Was wird aus …?

Schloss Sanem soll zur Hotelschule werden, doch es dauert

Unsere Serie blickt auf Gebäude, die geschützt sind, geschützt werden sollen oder geschützt werden müssten. Gemeinden und das „Institut national pour le patrimoine architectural“ (INPA) schildern den aktuellen Stand: Was wurde angekündigt, was ist geplant, und warum dauern solche Prozesse oft länger als erwartet? Im dritten Teil geht es um Schloss Sanem, das künftig eine Rolle in der Ausbildung des Hotel- und Gastgewerbes spielen soll.

Gesamtansicht von Schloss Sanem mit möglichem Neubau für Küche links unterhalb des historischen Gebäudes

Gesamtansicht von Schloss Sanem. Links unterhalb des Gebäudes könnte der Neubau mit Küche entstehen. Foto: Editpress/Claude Lenert

Michel Lanners hegt seit Jahren einen Wunsch: Der Direktor der EHTL, der „École d’hôtellerie et de tourisme du Luxembourg“, wünscht sich für seine Schule ein veritables Schloss als Visitenkarte. Genau diese Perspektive steht in Sanem seit Längerem im Raum.

Bereits im September 2021 hatte Bildungsminister Claude Meisch angekündigt, dass die EHTL neben ihrem Hauptsitz in Diekirch auch in Schloss Sanem vertreten sein soll. Damals war von rund fünf Jahren bis zur Fertigstellung die Rede. Seither zieht sich die Umsetzung in die Länge. Doch anders als bei manch anderem historischem Gebäude ist die Frage hier offenbar nicht, ob etwas geschieht, sondern wann.

Viele Pläne, lange Wege

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass für Schloss Sanem eine neue Nutzung im Raum steht. Das Gebäude diente im Laufe der Zeit sehr unterschiedlichen Zwecken: erst als Adelssitz, später als Kinderheim und danach als Sitz des „Centre virtuel de la connaissance sur l’Europe“, kurz CVCE. Zwischenzeitlich war auch ein Gästehaus der Regierung im Gespräch. Dazu kam es jedoch nicht.

Seit September 2025 ist die EHTL zwar auch im Süden vertreten. Allerdings nicht im Schloss Sanem, sondern vorläufig im modernen Multizweckgebäude GridX an der Autobahn A4. Dem Ziel ist man damit zumindest räumlich nähergekommen. Aufgegeben hat Lanners die Idee vom Schloss aber nicht.

Vorderansicht eines modernen Gebäudes mit Glasfassade und klarem Himmel im Hintergrund

Vorderansicht Foto: Editpress/Julien Garroy

Küche als Knackpunkt

In der Gemeinde Sanem rechnet man weiterhin mit der Umsetzung des Projekts. Zugleich weist die Gemeinde darauf hin, dass das Gebäude dem Staat gehört und sie deshalb weder Eigentümerin ist noch den Zeitplan vorgibt. Bürgermeisterin Simone Asselborn-Bintz beschreibt den aktuellen Stand so: „Bezüglich des Schlosses Sanem wurde sowohl seitens der zuständigen staatlichen Verwaltung der ‚Bâtiments publics‘ als auch durch die ‚École d’hôtellerie et de tourisme du Luxembourg‘ (EHTL) bestätigt, dass am Standort ein weiteres Ausbildungsstandbein der Hotelschule entstehen wird. Da im Schloss selbst keine professionelle Küche installiert werden darf, wurde auf dem umliegenden Gelände nach einer Lösung gesucht, um eine entsprechende Küche in einem Neubau unterzubringen. Diese Planungen schreiten derzeit voran. Zum aktuellen Zeitpunkt liegen der Gemeinde keine weiterführenden Informationen zum Bau- oder Zeitplan vor.“

Damit ist zumindest eine zentrale Schwierigkeit benannt. Das denkmalgeschützte Schloss lässt sich nur begrenzt für neue Nutzungen umbauen. Eine professionelle Küche, die für die Ausbildung nötig ist, soll deshalb nicht im historischen Gebäude selbst entstehen, sondern auf dem umliegenden Gelände.

Fassade im Stil italienischer Renaissancepaläste mit kunstvollen Säulen und dekorativen Steinmetzarbeiten

Anlehnung an italienische Renaissancepaläste Foto: Editpress/Anne Lommel

Auch das „Institut national pour le patrimoine architectural“ verweist auf die Sensibilität des Standorts und die Schutzwürdigkeit des Ensembles: „An diesem besonders sensiblen Standort, an dem sowohl Schloss als auch Park klassiert sind, begleitet das INPA die Planung der staatlichen Bauverwaltung (ABP), die an diesem Ort eine Hotelschule integrieren will. Erste Stellungnahmen wurden bereits abgegeben, die es erlauben, eine kleine Dependance im Park zu errichten, und zwar an jener Stelle, an der sich früher bereits ein Gebäude befand.“

Gemeint ist jenes Haus, in dem früher der Direktor wohnte und in dem später Flüchtlinge untergebracht waren. Seit dessen Abriss sieht die Denkmalpflege dort eher Spielraum für einen Neubau als an anderer Stelle des klassierten Areals. Bis dahin bleibt Schloss Sanem eher Zukunftsversprechen als gelebter Schulalltag.

Innenhof von Schloss Sanem mit Blick auf den Park, historische Architektur und grüne Gartenanlage

Der zum Park hin offene Innenhof von Schloss Sanem Foto: Editpress/Julien Garroy

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