Sachbuch
Zerstörungslust als Kern des demokratischen Faschismus
In jüngster Zeit sind zahlreiche Bücher über die Krise der Demokratie und die Gefahren, die von Rechtspopulisten und Rechtsextremisten ausgehen, publiziert worden. Dabei liefert „Zerstörungslust: Elemente des demokratischen Faschismus“ von Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey interessante Aspekte.
Der Soziologe Oliver Nachtwey, Jahrgang 1975, und Carolin Amlinger, deutsche Literatursoziologin, geboren 1984 Foto: Jürgen Bauer/Suhrkamp Verlag
Alles hat sich verschlechtert. Das findet Manfred Gruber, wenn er auf sein bisheriges Leben zurückblickt. Wenn er als Kind mit seinen Eltern und den vier Geschwistern am Küchentisch saß, habe es zwar auch mal Streit gegeben, erinnert sich der 57-Jährige aus Südwestdeutschland. Aber im Großen und Ganzen sei man zufrieden gewesen. Gruber schloss 1983 eine Lehre zum Maschinenschlosser in einem großen Stahlunternehmen ab. Er war Gewerkschaftsmitglied, wählte einmal die SPD und sonst aus christlich-konservativer Familientradition die CDU. Die Belegschaft der Firma schrumpfte mit der Zeit von 40.000 auf 6.000 Beschäftigte. Gruber arbeitete lange auf Montage im Ausland, dann bei einem Zulieferbetrieb für die Elektroindustrie. Später wechselte er in den Sozialbereich und betreute Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Zusammen mit seiner Frau hat er sich lange beim Roten Kreuz engagiert. Bis beide krank wurden und selbst in Not gerieten. Die Berufsgenossenschaft erklärte sich für nicht zuständig, die Krankenkasse zahlte nicht. Gruber fühlt sich verraten. Er kann seinen Lebensstandard nicht mehr leisten, während Geflüchtete Unterstützung beziehen und „Araber-Clans Ferrari fahren“. Heute wählt er AfD.