Der Politflüsterer

Wenn Leises laut und Buntes zum Ärgernis wird

Paulette Lenert geht, Ben Streff wird Abgeordneter, bunte Streifen als Ärgernis und hehre Ziele mit Beigeschmack: der Wochenrückblick des Politflüsterers, non troppo allegro.

Kopfschütteln beim Politflüsterer über die Reaktionen auf den Regenbogen-Streifen in Niederanven

Kopfschütteln beim Politflüsterer über die Reaktionen auf den Regenbogen-Streifen in Niederanven Foto: Editpress/Julien Garroy

Hart ist die Oppositionsbank. Für Paulette Lenert offenbar auch ein wenig zu unbequem. Vielleicht auch schlicht zu „peu“? Die Chamber wirkt plötzlich wie eine Zwischenstation, der Staatsrat wie die bequemere Loge. Ihr Wunsch dürfte sich erfüllen.

Ben Streff, Zweitgewählter im Ostbezirk, rückt nach. Ausgerechnet er. Der Mann, der noch vor Kurzem als Parteimanager den eigenen Leuten öffentlich bescheinigte, sie seien zu unsichtbar. Jetzt sitzt er bald mittendrin in der LSAP-Fraktion, bei genau jenen Kollegen, denen er den Spiegel vorhielt. Erst austeilen, dann zusammenarbeiten, das hat etwas von politischem Selbstversuch. Man wird sehen, wie laut es wird, wenn der Kritiker plötzlich Teil des Chors ist.

Kopfschütteln beim Politflüsterer über die Reaktionen auf den Regenbogen-Streifen in Niederanven. Ein paar Farben auf Asphalt und schon wird daraus ein Kulturkampf. Wer sich daran stört, könnte einfach weiterfahren. Oder kurz wegsehen. Aber nein: Es wird empört geschaut, kommentiert. Als hätte der Zebrastreifen persönlich angegriffen.

Ähnlich beim Flüchtlingsheim in Rodange. Menschen brauchen ein Dach über dem Kopf und andere sehen darin vor allem ein Problem. „Luxemburger zuerst.“ Der Satz steht schnell im Raum.

Ein bunter Strauß an Themen nährt die Diskussion: Tierschutz, Sprache, Wohnen. Und in den Kommentarspalten? Erstaunlich oft derselbe Ton. Da braucht es keinen KI-Roboter, um zu erkennen, wo der Schuh drückt. Man muss das nicht teilen. Aber man sollte genau hinhören.

Denn vieles kommt als hehre Absicht daher und kippt schnell. Dahinter schimmert mitunter etwas anderes: das Spiel mit Ressentiments, das leise Ziehen von Grenzen.

Ein Vertreter dieser Bewegung ist weg: Orbán. Und die Rechte gleich mit? Keineswegs. Wer jetzt schon jubelt, schaut nicht genau hin. Ein Blick auf die Zahlen der Alternative für Deutschland reicht.

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

Doch das Dunkle der Geschichte kommt nicht mit Getöse zurück. Es schlummert. Und wenn es wieder auftaucht, gibt es sich anders. Es tut so, als wolle es Ordnung schaffen. Als wäre es auf einmal die Stimme des gesunden Menschenverstands. Genau das macht es so gefährlich. Man erkennt die alten Muster nicht sofort. Oder will sie nicht erkennen.

Es beginnt mit Worten, mit Stimmungen, mit einem Ton, der kippt. Leise zuerst. Beiläufig. Und dann schlägt es um. Nicht plötzlich. Aber spürbar. Und dann ist es wieder da, nicht eins zu eins, aber mit ähnlicher Wucht. Vielleicht sogar schlimmer, denkt der Politflüsterer.

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