Norbert Jacques, Fritz Lang und Dr. Mabuse

Wie ein Luxemburger einen der einflussreichsten Bösewichte aller Zeiten schuf

Norbert Jacques ist der vielleicht berühmteste Schriftsteller seines Landes, entwickelte mit Dr. Mabuse eine Figur, die die Popkultur des 20. Jahrhunderts entscheidend prägte – und ist heute dennoch praktisch unbekannt. Über einen Autor, seine Heimat und ein gespaltenes Verhältnis, das bis heute andauert.

Ein Phantom, ein Schatten, eine Chiffre für das geniale Böse: Dr. Mabuse in Fritz Langs „Das Testament des Dr. Mabuse“ (1933)

Ein Phantom, ein Schatten, eine Chiffre für das geniale Böse: Dr. Mabuse in Fritz Langs „Das Testament des Dr. Mabuse“ (1933) Quelle: Tamasa Distribution

Rauch steht im Besprechungszimmer des Bundeskriminalamts. Neun Männer sitzen an einem langen Tisch, ziehen nervös an ihren Zigaretten. Ein Verbrechen wurde begangen, ein Reporter getötet von einem Schuss mit einer Stahlnadel. „Sagt Ihnen der Name Dr. Mabuse etwas?“, fragt einer in die Runde. Er erinnert sich an einen ähnlichen Fall, damals, vor dem Krieg. Er schaudert. Mabuse. Dieser Name steht für Chaos, für Terror. „Ein Genie des Verbrechens“, sagt der Mann. „Mabuse wollte das Gefüge des Staates zusammenbrechen lassen und eine Herrschaft des Verbrechens errichten.“

Es ist eine der ersten Szenen aus „Die 1.000 Augen des Dr. Mabuse“, gedreht 1960 in West-Berlin vom Exilheimkehrer Fritz Lang. Im Film ist auch Mabuse zurückgekehrt, dieses Schreckensgespenst der Weimarer Republik. Genialer Verkleidungskünstler, Verführer, Verhetzer. In Nachkriegsdeutschland ist Mabuse zum Phantom geworden, zum großen Schatten, zur Chiffre für das geniale Böse. Eine Figur, die sich popkulturell verselbstständigt hat – seit ihrer Geburt vierzig Jahre zuvor.

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