Geschichte
Wie sich 76 Jahre nach Kriegsende ein Luxemburger Missverständnis in der Gedenkkultur niederschlägt
Am 12. September 2021 wurden in Junglinster 15 Stolpersteine verlegt, vier für jüdische Opfer, die von Nazi-Deutschland ermordet wurden, nur weil sie Juden waren, und elf für in die Wehrmacht zwangsweise eingezogene und dabei umgekommene Luxemburger. Im Luxemburger Selbstverständnis waren bis vor kurzem Stolpersteine für Shoah-Opfer oder mindestens für Verfolgte des Nationalsozialismus gedacht.
Zwangsrekrutierte verlassen Luxemburg am 24. oder 26. Oktober 1942 Foto: Roger Weitzel/Photothèque de la Ville de Luxembourg
Wir sind uns der Brisanz dieses Beitrags bewusst. Es wird nicht beabsichtigt, einen alten Luxemburger Streit zwischen Resistenz- und Zwangsrekrutierten-Organisationen neu heraufzubeschwören. Es wird auch nicht beabsichtigt, das Andenken an die vielen jungen Luxemburger, die zwangsweise in die deutsche Wehrmacht eingezogen wurden und an der Front ihr Leben lassen mussten, zu minimieren bzw. das Leid ihrer Familien zu schmälern. Der Beitrag soll vielmehr dazu beitragen, eine längst überfällige Debatte anzustoßen. Eine seriöse Debatte kann aber nur geführt werden, wenn die Begriffe, die Gegenstand der Debatte sind, definiert werden, in diesem Fall, wenn der Hauptbegriff „Nationalsozialismus“ (NS) definiert wird. Wir basieren uns dabei auf die Definition der Bundeszentrale für politische Bildung (1). Diese wird hier nur auszugsweise wiedergegeben: