Laufen ist politisch
Was es mit dem „Arab Running Club Luxembourg“ auf sich hat
Ob arabischer Herkunft oder nicht, der inklusive Lauf-Club bietet ein Zuhause sowohl für die ersten Meter in Turnschuhen als auch für gekonnte Marathonläufer. Über Diskriminierung im Sport, Solidarität und arabische Freude.
Laufen fördert das interkulturelle Verständnis Foto: Privat
Seit Oktober dieses Jahres treffen sich alle zwei Wochen Laufbegeisterte in Luxemburg-Stadt, um zusammen Sport zu machen, sich auszutauschen und währenddessen neue Freundschaften zu formen. Im „Arab Running Club Luxembourg“ kommen Sportler*innen mit arabischen Wurzeln, aber auch Leute, die an Sport oder der arabischen Kultur interessiert sind, zusammen. Malek hat die Gruppe gegründet, da sie einen Ort für ein entspanntes Zusammenkommen schaffen wollte – mit überraschend schnellem Erfolg, wie sie selbst berichtet. Am ersten Lauf, an einem sehr verregneten Wochenende im Oktober, nahmen um die elf Leute teil. Nun sind schon über 40 Personen in der WhatsApp-Gruppe des Laufclubs.
Auch auf Instagram ist der Arab Running Club aktiv Foto: Privat
„Ich war eine professionelle Läuferin, aber hatte jetzt eine lange Pause“, erklärt sie mit einem Lachen. Deshalb ist es ihr auch wichtig, dass die Gruppe verschiedene Distanzen und Tempos anbietet. Diese werden immer im Vorfeld via Instagram (@lux_arabrunningclub) angekündigt. Ihre ersten fünf Kilometer hat die gebürtige Tunesierin beim Pride Run in Luxemburg vor zwei Jahren geschafft – ein Erfolgsergebnis, an das sie sich mit Stolz erinnert. Über die letzten Jahre hat sie sich Schritt für Schritt wieder in den Sport verliebt.
Sie wuchs in Gabès in Tunesien auf, wo Luftverschmutzung und mangelnde Infrastruktur das Laufen „unmöglich“ machten. Sie unterstreicht: „Laufen ist ein Privileg und wir sind uns oft dieser Privilegien nicht bewusst.“ Von genug Freizeit haben, die man für Sport nutzen könnte, bis hin zur Infrastruktur, wie sichere und schöne Gehwege, und auch den finanziellen Ressourcen für Turnschuhe und Laufbekleidung: Sport machen ist nicht selbstverständlich. Malek ist froh, dass der Laufclub nun Menschen die Möglichkeit verschafft, „sich an einem Sport auszuprobieren, der früher vielleicht keine Option gewesen wäre“.
Gegen Diskriminierung im Laufsport
Der Club wurde auch aus politischen Gründen gegründet. Diskriminierung und Rassismus haben schon lange in Luxemburg existiert, aber „seit dem 7. Oktober [2023] spürt man einen klaren Unterschied“. Malek spricht davon, dass Antirassismusarbeit schon viel in Luxemburg geschafft habe, und dass sie sich vor dem 7. Oktober wohlfühlte, aber „es ist erschöpfend, unsere Enthumanisierung nun wieder zu erleben“.
Besonders Personen, die als arabische Männer gelesen werden, erleben immer wieder Diskriminierung beim Laufen. In den kälteren Monaten, wenn es früher und früher dunkel wird, werden diese Läufer immer wieder damit konfrontiert, dass sie als Gefahr oder Bedrohung während ihrer alltäglichen Runde wahrgenommen werden. Malek erklärt, dass sie in dem Laufclub bemerkte, dass „wir alle so müde sind. Wir sind es müde, ständig als die Bösen dargestellt zu werden. Wir machen auch einfach gerne Sport“. Der Club erlaubt es Teilnehmenden, eine Gemeinschaft zu finden, um sich auch über Diskriminierungserfahrungen und Frust auszutauschen – während des Laufens oder über Tee und Kaffee nach dem Sport.
In diesem Kontext ist es ihr auch wichtig zu betonen, dass nicht alle arabischen Personen muslimisch sind, wie zum Beispiel arabische Christen, Drusen, aber auch Atheisten – genau so wie nicht alle Menschen aus Westasien und Nordafrika arabisch sind, wie zum Beispiel Kurden und Amazigh. „Jeder ist, wie gesagt, willkommen in unserem Laufclub!“
Das gemeinsame Laufen bildet einen sicheren Ort für das Zusammentreffen verschiedener Kulturen Foto: Privat
Malek war froh, dass auch Frauen, die ein Kopftuch tragen, dem Laufclub beitraten. „Manche von ihnen waren noch nie laufen und der Club bot ihnen den Raum, um das auszuprobieren.“ Sie betont, dass mit Vorurteilen hier auch aufgeräumt werden müsse: „Ein Kopftuch zu tragen ist keine Bedrohung und nicht nur muslimische Frauen tragen eins.“
Der aktivistische Gedanke noch nicht aus der Puste
Um sicherzugehen, dass sich auch jeder wohlfühlt, war es dem Laufclub wichtig, dass manche Werte von allen respektiert werden. „Wir tolerieren keine rassistischen oder islamophoben Anmerkungen – gerade so wie keine Homophobie, Sexismus oder Diskriminierung gegen andere ethnische Gruppen toleriert werden.“ Der „Arab Running Club Luxembourg“ hat auch schon Kollaborationen mit anderen Laufclubs organisiert, wie zum Beispiel einen Frauen-only-Lauf mit dem „B(run)ch Club“ und „Croissant Trotters“. Malek bespricht auch immer im Vorfeld die Werte und Regeln des Clubs mit Kollaboratoren, damit das Wohlfühlen aller Teilnehmenden respektiert wird.
Solidarität mit Palästina, Syrien, Libanon und Sudan liegt vielen Teilnehmenden besonders am Herzen. Der Laufclub sei eine leise, aber trotzdem effektive Form des Aktivismus durch eine inklusive Gemeinschaft, die informellen, aber politischen Austausch ermöglicht.