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Strompreise, Dieselpreise und Lieferkosten – alles wird teurer: Was sagen die Winzer?

Nach dem Angriff auf den Iran steigen die Energiepreise täglich an. Im Gespräch mit dem Tageblatt blicken drei Winzer auf die Auswirkungen einer potenziellen Energiekrise.

Zuversichtliche Winzer blicken in die Zukunft trotz steigender Energiepreise in der Weinbranche

Die Winzer blicken zuversichtlich in die Zukunft und lassen sich noch nicht zu sehr von den Energiepreisen verunsichern Foto: Editpress/Alain Rischard

Unser Tageblatt-Wein ist fast fertig und wird Ende April endlich abgefüllt. Wir müssen uns keine Sorgen um die Energiepreise der Produktion unseres Weines machen. Doch wie geht es den Luxemburger Winzern mit der potenziell bevorstehenden Energiekrise? Das Tageblatt hat nachgefragt und sich mit drei Winzern unterhalten.

Winzer Jeff Konsbrück, Vizepräsident der Privatwënzer, bei der Weinlese im Weinberg

Winzer und Vizepräsident der „Privatwënzer“, Jeff Konsbrück Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Der Winzer und Vizepräsident der „Privatwënzer“, Jeff Konsbrück, spürt die Auswirkungen des Krieges hauptsächlich an dem erhöhten Dieselpreis. Demnächst beginnen die Bodenarbeiten und später das Spritzen in den Weinbergen, wofür ein Traktor ständig im Einsatz ist. Preiserhöhungen an der Zapfsäule beeinflussen auch die Belieferung. Denn: Laut Konsbrück liefern die meisten Winzer ihre Ware hierzulande selbst aus. „Jedes Mal volltanken hinterlässt seine Spuren.“

Die Kosten des Düngers steigen oftmals mit den Spritpreisen, da dieser mit einem Nebenprodukt der Erdölraffination produziert wird. Der Winzer hat seinen Dünger im Vorfeld zu einem festen Preis bestellt. Sollte man diesen aber erst jetzt kaufen, könnte das Mittel teurer werden.

Kosten der Kühlung

Der Wein muss auch irgendwo gekühlt und gelagert werden. Hier bemerkt der Winzer in Hinblick auf Strompreise für die Kühlung noch keine große Veränderung. Anders sähe das aber bei Kollegen in Deutschland aus. Die haben bereits einen Strompreisanstieg festgestellt.

Doch auch der Preis der Glasflaschen könnte bei einer weiteren Eskalation des Konfliktes steigen. Als der Ukrainekrieg ausbrach, sei zum einen die Lieferung der Flaschen kostspieliger geworden. Aber auch die Flaschen an sich wurden teurer. Die Lieferanten schraubten die Produktion herunter, wodurch es plötzlich einen Mangel an Flaschen gab. Konsbrück erinnert sich, dass zu dieser Zeit besonders der Preis für das Eisglas der Roséflaschen anstieg. Angesichts der aktuellen Situation schaut er mit einem kritischen Auge drauf. „Das, was ich jetzt investiere, bekomme ich erst viel später zurück.“

„Keine Panik“

Eine weitere Winzerin, die anonym bleiben möchte, erkennt noch keine gravierenden Auswirkungen des Krieges. Der Düngerpreis sei noch nicht gestiegen. Auch die Preissteigerung des Sprits beeinträchtige ihren Betrieb aktuell bislang nicht. „Wir haben andere Krisen.“ Im Weinsektor geht der Verkauf global so drastisch zurück, dass sogar renommierte Traditionsbetriebe schließen müssen. Die Menschen würden gesünder leben wollen und somit weniger konsumieren. Für sie ist die potenzielle Energiekrise allerdings noch zu weit entfernt.

„Kommt Zeit, kommt Rat. Ich bin zu alt dafür, um jetzt in Panik zu geraten“, sagt ein anderer Winzer, der nicht mit dem Namen genannt werden will. Für ihn steht fest: Hysterie und Spekulation bringen keinem etwas. Sich jetzt unkontrolliert auf Dünger zu stürzen und diesen als Geldanlage zu nutzen, sei unnütz.

Teurer Transport

Das größte Problem stellt er bei dem Thema Transport und Falschenproduktion fest. Laut dem Winzer, ist der Güterverkehr von den Weinflaschen teurer geworden. Sein Betrieb exportiert auch Wein. Das bedeutet, bei der Lieferung ins Ausland steigen die Transportkosten. Ihm ist dennoch bewusst, dass man diesen Preis nicht an den Kunden weitergeben kann.

Um die höheren Dieselpreise abzufedern, fährt er nachhaltiger mit seinem Traktor. „Wir machen weniger Bodenarbeit, also müssen wir weniger fahren, demnach verbrauchen wir weniger Diesel“, sagt der Winzer. Elektrotraktoren würden keine Alternative darstellen, da sie in der Anschaffung zu teuer seien. Trotz allem vertraut er darauf: „Wenn es den Menschen schlecht geht, ist der Wein immer gut für die Moral.“

Tageblatt im Einsatz in Weinbergen zur Weinlese für hochwertigen eigenen Wein

Tageblatt-Chefredakteur Armand Back im Einsatz in den Weinbergen für unseren eigenen Wein Foto: Editpress/Alain Rischard

Strompreise, Dieselpreise und Lieferkosten – alles wird teurer: Was sagen die Winzer?

Zusätzliche Information

Am 28. Februar 2026 haben die USA und Israel den Iran angegriffen. Die Auswirkungen machen sich bemerkbar, die Preise steigen gerade unmittelbar an. Der fortgesetzte Krieg im Iran und die Kontrolle der iranischen Revolutionsgarden über einen der bedeutendsten Transportwege des globalen Ölhandels sind nun auch in Luxemburg zu spüren. Nachdem der Dieselpreis am 5. März erst um 21 Cent gestiegen war, geht dessen Steilflug am 7. März weiter: Der Literpreis steigt um weitere 7,6 Cent und beläuft sich nach der erneuten Steigerung vom 10. März (+5,6 Cent) dann auf 1,828 Euro.

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