„Es geht keine einzige verloren“
Wie tausende Plastikenten nach dem Duck Race wieder aus der Alzette gefischt werden
Das Duck Race feiert sein 25-jähriges Jubiläum. Hinter dem Spektakel steckt ein ausgeklügeltes System, das Spaß und Umweltschutz vereint.
In Gummistiefeln und mit Wäschekörben beginnt das Team sofort nach dem Zieleinlauf mit dem Einsammeln der Enten Foto: Carole Theisen
Sobald die erste Ente beim Duck Race am vergangenen Samstag durchs Ziel treibt, beginnt der Teil des Events, den kaum jemand sieht – und der dafür sorgt, dass die Alzette am nächsten Morgen aussieht, als wäre nichts gewesen. Das Team des Organisationsvereins „Table Ronde“ steht bereit: Barrikaden, Netze, Gummistiefelanzüge, Wäschekörbe in der Hand, klare Kommandos. Am Ufer warten riesige Wannen.
In kürzester Zeit bildet sich eine Menschenkette. Körbe werden mit Enten gefüllt, weitergereicht, geleert, zurückgeworfen. Alles läuft schnell, koordiniert, routiniert. Sobald die ersten Wannen voll sind, rollt der Kranlaster an. Das Team fixiert die Behälter, achtet auf Passanten, gibt dem Fahrer das Zeichen. Die Wannen werden angehoben, über die Köpfe hinweg geschwenkt und im Laster platziert.
Gefüllte Körbe werden im Takt weitergereicht, geleert und direkt wieder in den Einsatz gebrachtDuck Race 2026 Alzette Round Table Enten Foto: Carole Theisen Foto: Carole Theisen
Wenn alles verladen ist, geht es direkt ins Lager einer Luxemburger Firma, die dem Verein den Platz zur Verfügung stellt. Wie viel so eine Wanne wiegt? Ralph Schmit erklärt: „Das wissen wir nicht genau. Dieses Jahr haben wir 5.000 neue Enten gekauft, weil die Nachfrage da war. Die neuen wiegen 90 Gramm, die alten nur 30.“
Kritik am Plastik – und die Antwort der Organisatoren
Kevin Toepke, Verantwortlicher des Duck Race bei „Round Table Luxembourg“, kennt die Diskussionen um Plastik im Wasser. „Da muss sich wirklich niemand Sorgen machen“, sagt er. Kritik gebe es jedes Jahr. „Uns wird oft vorgeworfen, wir würden das Gewässer verschmutzen. Aber alle Enten werden selbstverständlich wieder eingesammelt. Die einzigen Enten, die jedes Jahr verschwinden, sind jene, die die Zuschauer stibitzen. Das sollte man jedoch bitte unterlassen.“
Die Sorge um Mikroplastik? Toepke erklärt: „Der tatsächliche Einfluss ist minimal – und der finanzielle Nutzen für wohltätige Projekte ist an anderer Stelle deutlich größer.“ Zudem trägt das Duck Race das offizielle Green‑Event‑Label. „Es wäre komplett widersprüchlich, als Green Event Enten einfach flussabwärts treiben zu lassen“, sagt Toepke.
Es geht keine einzige Ente verloren. Wenn doch eine entwischt, wird sie gesucht – garantiert.
Kevin Toepke
Verantworlicher für das Duck Race
Hinter den Kulissen zeigt sich, wie ernst dieser Anspruch genommen wird. Barrieren sichern den Flusslauf, Kanufahrer patrouillieren entlang der Strecke, um ausgebüxte Enten wieder einzufangen. Selbst Feuerwehrstrukturen sind Teil der Organisation.

Wenn mal die ein oder andere Ente durchflutscht, rennt das Team sofort hinterher und gibt nicht auf, bevor auch jede letzte Ente gefunden wird Foto: Carole Theisen
Was wie ein buntes Spektakel aussieht, ist logistisch ein kontrollierter Eingriff. Genehmigungen der Wasserverwaltung, Unterstützung durch Behörden, Abstimmung mit der Stadt – nichts passiert spontan. „Das ist kein Spiel ohne Regeln“, sagt Toepke. „Wir haben alle Autorisationen. Und wir versuchen, es so sauber wie möglich umzusetzen.“
Wiederverwendung statt Wegwerfen
Die Enten sind nicht neu. Ein Teil schwimmt seit den Anfangsjahren mit. „Einige sind 25 Jahre alt“, sagt Toepke. „Wenn man das hochrechnet, haben sie längst über 25 Kilometer zurückgelegt.“ Weggeworfen wird nichts. Kaputt gehe kaum etwas.
Gleiches gilt für die Infrastruktur: Wannen, Barrieren, Transportboxen. Alles gehört dem Verein, alles wird gelagert und wiederverwendet. „Das Material hält, also behalten wir es im Kreislauf“, sagt Toepke.
Rund 150 Mitglieder zählt der Verein, davon sind beim Duck Race realistisch 120 bis 130 im Einsatz. Dazu kommen externe Partnerinnen und Partner – insgesamt weit über 200 Menschen, die den Flussabschnitt in eine kontrollierte Rennstrecke verwandeln.

Sobald die Wannen voll sind, hebt ein Kran sie auf den bereitstehenden Laster Foto: Carole Theisen
Warum das alles?
„Wir wollen etwas bewegen – lokal, national, international.“ So beschreibt Georges Colbach den Geist des Vereins. Menschen mit ähnlicher Haltung, die anpacken wollen. „Sogar Gäste steigen spontan mit ins Wasser, um zu helfen. Das verbindet.“ Denn hinter der Inszenierung steht ein klarer Zweck: Alle Einnahmen gehen an gemeinnützige Organisationen, die sich für Kinder in schwierigen Lebenslagen einsetzen. Das Fest ist Mittel zum Zweck – und der Umgang mit der Umwelt Teil der Glaubwürdigkeit.