Weinbau
Zwei bedeutende Organisationen der Luxemburger Mosel feiern ihr 60-jähriges Bestehen
Zwei bedeutende Organisationen der Luxemburger Mosel feiern im Jahr 2026 ihr 60-jähriges Bestehen: die Privatwënzer asbl. und die Genossenschaft Domaines Vinsmoselle. Beide wurden 1966 gegründet – allerdings aus unterschiedlichen Beweggründen.
Winzer sein bedeutet arbeiten im Einklang mit der Natur Foto: L’essentiel/Vincent Lescaut
Die Privatwënzer entstanden aus dem Bedürfnis heraus, die Interessen der selbstvermarktenden Winzer besser zu vertreten. Da diese zuvor in keinem Verband organisiert waren, war ihre Position vergleichsweise schwach. Um insbesondere bei agrarpolitischen Entscheidungen mit einer gemeinsamen Stimme auftreten zu können, schlossen sie sich in einer einheitlichen Struktur zusammen, wie Erny Schumacher, Ehrenpräsident der Privatwënzer asbl. gegenüber dem Tageblatt berichtet.
Die Gründung der Domaines Vinsmoselle (DVM) geht hingegen auf Bestrebungen zurück, die bereits in den 1950er-Jahren entstanden. Ziel war es, die bestehenden Genossenschaften zusammenzuführen, um gemeinsam stärker im Verkauf aufzutreten. Die sechs unabhängigen Genossenschaftskellereien standen zudem in Konkurrenz zueinander, erklärt Constant Infalt, Ehrendirektor der DVM. Mit der Gründung der Domaines Vinsmoselle im Jahr 1966 wurde daher eine gemeinsame Vermarktungsstrategie entwickelt, um Kräfte zu bündeln und effizienter zu agieren.
Unterschiedliche Strukturen
Seit 2010 gehört die Domaines Vinsmoselle direkt ihren Winzern; zuvor waren die einzelnen Genossenschaftskellereien Mitglieder. Vereinfacht gesagt fungiert sie als Verarbeitungs- und Vermarktungsstruktur für ihre Mitglieder.
In einem Privatwinzerbetrieb hingegen liegt die gesamte Verantwortung – von der Traubenproduktion über die Weinherstellung bis hin zur Vermarktung – beim einzelnen Betrieb. Der Privatwinzer vereint somit alle drei Bereiche in einer Person.
Gemeinsam ist beiden jedoch der Idealismus und die Leidenschaft für den Beruf. Dazu gehört auch das Arbeiten im Einklang mit der Natur und das Meistern ihrer Unwägbarkeiten. Hinzu kommen heute zunehmend globale Herausforderungen, insbesondere geopolitische Entwicklungen, die sich auf Energie- und Materialkosten auswirken.
Wünsche für die Zukunft
Erny Schumacher wünscht sich für die Zukunft vor allem den Fortbestand der Betriebe sowie die Fähigkeit, sich auf einem zunehmend umkämpften Weinmarkt weiterhin zu behaupten. Zudem betont er die Notwendigkeit längst überfälliger administrativer Vereinfachungen.
Constant Infalt sieht die Zukunft insbesondere im weiteren Ausbau der Crémant-Produktion mit einem mittelfristigen Ziel von 70 bis 80 Prozent.
Henri Streng, Ehrenpräsident der Domaines Vinsmoselle, plädiert dafür, die Qualitätsbestrebungen konsequent weiter voranzutreiben.
35 Jahre Crémant de Luxembourg
Neben den beiden großen Berufsorganisationen gibt es 2026 noch ein drittes „Geburtstagskind“ an der Luxemburger Mosel. Etwas jünger, aber nicht weniger bedeutend und vor allem ein Versprechen für die Zukunft: Der Crémant de Luxembourg feiert sein 35-jähriges Bestehen.

Herstellung des Crémant de Luxembourg: Nach der Assemblage kommt Zucker und Hefe in die Flasche, die mit einem Kronkorken verschlossen wird. In der Flasche beginnt die Gärung: Die Hefe verwandelt den Zucker in Alkohol und feine Kohlensäure – die Perlen entstehen. Später werden die Hefen durch Rütteln gesammelt und beim Degorgieren entfernt. Zum Schluss bekommt die Flasche ihren Korken und den Muselet. Illustration: Editpress
Doch wie kam es zur Entstehung des Crémant de Luxembourg?
Bis Anfang der 1990er-Jahre galt die besondere Vorliebe der Luxemburger dem sogenannten „Schampes“, einem Schaumwein, der nach der renommierten „méthode champenoise“ hergestellt wurde. Mitte der 1980er-Jahre untersagte die Champagne Luxemburg jedoch die Verwendung dieser Bezeichnung.
In der Folge wurde Anfang der 1990er-Jahre eine neue Appellation geschaffen: Der Begriff „Crémant de Luxembourg“ wurde offiziell anerkannt – neben insgesamt sieben weiteren französischen Regionen, die ebenfalls die Bezeichnung „Crémant“ führen durften.
Damit war die Geburtsstunde eines neuen Aushängeschildes der Luxemburger Weinwirtschaft gekommen: des Crémant de Luxembourg, der seither für Qualität, Tradition und Innovationsgeist steht – und heute weiß hierzulande jeder, was mit einem „Kippchen“ gemeint ist.
Wo werden die 60 Jahre gefeiert?
Domaines Vinsmoselle: 1. Mai, traditioneller „Proufdag“ in der Kellerei Remerschen von 10.00 bis 19.00 Uhr. Präsentation der 60-Jahre-Cuvées sowie der Kollektion „Vive Vinsmoselle“ des Künstlers Jacques Schneider.
Privatwinzer: 8. Mai, „Privatwënzer unkorked“ auf der MS Marie-Astrid in Ehnen. Tasting (Jahrgangspräsentation): 11.00 bis 16.00 Uhr. Walking Dinner (fünf Köche): 17.00 bis 23.00 Uhr.