Domaine Tageblatt
Weinkontrolleur in Luxemburg: Wie Paul Thill Qualität, Regeln und Vertrauen im Weinbau sichert
Paul Thill übt nicht nur einen einmaligen Beruf in Luxemburg aus, er hat auch eine Position mit langer Tradition inne. Als Weinkontrolleur sichert er die Regeln, die Qualität und damit auch das Vertrauen in den einheimischen Weinbau ab.
Weinkontrolleur Paul Thill bei der Kellerkontrolle der Domaines Vinsmoselle, hier mit Kellermeisterin Charlène Muller Foto: Editpress/Hervé Montaigu
„Hier fehlt bei der AOP-Nummer eigentlich noch ein Minus hinter dem L“, sagt Paul Thill, nachdem er eine der Weinflaschen begutachtet hat. Er ist Weinkontrolleur, genauer gesagt der Weinkontrolleur, denn den Posten gibt es in Luxemburg nur einmal. Seine Aufgabe beim Institut viti-vinicole (IVV) ist es, dafür zu sorgen, dass bei der Produktion und dem Verkauf von Wein im Großherzogtum alles nach den Regeln abläuft.
„Wegen eines fehlenden Bindestrichs auf einer Etikette nehmen wir die Flaschen selbstverständlich nicht aus dem Verkauf. Es geht nicht darum, dem Winzer die Arbeit zu erschweren. Auch wegen eines Zahlendrehers bei der AOP-Nummer lassen wir die Winzer nicht tausende von Flaschen neu etikettieren“, so Thill, der seine Arbeit zwischen Kontrolle und Beratung ansiedelt. Oftmals würden sich Winzer bereits im Vorfeld bei ihm oder seinen Kollegen beim IVV vergewissern. „Es geht nicht darum, den Winzer zu schikanieren, sondern darum, dass der Konsument nicht getäuscht wird. Das ist hier, bei einem fehlenden Bindestrich, nicht der Fall.“
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Am 29. April stellen wir ab 18.00 Uhr im Kulturzentrum Machera in Grevenmacher unseren Rivaner vor. Beginnen werden wir mit einer kleinen Vorstellung unseres Projektes und einem kurzen Rundtischgespräch mit Weinbauministerin Martine Hansen (CSV) sowie den Winzern Corinne Kox, Michèle Mannes und Bob Molling. Anschließend gibt es dann den Tageblatt-Rivaner zu verkosten und die Möglichkeit, den Wein zu bestellen. Anmelden können Sie sich über diesen Link.
Es sei eine Frage der Balance. In anderen Ländern seien Weinkontrolleure nicht immer gern gesehene Gäste in den Kellern der Winzer. „Hier bei uns zittert niemand, wenn ich vorbeikomme. Wenn es eine angekündigte Kontrolle ist, kann es aber sein, dass der Keller etwas aufgeräumter ist“, sagt Thill mit einem Lächeln.
Lange Tradition
Die Weinkontrolle hat eine lange Tradition. Die erste Reichsweinverordnung wurde 1487 von Kaiser Friedrich III. erlassen. Zwei Jahre später wurde bereits ein Reichsweinrevisor eingesetzt, um die Umsetzung der Verordnung zu gewährleisten. In Luxemburg geht die Weinkontrolle auf das Jahr 1909 zurück. Aber auch davor gab es im Großherzogtum als Mitglied des Deutschen Zollvereins bereits Kontrollen, erklärt Marc Kuhn. Er war selbst von 1971 bis 2011, also 40 Jahre lang, Weinkontrolleur am IVV und trägt heute den Titel des Ehrenweinkontrolleurs.

Ehrenweinkontrolleur Marc Kuhn Foto: Editpress/Julien Garroy
Da es nur einen Weinkontrolleur in Luxemburg gibt, ist der Posten mit einer gewissen Autorität verbunden. Person und Beruf verschmelzen in gewisser Hinsicht, weiß Kuhn zu berichten. „Man hat eine gewisse Interpretationsfreiheit, und am Ende ist die Rolle immer eng mit der Persönlichkeit des Weinkontrolleurs verbunden. Egal, wo ich hinkam, ich war immer ‚de Wäikontrolleur‘“, so Kuhn.
Ich habe mir natürlich die Frage gestellt, ob ich dieser Aufgabe gewachsen bin
Paul Thill
Weinkontrolleur
Dessen war sich auch Paul Thill bewusst, als er sich an einem Dienstag im November 2022 beim damaligen Direktor des IVV, Roby Ley, über den Posten informierte. „Ich habe mir natürlich die Frage gestellt, ob ich dieser Aufgabe gewachsen bin. Es war mir bewusst, welche Verantwortung mit dem Posten verbunden ist.“
Der studierte Chemiker hat die Stelle seit Juni 2023 inne. Sein Vorgänger André Mehlen wechselte damals als Generaldirektor zur Vinsmoselle. „Die Nachricht habe ich im Radio gehört. Es war an einem Donnerstag, das weiß ich noch. Es dauerte dann aber noch ein paar Tage, bis mir der Gedanke kam, dass ich mich auf diesen Posten bewerben könnte.“ Roby Ley habe ihm damals gesagt, dass das IVV keine große Umstrukturierung plane und man deshalb einen Ersatz für André Mehlen suche.
Vielfältige Arbeit
Thill hatte bereits zuvor mit dem IVV zu tun. Sein Praktikum absolvierte er im Labor, später gab er dort auch Kurse. „Eigentlich war die Idee einmal, dass ich ins Labor wechseln würde, wenn Christiane in Rente geht.“ Heute arbeitet der ehemalige „chef de service“ des Labors der Asta (Administration des services techniques de l‘agriculture) mit Christian Blum zusammen. Die eigentliche Laborarbeit fehlt dem Chemiker aber manchmal. „Wir organisieren jeden Herbst einen Sensorikkurs für die neuen Weinköniginnen, bei dem wir auch verschiedene Geruchsproben im Labor testen. Da freue ich mich jedes Mal wieder, mit der Pipette arbeiten zu können.“
Sein aktueller Arbeitsbereich ist äußerst vielfältig. Neben Keller- und Etikettenkontrollen von einheimischen Weinen ist er auch für die korrekte Kennzeichnung importierter Weine zuständig und steht der Verkostungskommission der Appellation d’origine protégée als Präsident vor. Neben einer gewissen Leidenschaft für Wein und Weinbau benötigt man als Weinkontrolleur ein gutes Verständnis der legislativen Arbeit auf nationaler und europäischer Ebene. Vor allem aber müsse man einen guten Umgang mit den Winzern pflegen.
Verständnis als Grundvoraussetzung
„Ich würde sagen, dass das eine Grundvoraussetzung für den Job ist. Man muss ihre Arbeit, ihre Sorgen und Herausforderungen nachvollziehen können. Das Verständnis sollte sich dabei nicht nur auf den eigenen Bereich beschränken“, sagt Thill und nennt ein Beispiel. „Für mich ist es wichtig, dass jedes Fass nummeriert ist und für jedes Fass ein Kellerbuch geführt wird.“ Sollte es Probleme mit einem Wein geben, sei der gesamte Prozess klar nachvollziehbar.

Auch die Kontrollen der Etiketten liegen in Paul Thills Kompetenzbereich: Der Konsument darf nicht getäuscht werden Foto: Editpress/Hervé Montaigu
„Das Kellerbuch zu führen, ist an sich kein sonderlich großer Aufwand. Doch der Winzer hat noch viele andere administrative Verpflichtungen, und das Kellerbuch ist eben eine von vielen. Deshalb versuchen wir, es auf das Nötigste zu begrenzen.“ Das Kellerbuch und die Kontrollen dienten letztlich auch der Qualitätssicherung. „Dadurch sind wir abgesichert. Es ist einfach Bestandteil unserer täglichen Arbeit. Man muss nur wissen, warum man es macht“, sagt Charlène Muller, Kellermeisterin der Domaines Vinsmoselle.
Bei Regelverstößen, etwa bei der Detektion unerlaubter Mittel im Wein, kann der Weinkontrolleur in Rücksprache mit der Douane oder anderen Akteuren einen Betrieb vorübergehend schließen, bis der Fall geklärt ist. Solche Fälle haben in Luxemburg jedoch Seltenheitswert. „Unsere Weinbaubranche ist dafür viel zu klein.“
Szenarien, wie man sie aus dem Ausland kennt, etwa nächtliche Aktionen, bei denen Tankwagen mit billigem Wein anliefern und dieser beigemischt wird, hält Thill für praktisch ausgeschlossen. „Das würde der Nachbar sofort mitbekommen.“ Und wenn nicht, gibt es ja noch den Weinkontrolleur, der dafür sorgt, dass die Qualitätskriterien eingehalten werden.