Raus aus dem Oman

„Wir hofften, dass unsere Namen auf der Liste stehen“ – Wie Tom Bellion per Nachtflug nach Hause zurückkam

Tom Bellion war im Oman. Am Mittwoch kehrten er und seine Frau vorzeitig zurück: mit KLM von Maskat nach Amsterdam und von dort weiter nach Luxemburg. Ein kurzer Lagebericht.

Morgendliche Wanderung zum Al Hajar, höchster Berg des Oman, am 3. März vor geplantem Rückflug ohne Neuigkeiten

Am Morgen des 3. März: auf dem Weg zum Al Hajar, dem höchsten Berg des Oman. Zum Rückflug gab es zu dem Zeitpunkt noch keine Informationen. Foto: Tom Bellion

„Wir sind froh, wieder zuhause in Luxemburg zu sein“, sagt Tom Bellion am Donnerstagmorgen. Der ehemalige Leiter des Luxembourg City Tourist Office war mit seiner Frau im Oman.

Am Donnerstag, 26. Februar, sind sie mit Turkish Airlines via Istanbul nach Maskat, der Hauptstadt des Landes auf der arabischen Halbinsel, gereist. Hatten sie sich im Vorfeld keine Gedanken gemacht? „Doch“, sagt Bellion. Man habe gewusst, dass es Spannungen gab, aber auch angenommen, dass eine Reise abgesagt würde, falls die Lage nicht mehr sicher sei. Das sei nicht passiert, „also sind wir geflogen“.

Geplant war eigentlich, bis Freitag 6. März zu bleiben, um am 7. März wieder in Luxemburg zu sein. „Nach der Ankunft war uns bereits bewusst, dass wir sofort heimkehren würden, wenn die Spannungen zunehmen würden.“

Ernstfall

Der Ernstfall trat ein: am Samstag, 28. Februar, nach dem Angriff auf den Iran. „Wir haben uns umgehend auf der Lama-Liste eingeschrieben, also der Lëtzebuerger-am- Ausland-Liste.“ Ab da standen sie in regelmäßigem Kontakt mit dem Außenministerium: Nachrichten, Telefonate, Empfehlungen zum Verhalten vor Ort, der Hinweis, den Anweisungen der lokalen Behörden Folge zu leisten ... – „man spürte, dass sich da etwas entwickelt“. Relativ früh hätten sie dem Außenministerium mitgeteilt, dass sie die erste Möglichkeit nutzen wollten, um nach Hause zu kommen.

Wollten das nicht alle? „Nein“, sagt Bellion. „Einige haben kein Problem gesehen und wollten ihre Reise fortsetzen.“ Vor Ort habe es zunächst keinen direkten Grund zur Beunruhigung gegeben. Von Kampfhandlungen habe man im Oman nichts mitbekommen: keine auffällige Militär- oder Polizeipräsenz, keine Explosionen, keine ungewöhnlichen Flugbewegungen. „Eigentlich wie immer.“

Außenministerium ruft an

Am Dienstagabend überschlugen sich die Dinge. Bellion und seine Frau saßen im Bus auf der Rückfahrt von einem Tagesausflug, als das Telefon klingelte. Ein Anruf aus dem Außenministerium: Es gebe zwei Plätze in einem Flugzeug, das noch in der Nacht auf Mittwoch den Oman verlassen würde. Damit wurde aus einer Möglichkeit ein Zeitfenster. Sie waren rund 200 Kilometer vom internationalen Flughafen Maskat entfernt. Die Entscheidung fiel sofort. Also zurück ins Hotel, Koffer packen, Taxi organisieren und los. Zwei Stunden Fahrt bis zum Flughafen.

Unterwegs kam die Nachricht: Check-in am KLM-Schalter, Abflug 00.30 Uhr. Gegen 21 Uhr am Flughafen: „Der Schalter war noch geschlossen, kaum jemand da. Eine halbe Stunde später standen mindestens 200 Leute in der Warteschlange. Es ging nicht voran. Hinter dem Schalter wurde diskutiert, aber lange passierte nichts“, erzählt Bellion. Dann wurde klar: Die KLM-Maschine sollte offenbar eigenes Personal in die Niederlande ausfliegen, kein regulärer Linienflug, eine Charterlösung. An Bord: viele Niederländer, eine Handvoll Belgier und zwei Luxemburger: Bellion und seine Frau.

Disziplin vs. Chaos

Stunden vergingen. „Die Disziplin in der Schlange kippte erst in Nervosität um, dann in eine Art geordnetes Chaos. Einige wurden weggeschickt, offenbar weil sie nicht auf der Passagierliste standen. Am Schalter herrschte Aufregung, nicht dramatisch, aber die Kommunikation blieb karg. Wir standen weit hinten, quasi am Schluss der Schlange, und hofften, dass unsere Namen auf der Liste standen.“ Da standen sie. „Wir haben quasi als Letzte eingecheckt.“ Um 1.30 Uhr in der Nacht habe das Flugzeug abgehoben. Nach dem achtstündigen Flug, „die Südroute übers Rote Meer“, Landung in Amsterdam Schiphol. Und dann? „Mit einem Mietwagen nach Luxemburg.“

Und wer zahlt den Flug? „Keine Ahnung“, sagt Bellion. Ein Ticket hätten sie jedenfalls nicht kaufen müssen. Ob die luxemburgische Regierung zahle, wisse er nicht, möglich sei, dass in den nächsten Tagen noch eine Rechnung komme.

Keine Angst

Insgesamt lobt Bellion das Team im Außenministerium: sehr gute Betreuung, gute Kommunikation, „sie haben gemacht, was zu machen war“. Er sei vor allem froh, dass alles so gelaufen ist, wie es gelaufen ist. Angst, dass im Oman Bomben fallen könnten, habe er nicht wirklich gehabt. Größer sei die Sorge gewesen, was passiert wäre, wenn der Flugverkehr über Saudi-Arabien komplett gesperrt worden wäre. „Würden wir dann überhaupt noch nach Hause kommen? Über Asien vielleicht? Keine beruhigende Vorstellung.“

Am Donnerstagmorgen klingt Tom Bellion froh, wieder in Luxemburg zu sein. In den Oman zurückzukehren, kann er sich vorstellen: „Ein landschaftlich reizvolles Land. Natur mit bis zu 3.000 Meter hohen Bergen, Oasen und vielen hervorragenden Museen zur Landeskultur. Unbedingt eine Reise wert. Der Oman gilt als sehr sicher, die Menschen sind gastfreundlich. Preislich liegt der Oman ungefähr auf Luxemburg-Niveau. Das Land behauptet von sich selbst, die „Schweiz des Mittleren Ostens zu sein.“

Abendliche Warteschlange vor KLM-Gate am internationalen Flughafen Maskat am 3. März um 22 Uhr, disziplinierte Passagiere

Am Abend des 3. März gegen 22 Uhr in der Warteschlange vor dem KLM-Gate am internationalen Flughafen von Maskat. Noch herrscht Disziplin Foto: Tom Bellion

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2 Kommentare
Claude 05.03.202614:05 Uhr

Se schreiwen sech op Lama Lëscht an, wëssen wat lass ass, woaden op e Rapatriement a fueren dann awer gemittlech op en Daagesausfluch. An elo maachen wéi wann se grad nach vun der Front dovu komm wären!
Wéini kënnt Buch eraus vun dem Abenteuer?

Luxmann 05.03.202613:54 Uhr

Der Oman hatte sich vorsichtigerweise nicht zu sehr mit den amis eingelassen,wie Katar oder die VAE das taten.
Der minister von Oman war ja deshalb vermittler bei den gespraechen zwischen USA und Iran,wo er allerdings auf hinterlistige weise von den Trump leuten getaeuscht wurde,welche die agression laengst geplant hatten.
Deshalb ist der Oman auch als einziges land der region momentan vom krieg verschont,da er zum glueck keine US basen beherbergt.
Wie sagte schon Kissinger...feind der USA zu sein ist gefaehrlich, aber freund zu sein fatal.

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