und das Bayern-Coach Vincent Kompany in seinem denkwürdigen Zwölf-Minuten-Plädoyer tags darauf scharf verurteilte.

Prestianni selbst streitet die schwerwiegenden Vorwürfe ab. „Ich war niemals gegenüber irgendjemandem rassistisch“, schrieb er bei Instagram. Laut einem ESPN-Bericht soll er vor der UEFA ausgesagt haben, Vinícius mit dem spanischen Schimpfwort „maricón“ (dt: Schwuchtel) beleidigt zu haben, nicht mit „mono“ (dt: „Affe“). Unschuld sähe auch in diesem Fall anders aus.

Vinícius: „Rassisten sind Feiglinge“

Welche Strafe Prestianni über das vorläufige Urteil hinaus drohen könnte, ist unklar. Die am Montag ausgesprochene Sperre ergehe „unbeschadet jeglicher Entscheidung, die die Disziplinargremien der UEFA im Anschluss an den Abschluss der laufenden Untersuchung treffen könnten“, teilte die UEFA mit. Vinícius traf sein eigenes Urteil: „Rassisten sind vor allem Feiglinge. Sie müssen sich das Hemd über den Mund ziehen, um zu zeigen, wie schwach sie sind.“

Und sportlich? Reist Benfica mit dem luxemburgischen Nationalspieler Leandro Barreiro nach dem 0:1 im Hinspiel als Außenseiter ins Estadio Santiago Bernabéu. „The Special One“ Mourinho wird das Wiedersehen mit Real seinerseits wegen einer Gelb-Roten-Karte verpassen, auch den Medienaktivitäten im Vorfeld der Partie blieb er infolge der Sperre fern. Vinícius kann das Duell derweil kaum abwarten. „Bernabéu. Wir sehen uns dort“, hatte er schon letzte Woche auf Instagram gepostet. Barreiro könnte Historisches schaffen und als erster Luxemburger ins Achtelfinale der Champions League einziehen. (SID, Red.)

1 Kommentare
CG 25.02.202611:15 Uhr

Sollte sich herausstellen dass Vinicius von Prestianni beleidigt wurde, ist die Strafe gerechtfertigt. Allerdings ist Vinicius beileibe kein Unschuldslamm, der immer wieder durch seine provokante Spielweise und sein theatralisches Hinfallen bei der geringsten Berührung auffällt.

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