Leserforum
Ist Frankreich jetzt endgültig unregierbar?
Der Rücktritt des französischen Premierministers Sébastien Lecornu nach nur 27 Tagen im Amt ist ein deutliches Symptom der tiefen Krise der Fünften Republik. Nach einer missglückten Regierungsbildung hat Frankreich die kürzeste Regierungsperiode seiner Geschichte erlebt. Ein Land, das einst für staatliche Stabilität und politische Größe stand, taumelt heute von einer Regierungskrise in die nächste. Fünf Premierminister in weniger als zwei Jahren – das hat es in der Geschichte der Republik noch nie gegeben. Der 39-Jährige versuchte das Unmögliche: ein Land zu regieren, dessen „Drahtzieher“, Präsident Macron, über keine parlamentarische Mehrheit mehr verfügt und dessen Parteienlandschaft in drei unversöhnliche Lager zerfallen ist. Doch kaum hatte Lecornu sein Kabinett vorgestellt, zerbrach die fragile Balance. Die Linke sah in der neuen Regierung nichts weiter als einen Erfüllungsgehilfen Macrons, während die Rechtspopulisten lautstark Neuwahlen forderten. Lecornu selbst sprach von einer „Blockadehaltung“ aller Parteien – und traf damit den Nagel auf den Kopf.