Ehrenamtliche Gefängnisbesucher
„Reintegration beginnt am Tag des Einsperrens“
Seit 20 Jahren besuchen Mitglieder der „Association luxembourgeoise des visiteurs de prison“ (ALVP) Häftlinge in Luxemburger Justizvollzugsanstalten. Doch was treibt Menschen an, ihre Freizeit hinter Gittern zu verbringen? Zwei Frauen haben mit dem Tageblatt über ihre Motive und Erfahrungen gesprochen.
Die Mitglieder der ALVP besuchen Häftlinge in Schrassig, Sanem, Givenich und im CHNP in Ettelbrück Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
„Reintegration beginnt am Tag des Einsperrens, nicht erst am Tag der Entlassung. Im Gefängnis sitzen keine Monster, das sind Menschen. Das dürfen wir nie vergessen.“ Mit diesen klaren Worten unterstreicht die ehemalige Ombudsfrau und langjährige Strafverteidigerin Claudia Monti die Bedeutung der Gefangenenbetreuung. Sie sprach am Dienstagabend (21.10.) als Gastrednerin in Merl, wo die „Association luxembourgeoise des visiteurs de prison“ (ALVP) ihr 20-jähriges Bestehen feierte.
Seit zwei Jahrzehnten versteht sich der Verein als unabhängiges Bindeglied zwischen dem Leben hinter Gittern und der Welt draußen. Nach dem Leitgedanken, dass kein Mensch auf seine Taten reduziert werden darf, begleiten die ehrenamtlichen Besucherinnen und Besucher der ALVP Gefängnisinsassen emotional durch die Haftzeit – ein kontinuierlicher Austausch, der die psychosozialen Folgen der Isolation abfedern und den Grundstein für eine gelungene Rückkehr in die Gesellschaft legen soll.