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Das tödliche Versagen eines Systems

Das tödliche Versagen eines Systems

Frankreich trauert um die elfjährige Lyhanna. Eine Woche nach dem Fund ihrer Leiche wurde sie im südwestfranzösischen Fleurance beigesetzt. Zurück bleiben Fassungslosigkeit und Wut sowie die drängende Frage: Wie konnte es so weit kommen? Ein 41-jähriger Mann gab an, das Mädchen in seinem Auto mitgenommen und zum Schwimmbad gefahren zu haben, wo sie ausgestiegen sei. Lyhanna kannte ihn, da er der Vater einer Schulfreundin ist. Doch der mutmaßliche Täter war den Behörden bereits bekannt. Bereits 2017 gab es Anzeigen wegen sexueller Gewalt gegen Minderjährige, 2022 folgte eine weitere Anzeige wegen Vergewaltigung, die durch ein medizinisches Gutachten gestützt wurde. Trotzdem blieb der Mann unbehelligt – ohne Vorladung, ohne Konsequenzen.

Dieses Versagen ist nicht nur unverständlich, sondern auch inakzeptabel. Verfahren verliefen im Sande, Zuständigkeiten wurden weitergereicht und Warnsignale ignoriert. Der Fall ist kein tragischer Einzelfall, sondern ein Symptom des überlasteten Systems. Die rund 60.000 unbearbeiteten Fälle sprechen eine deutliche Sprache. Wie viele Täter konnten in dieser Zeit unbehelligt bleiben? Justizminister Gérald Darmanin spricht von einem „Versagen“, bittet um Entschuldigung, weist jedoch persönliche Verantwortung von sich. Doch was wiegt eine Entschuldigung angesichts eines verlorenen Kinderlebens? Überlastete Gerichte, Personalmangel und steigende Fallzahlen sind Realität. All das darf jedoch keine Rechtfertigung dafür sein, dass schwerwiegende Vorwürfe gegen Sexualstraftäter wiederholt unbeachtet bleiben.

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