300 Arbeitsplätze und 300 Millionen US-Dollar

Weltweit größte Nanoröhren-Fabrik soll in Differdingen entstehen

Nanoröhren sind eine zukunftsweisende Technologie. Mit ihnen halten beispielsweise Batterien länger. Doch sie können noch viel mehr – und die weltweit größte Fabrik soll bald in Differdingen stehen.

Noch ist auf dem Grundstück in der Industriezone in Differdingen nicht viel zu sehen

Noch ist auf dem Grundstück in der Industriezone in Differdingen nicht viel zu sehen Fotos: Editpress/Alain Rischard; OCSiAl

Der Startschuss ist gefallen: Das Unternehmen OCSiAl will in Luxemburg die „weltweit größte Produktionsstätte für Graphen-Nanoröhren“ bauen. Jahrelang gab es um den Standort im Luxemburger Süden ein Tauziehen. Jetzt ist eine wichtige Hürde genommen: OCSiAl hat mit dem Luxemburger Staat einen langfristigen Pachtvertrag für ein 3,63 Hektor großes Grundstück in Differdingen unterschrieben, wie aus einer Pressemitteilung vom Dienstag hervorgeht.

OCSiAl, das seinen Sitz in Leudelingen hat, will im Großherzogtum eine Vorzeigeanlage für Nanoröhren bauen – und dafür 300 Millionen US-Dollar investieren. Die Anlage soll von 2028 bis 2030 schrittweise in Betrieb genommen werden. Die Fabrik soll zudem mehr als 300 neue Arbeitsplätze bieten. Wirtschaftsminister Lex Delles (DP) spricht in der Mitteilung von einem wichtigen Schritt für die Positionierung Luxemburgs „als wichtiger Akteur der industriellen Innovation“. Und Finanzminister Gilles Roth (CSV) findet, dass der Deal Luxemburg „als Plattform für langfristige Innovation und intelligente industrielle Entwicklung“ auf die Landkarte setzt.

Was sind Nanoröhren?

Nanoröhren bestehen aus Kohlenstoff – und sind unglaublich klein. Ein Haufen von ihnen sieht aus wie ein Klumpen schwarzes Pulver. Aber die Röhren haben es in sich: Sie sind nicht nur mechanisch sehr stark, sondern auch besonders leitfähig – sowohl elektrisch als auch thermisch. Wenn sie einem anderen Material hinzugefügt werden, können sie dessen Eigenschaften stark verbessern. Werden die Nanoröhren z.B. dem Gummi von Autoreifen beigemischt, verschleißen diese weniger schnell. Anderes Beispiel: Bei Autobatterien kann die Energiedichte erhöht werden und sie erreichen dadurch eine höhere Reichweite. Dafür reichen bereits sehr geringe Mengen an Nanoröhren aus.

Seine Anfänge hatte das Unternehmen im Jahr 2009 in Nowosibirsk, Russland. Dort haben die Gründer an der Technischen Universität gearbeitet. OCSiAl wurde dann 2012 in Luxemburg gegründet – mitsamt einem Labor. Von Anfang an mit dabei ist CEO Konstantin Notman. Im Aufsichtsrat sitzen aktuell u.a. Staatsrats-Vizepräsident Alain Kinsch und Norbert Becker, die in der Luxemburger Wirtschaft zahlreiche Posten innehaben.

Das Unternehmen hat Ende 2024 in Serbien seine erste europäische Produktionsstätte für Nanoröhren eröffnet – mit einer Kapazität von 60 Tonnen im Jahr. In Luxemburg hat OCSiAl Größeres vor: 120 Tonnen Nanoröhren sollen in Zukunft in Differdingen produziert werden. Zum Vergleich: 2022 lag die jährliche Produktionskapazität von OCSiAl weltweit bei 90 Tonnen. Nach eigenen Angeben werden die Nanoröhren heute bereits in mehr als zehn Prozent der Smartphones und in über einer Million Elektrofahrzeugen weltweit verwendet.

CEO Konstantin Notman

CEO Konstantin Notman Foto: Editpress/Alain Rischard

Ein Werk in Luxemburg war eigentlich schon einmal 2017 angestoßen worden – und sollte 2020 fertig sein. Doch daraus wurde nichts. Februar 2022 gab es dann einen erneuten Anlauf: OCSiAl hat von der Luxemburger Regierung grünes Licht für eine Anlage in Differdingen bekommen. Das Ziel dieses Mal war ein Produktionsstart 2025. Dass es dann nicht geklappt hat, lag an Covid. 

Für den Standort in Luxemburg sprechen aufseiten von OCSiAl mehrere Gründe. Durch die Zentrale in Leudelingen und ein Labor in Foetz arbeiten viele Mitarbeiter bereits in Luxemburg. Außerdem ist Luxemburg Mitglied der Europäischen Union – und liegt geografisch sehr zentral in Europa.

Lesen Sie dazu auch:
Was Nanoröhren alles können – und was ein Luxemburger Unternehmen damit zu tun hat
Was die Nanoröhren-Fabrik für Luxemburg bedeutet – und was Russland und Serbien damit zu tun haben

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